Jan 262018
 

Was ist der Unterschied zwischen einer Gedenkstätte und einem Denkmal? Nun, ein Blick auf die Schöneberger Annedore-Leber-Gedenkstätte mag dies verdeutlichen: Hier, in dieser Kohlenhandlung, an diesem Ort trafen sich namhafte Mitglieder des deutschen Widerstandes. Sie, diese Deutschen, wollten den Krieg beenden, sie wollten Hitler stürzen, sie kämpften konspirativ gegen die verbrecherische Regierung der Nationalsozialisten. Mitglieder des Kreisauer Kreises, Annedore Leber, Julius Leber, Vertreter des sozialdemokratischen deutschen Widerstandes, des kommunistischen deutschen Widerstandes, des christlichen, des bürgerlichen und des adligen deutschen Widerstandes kannten und nutzten diese Kohlenhandlung. Ernst von Harnack, Ludwig Schwamb, Helmut James Graf von Moltke, Peter Graf Yorck von Wartenburg, Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörten zum weiteren Umfeld der deutschen Männer und Frauen, die hier aus und ein gingen. Auch wenn die meisten dieser Deutschen heute vergessen sind, würden sie sich als mögliche Vorbilder für die deutsche Jugend eignen.

Gedenkstätten wie etwa diese Annedore-Leber-Gedenkstätte stehen und entstehen an den Orten des Geschehens. Sie erinnern an das, was hier „einst geschah“. Dass alle Bauwerke „echt“ sind, wird dabei nicht verlangt. So finden sich in zahlreichen KZ-Gedenkstätten kaum noch originale Ausstattungsstücke; Hütten, Baracken, Zäune und Stacheldraht sind häufig nachgebaut oder rekonstruiert. Dennoch hat sich eine blühende KZ-Gedenkstättenlandschaft entfaltet; diese häufig nachgebauten KZs innerhalb und außerhalb Deutschlands sind heute der Stolