Archive for the ‘Richtig gutes Deutsch!’ Category

Brauchen wir wieder eine “Liste der auszusondernden Literatur und der auszusondernden Wörter”?

Dienstag, Februar 26th, 2013

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Ein vierbändiges, wichtiges Werk des Ministeriums für Volksbildung der DDR war die berühmte “Liste der auszusondernden Literatur”. Ich meine: Man sollte diskutieren, ob heute nicht eine “Liste der auszusondernden Wörter” ebenfalls not täte.

Kürzlich hat es also Astrid Lindgren und ihre Pippi Langstrumpf ereilt.  Nicht nur brachte Lindgren in ihrem Taku-Taka-Land böse, verbotene Wörter in Umlauf, sondern sie beschrieb in Pippi Langstrumpf eine Welt, in der es gruppenspezifische Vorurteile gibt, statt dass alle Menschen, Jungen wie Mädchen, Alt wie Jung, Schweden wie Afrikaner sich einfach nur liebhaben und als gleichwertig anerkennen. “Miep, miep, miep, wir haben uns alle lieb!”, so lautet das Tischgebet der säkularen Kita.

Und kürzlich las ich erneut den spannenden Roman Der Verschollene. Ebenfalls ein schlimmes Buch mit bösen Wörtern. Hört, was der böse Autor schreibt und dem tüchtigen, arg benachteiligten Werktätigen, dem Heizer des Amerikadampfers in den Mund legt:

“Sehn Sie, wir sind doch auf einem deutschen Schiff, es gehört der Hamburg Amerika Linie, warum sind wir nicht lauter Deutsche hier? Warum ist der Obermaschinist ein Rumäne? Er heißt Schubal. Das ist doch nicht zu glauben. Und dieser Lumpenhund schindet uns Deutsche auf einem deutschen Schiff.”

Ein klarer Fall von Rassismus! Erneut ein klarer Fall von gruppenspezifischen Vorurteilen, ja diese Äußerung grenzt schon an Volksverhetzung! Sollte man also diesen Autor, der ebenfalls ein so böses Wort wie Lumpenhund verwendet, ebenfalls auf die Liste der auszusondernden Bücher setzen, oder doch mindestens das Wort “Lumpenhund” auf die Liste der auszusondernden Wörter setzen? Sollte man den offenkundig rassistischen, offenkundig deutschnationalistischen Verfasser des Romans “Der Verschollene” auf die Liste der auszusondernden Literatur setzen, zumal er ja eine weitere hellsichtige Darstellung des Rassismus und Antisemitismus geliefert hat – die kleine Erzählung Schakale und Araber?

Ich meine: nein. Gruppenspezifische Vorurteile sind etwas Menschliches. Alle Gruppen – ethnische, konfessionelle, politische, ständische Gruppen – neigen dazu, sich nach außen abzuschließen und die anderen herabzusetzen.  Das gilt für Mehrheiten ebenso wie für Minderheiten.

Der Autor des Romans “Der Verschollene” ist kein deutschnationaler Rassist, nur weil er ein gewisses Verständnis für die Lage eines deutschen Arbeiters äußert, der sich auf einem deutschen Schiff von einem Ausländer ungerecht behandelt fühlt.

Es wäre falsch, jetzt alle Bücher säubern, alle bösen Wörter ausmerzen zu wollen, nur weil sie die zutiefst menschliche Neigung zur Feindseligkeit gegenüber anderen Gruppen darstellen.

Schaut euch doch die lachende heitere Astrid Lindgren an, diese fröhlichen zuversichtlichen Kinder! Dies stolze, kühne, unbezähmbare Pippi Langstrumpf! Lasst uns doch diese Bücher nutzen, um wieder Kinder zu werden, um mit Kindern einzulernen, dass die Feindseligkeit, die Herabsetzung anderer Gruppen zwar etwa Menschliches ist, – aber nichts Letztes sein darf!

Wir müssen erkennen, dass das Böse nicht in den Wörtern als solchen liegt, sondern in der Abschließung vor dem anderen, in der Zurückweisung und Entwertung des anderen liegt. Dieses Böse aber – liegt in uns. Es gehört zu uns. Der Pole Kolakowski sagt es so: Zło jest w nas – das Böse ist in uns.

“Ma la Madonna – è una negra!” Die verehrte Mutter ist eine Negerin. Kaum irgendwo besser als in dem Film Basilicata Coast to Coast  können wir diese Überwindung des rassistischen Weltverständnisses erleben. Die bösen Wörter – Neger, Lumpenhund, Schakal usw. – verlieren ihre Bosheit. Im zuvor verachteten, mit bösen Wörtern verspotteten Menschen erblicken wir das Antlitz eines Menschen wie du und ich, der zum Vorbild werden kann.

Quellen:
Franz Kafka: Der Verschollene. Roman in der Fassung der Handschrift. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Maon 2004, S. 13-14.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/politisch-korrektes-deutsch-verbaende-wollen-soziale-unwoerter-zensieren-12094314.html

Franz Kafka: Schakale und Araber, in: ders., Die Erzählungen und andere ausgewählte Prosa. Herausgegeben von Roger Hermes. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 280-284

In der Kunst ist bloß ein einziges System gestattet: Systemlosigkeit

Donnerstag, Februar 21st, 2013

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“In der Kunst ist bloß ein einziges System gestattet: Systemlosigkeit.” Dieses großartige Wort schrieb der Geiger Carl Flesch als Fußnote in das Vorwort seines 1926 erstmals erschienenen Skalensystems. Ich zitierte es ausführlich am vergangenen Sonntag in einem Konzert junger Geiger, das im Carl-Flesch-Saal der Universität der Künste stattfand, und versäumte nicht, den Rang dieses Werks, das eine dichtgedrängte Folge von zergliederten Tonleiter- und Akkord-Übungen darstellt, herauszustreichen. Noch wichtiger aber als das systematische Zergliedern, das kraftsparende Pflegen und Stärken der geigerischen Technik ist die persönliche Hinwendung zum eigenen Spiel mit Ohr und Hand. Jeder Geiger muss sich immer fragen: “Will ich das so spielen?” Und diese ständige Selbstbeobachtung, Selbststeuerung entsteht nur dann, wenn vorher eine verlässliche Lehrer-Persönlichkeit dem Schüler diese Zuwendung, diese Außenbeobachtung geschenkt hat.

Mein eigener hochverehrter Geigenlehrer, Friedrich Schirbel, ehemals Mitglied der Berliner Philharmoniker, später Konzertmeister des Städtischen Symphonieorchesters Augsburg, erzählte mir während der Geigenstunden immer wieder von den Lehren und Erfahrungen dieser großartigen Persönlichkeit, die Carl Flesch war.

Schirbel, der Kindheit und Jugend in Berlin verbrachte, hatte selbst noch bei Flesch Unterricht genommen. “Flesch war unerbittlich im Unterricht. Faule Ausreden duldete er nicht. Aber spieltechnische Probleme, Schwierigkeiten zerlegte er unbestechlich in Elemente, löste schwierige oder unspielbare Stellen in Teilaufgaben auf – und führte uns so Schritt für Schritt weiter zur Vollendung.”

Carl Flesch wurde 1873 in Ungarisch Wieselburg geboren. Bukarest, Wien, Berlin, Amsterdam waren einige Stationen seines Geigerlebens. Er starb 1944 in Luzern. An Flesch liebe ich neben seinen treffenden, auch heute noch unerschöpflichen pädagogischen Handreichungen auch sein hervorragendes, unnachahmliches, bis in den letzten Nebensatz hinein gepflegtes Deutsch, ein im besten Sinne edles Deutsch, das mich in manchem Tonfall, in der Tonart gewissermaßen, an das mit hellsichtiger Seelenfreundschaft wirkende Deutsch eines Sigmund Freud, eines Franz Kafka erinnert.

So schreibt Flesch in seinem Skalensystem:

“Ich habe lange gezögert, ehe ich mich dazu entschloß, das in alle Tonarten transponierte Skalensystem* zu veröffentlichen. Denn bisher bin ich ein Gegner der allzuvielen Ausgaben dieser Art gewesen, die zumeist einander gleichen, wie ein Ei dem anderen, und denen nur selten ein origineller Gedanke zugunde lag.”

Hierzu ergänzt er in der Fußnote:

“Auch den Ausdruck “System” gebrauche ich nur der Not gehorchend, weil mir eben keine prägnantere Bezeichnung in den Sinn kam. Ich beabsichtige damit bloß die festgefügte praktisch-erprobte Form, jedoch nicht eine starre unelastische Übungsart zu bezeichnen, die dem Wesen echter künstlerischer Freiheit stets entgegengesetzt ist. In der Kunst ist bloß ein einziges System gestattet: Systemlosigkeit.”

Carl Flesch: Das Skalensystem. Tonleiterübungen durch alle Dur- und Moll-Tonarten für das tägliche Studium. Ein Anhang zum I. Bande von “Die Kunst des Violinspiels”. Verlag von Ries&Erler. Berlin 1953 [Erstausgabe: 1926]

Bild: Die Geigen unserer jungen Geiger im Alter von 4 bis 10 Jahren, aufgenommen im Carl-Flesch-Saal vor dem Konzert

Wo käuft dr schwob sei weckli?, oder: deutsch-deutsche Dolmetscher gesucht!

Montag, Dezember 31st, 2012

Eine gute Silvester-Idee wäre es, die verschiedenen Dialekte, die neuerdings zum Leidwesen der alteingesessenen Bevölkerung in Prenzlauer Berg zu hören sind, abzuprüfen, und dann in einem Pfänderspiel den Sieger zu küren! Wer ist der beste deutsch-deutsche Dolmetscher?

Preisfrage: Wie heißt alemannisch Weckli auf gut Berliner Prenzlauer-Berg-Deutsch? a) Schrippe b) Brötchen c) Rundstück d) sömmi e) bömmel f) laabla g) stüütkes

a) und nur a) ist richtig! Es heißt SCHRIPPE.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article112321505/Die-Schwaben-in-Berlin-sollen-Schrippen-sagen.html

Aber jetzt kommt’s:

Woher stammt die obenstehend unter d) angeführte Bezeichnung sömmi? Aus a) dem Bairischen, b) dem Lateinischen oder c) dem Assyrischen? Nun merket auf und ratet fein:

“A guad sömmi is außn resch und inna woach.  Des schlimmst is wenns bazig is. Des mog i fei neda.”

So habe ich es selbst noch in der Muttersprache meiner Mutter gehört. Ist diese zitierte Muttersprache a) Bairisch b) Lateinisch oder c) Assyrisch?

Handreichung: simila heißt Weizenmehl auf lateinisch, samidu heißt auf assyrisch Weißmehl.

Sömmi stammt offenbar a) aus dem Assyrischen, b) dem Lateinischen und c) dem Bairischen.

Daraus ergibt sich sich: Die Baiern wohnen dem Ursprung der Menschheit am nächsten, da die heutige Kultur des Abendlandes (einschließlich Prenzlauer Bergs)  und des Morgenlandes ursprünglich aus dem Zweistromland kommt.

 

Handreichung:

Kroizberg uber all in de Welt: Kuckstu ma in Economist

Donnerstag, Februar 16th, 2012

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Weiterhin gut behauptet: unser heimatliches Kreuzberg im aktuellen Economist auf Seite 29, der Zeitschrift für alle Länder der Welt, die nach eigenem Bekunden der Bundespräsident Richard von Weizsäcker so gern las.  Zwischen dem Titelthema Syrien, der endlosen Griechenland-Geschichte, der Religionspolitik der Kommunistischen Partei Chinas und einem Nachruf auf die Nobel-Preisträgerin Szymborska, die auch mehrere Elogen auf Stalin und die kommunistischen Schauprozesse verfasst hat, erscheint unser Heimatbezirk mit einem neuen Dialekt: Kiezdeutsch.

Die in Kreuzberg wohnende Professorin Heike Wiese beobachtet fasziniert, wie sich unter unseren Augen ein neuer Dialekt heranbildet. Prof. Helmut Glück von der Uni Bamberg widerspricht: Kiezdeutsch sei eine Sprechart, kein Dialekt.

Ich meine, beide habe irgendwo recht. An Kindern habe ich selber bemerkt, wie sie sich anpassen an die typische Kreuzberger Sprechweise. Ortsüblich ist zum Beispiel die häufige Beschwörungsformel: “Isch schwörs dir!” Ganz typisch für die Kreuzberger Kinder scheint mir auch die frühe Bekanntschaft mit vielen Ausdrücken aus den Bereichen Erwachsenensexualität, für die wir früher eine scharfe Zurechtweisung erhalten hätten. Diese intimen Kenntnisse zeigen die Jungen bereits ab 6 oder 7 Jahren mit großem Stolz.

Manche Lehrer an Kreuzberger Gymnasien sagen mir, manche Schüler verstünden in allen Stufen oft schon die Aufgabenstellungen nicht, geschweige denn, dass sie imstande wären, eine sinnvolle Antwort zu formulieren.

Ich meine, Kinder und Jugendliche sollen ruhig wie Jugendliche aller Zeiten und Völker ihre Gruppensprache sprechen. Wichtig wäre aber auch, dass alle Standardsprache, also Hochdeutsch lernten.  Ich glaube, gute Kenntnisse der üblichen deutschen Sprache wären eigentlich unabdingbar.

Spannend!

Bild: Russisches Denkmal für die ruhmreichen Söhne der sowjetischen Heimat in Brandenburg/Havel

German dialects: Teenagers’ argot | The Economist

Wer oder was war Hauptbelastungszeuge?, oder: Man nannte ihn Genitiv

Montag, Januar 9th, 2012

Weiterhin schwierig bleibt die hochdeutsche Sprache für uns Deutsche! Hier wieder ein beliebiges kleines Fundstück, diesmal aus der aktuellen Berliner Zeitung. Als Hintergrund sei erklärt: Ein malaysischer Politiker wurde von einem Gericht des Landes für unschuldig erklärt. Anwar Ibrahim habe sich nichts Strafwürdiges zuschulden kommen lassen. Denn er sei gar nicht homosexuell, und darüber jubelt die deutsche Presse von SPIEGEL bis TAGESSPIEGEL einmütig. Es war also nichts dran an der grundlosen Unterstellung, er sei homosexuell. Es war also nur versuchter Rufmord. Große Erleichterung für die deutsche und die malaysische Presse! Alles in Butter für unsere butterweiche deutsche Presse!

Dass nicht nur in Malaysia, sondern in vielen Ländern homosexuelle Handlungen unter hohen Gefängnisstrafen oder gar unter Todesstrafe durch Steinigung verboten sind, kümmert die deutsche Presse in ihrem Jubel nicht. Die Journalisten sind ja auch alle tagaus tagein mit Herrn Wulff beschäftigt. Da können sie sich tummeln – ohne jede Strafandrohung. Toll. Alles in Butter.

Hier unser deutscher Satz des Tages aus der Tagespresse:

Malaysia: Freispruch für Oppositionsführer Anwar Ibrahim | Politik - Berliner Zeitung
“Die Proben waren am Körper des ehemaligen Mitarbeiter – dem Hauptbelastungszeugen – gefunden worden.”

Richtig war bis meines Erachtens bis vor wenigen Jahrzehnten:

“Die Proben waren am Körper des ehemaligen Mitarbeiters – des Hauptbelastungszeugen – gefunden worden.”

Denn nicht der Körper des ehemaligen Mitarbeiters, sondern der ehemalige Mitarbeiter war Hauptbelastungszeuge. Sonst wäre es Mord gewesen.

Man nannnte das Phänomen Genitiv.

“Es ist zum Politikerverdrossenwerden”

Dienstag, Oktober 4th, 2011

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Das Rätsel des gestrigen Tages harrt der Lösung.

Sehr feinfühlig haben an diesem Tag bereits die Online-Redakteure des Tagesspiegels reagiert und den kleinen Schnitzer berichtigt:

Rot-Grün in Berlin: Es ist zum Politikverdrossenwerden – Meinung – Tagesspiegel
Es ist zum Politikerverdrossenwerden.

So ist es richtig, danke!

Denkbar ist auch: Es ist zum Politiker-verdrossen-Werden, oder: Es ist zum Politikerverdrossen-Werden.

Wie kann man die StVO von ihren Schreibfehlern erlösen? Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten:

Das Nebeneinanderfahren ist den Radfahrenden auf Fahrradstraßen erlaubt.

Oder: Das Nebeneinander-Fahren ist den Radfahrenden auf Fahrradstraßen erlaubt.

Merke: Der substantivierte Infinitiv ist stets groß zu schreiben, bei mehrteiligen Fügungen ist entweder durch Bindestriche durchzukoppeln oder zusammenzuschreiben.

Näheres dazu: Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung § 57 (2) Abs. 2 in Verbindung mit § 37 (2) ebenda

Bild: Der neue Park am Gleisdreieck ist das Richtige zum Politikerverdrossenheits-Abwerfen und zum Neue-Kraft-Schöpfen!

Soll man die deutsche Rechtschreibung ganz schleifen lassen?

Dienstag, Oktober 4th, 2011

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“Es ist zum politikerverdrossen werden.” Ein altes, in diesem Blog bereits mehrfach, unter anderem am 14.01.2011 erörtertes Problem der deutschen Rechtschreibung springt uns heute beim Tagesspiegel-Lesen wieder mit Macht an. Dieses Problem, das Problem des mithilfe des Artikels substantivierten Infinitivs ist aber auch wirklich ist zum Die-Haare-Ausraufen – oder zum die haare ausraufen? Lest und entscheidet! Nur einer der fünf folgenden Sätze ist gemäß der früheren und auch gemäß der jetzt geltenden amtlichen Rechtschreibung richtig geschrieben. Welcher?

a) Es ist zum politik verdrossen werden.

b) Es ist zum politikerverdrossen werden.

c) Es ist zum Politiker-verdrossen-Werden.

d) Es ist zum politikverdrossen werden.

e) Das nebeneinander fahren ist den Rad fahrenden auf Fahrradstraßen gemäß Straßenverkehrsordnung erlaubt.

Koalitionssuche in Berlin: Rot-Grün in Berlin: Es ist zum politikverdrossen werden – Meinung – Tagesspiegel
Es ist zum politikerverdrossen werden.

Die Auflösung erfahrt ihr morgen beim Armes-Kreuzberger-Blog-Lesen bzw. beim Armeskreuzbergerbloglesen – oder auch beim Lesen des armen Kreuzberger Blogs!

Wir meinen: Die Rechtschreibung ist nichts zum Auf-die-leichte-Schulter-Nehmen. Gerade gegenüber Kindern wird man kaum in der Schule verlangen können, sie sollten sich an die Regeln halten, wo doch selbst viele Erwachsene ihre liebe Not mit dem Richtigschreiben haben.

Das Gleiche gilt, nebenbei bemerkt, für das Bei-roter-Ampel-Anhalten und das Sauberhalten des Parks.

Im Bild: Der neue Park am Gleisdreieck in Kreuzberg

Singen, Tanzen, Lachen, Lernen …

Freitag, September 30th, 2011

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Sehr schöner Tag an unserer deutsch-russischen Grundschule! Kinder, Lehrer, Mitarbeiter und Eltern singen ein paar Lieder, die Kinder tanzen. Ich selbst fiedle und singe ebenfalls. Anschließend spreche ich mit der russischen Lieder- und Opernsängerin Irina Potapenko über das Liedersingen und Nicht-Liedersingen. Sie erzählt von Rolf Reuter, dem bekannten Dirigenten von der Komischen Oper, er habe gerade in den Jahren vor seinem Tod immer wieder tieftraurig geklagt:

“Die Deutschen singen nicht mehr!”

Ich nehme an, Reuter war wie ich auch der Meinung, dass das Singen in der Kindheit der entscheidende Baustein für die Weitergabe der Musikkultur ist. Ich würde sogar weitergehen: Das Singen der bekannten deutschen Volkslieder stiftet gerade für Migranten einen goldenen Eingang in die deutsche Sprache, den sie jetzt zu Zehntausenden und Hunderttausenden Jahr um Jahr verfehlen.

Das größte Problem scheint mir zu sein, dass alle, sogar die Wissenschaft, sogar die Bildungsforschung den unverzichtbaren Rang des Singens in Kindergarten und Schule zugeben würden, wenn man sie denn befragte. Aber gerade weil der Wert des Singens so offen auf der Hand liegt, kann man damit keine Karrieren basteln. Am Singen ist nichts zu verdienen.  Ich habe selbst versucht, die Forderung nach regelmäßigem, verbindlich vorgeschriebenem  Kita- und Schulsingen in die bildungspolitischen Forderungen meiner Partei zur Abgeordnetenhauswahl 2011 einzubringen. Es gelang mir zwar – jedoch nicht als Forderung, sondern nur als “flächendeckendes Angebot”. Das fand ich bezeichnend, dass statt einer klaren, (wahl-)kämpferischen Forderung ein weiteres staatliches Angebot erscheint.

Die Berliner Landespolitik ist weiterhin Angebotspolitik, leider noch nicht Ermutigungspolitik, wie sie mir vorschwebt. Man macht es lieber alles etwas teurer als nötig, alles etwas größer als nötig. Statt zu sagen: “Montiert eure Satellitenschüsseln ab und geht wandernd&singend ins Gebirge!” spendiert der Senat lieber kostbare Verzierungen im Wert von 60 Euro je Stück – die berühmten bunten Überzieher aus Plastik für die Satellitenschüsseln.

Statt ein einfaches, kostenloses Hilfsmittel wie “Singt in der Schule” vorzuschreiben,  pumpt die Politik lieber Geld in die Bildungsforschung, in die ADHS-Syndrom-Forschung, in Strukturreformen, in zweite und dritte Lehrkräfte, in kleinere Klassen und mehr Klassenräume. Leitfrage ist dabei: “Warum können Kinder sich nicht mehr konzentrieren? Warum lernen unsere armen benachteiligten Migrantenkinder über Generationen hinweg kein Deutsch?”

Damit kann man sehr sehr viel Geld und sehr viele Projektmittel gewinnen! Es lebe die Bildungsforschung! Hip hip hurra!

Bild: die üppig wuchernde Wildnis im neuen Park am Gleisdreick, Kreuzberg. Erwandert gestern.

“Isch mach dich Messer”, oder: Schönes Neues Deutsch!

Mittwoch, September 14th, 2011

Heike Wiese, Germanistik-Professorin aus Potsdam, fährt auch mal Bus in Kreuzberg und lernte so unsere Umgangssprache kennen. Sie erkennt das Entstehen eines neuen deutschen Dialekts, des Kiezdeutschen. Gute Beobachtung! Die Kreuzberger Kinder lernen ihre eigene Sprache, Hochdeutsch lernen sie nicht oder nur mit großer Verzögerung und großen Einschränkungen.

Die staatlichen Bildungseinrichtungen, hier vertreten durch Professor Wiese, haben bis heute nicht zu erklären vermocht, ob Kinder auch Hochdeutsch lernen sollten, wie man es auch außerhalb des Kiezes verstehen würde.

Hier in Kreuzberg suppt und köchelt alles vor sich hin, seit Jahrzehnten dieselbe Platte, man lässt die Kinder auf den Straßen im eigenen Saft schmoren. Ein echtes kleines Aquarium, das jetzt auch seine eigene Sprache hat.

“Isch mach dich Messer” – Berliner Zeitung

Krude ist alternativlos!

Donnerstag, Juli 28th, 2011

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Das Wort krude würde ich zum Unwort des Jahres vorschlagen.” So äußert sich soeben Monika Maron in der WELT online. Zustimmung, Frau Maron! Ich selbst schlüg es auch gerne vor. Ich unterbreitete in aller Bescheidenheit einen dahingehenden Vorschlag in diesem Blog nebst sprachgeschichtlichen Betrachtungen und einigen tagesaktuellen Belegen am 21.01.2011 unter dem Titel “Ist krude alternativlos?

Ich meine, dieses Wort krude sollte es wirklich mindestens in die Auswahlliste der 10 aussichtsreichsten Kandidaten  für das Unwort des Jahres schaffen! Ja, ich gehe einen Schritt weiter und behaupte keck und kühn: Krude ist als Unwort des Jahres alternativlos!

Der ausführlichen Begründung von Frau Maron stimme ich zu. Die Schriftstellerin, deren Roman Flugasche mir in lebhaftester Erinnerung ist, hat es zweifellos besser gesagt als dieser mit Worten ringende arme Kreuzberger Blogger.

Hallo, Gesellschaft für Deutsche Sprache, Darmstädter Akademie, Erlauchtheiten und Magnifizenzen! Bitte merken Sie krude vor!

Belegstelle:

 Interview über Sarrazin: “Endlich wurde gesagt, was ohnehin gedacht wurde” – Nachrichten Politik – Deutschland – WELT ONLINE

Lest andere Unwörter auf unserem Foto des Tages! Es zeigt die krude Unterführung des verträumten Bahnhofes der herrlich aufgeräumten Stadt Eisenhüttenstadt, aufgenommen von diesem kruden Blogger bei einer Radtour an einem herrlichen Sommertag, dem 24. Juli 2011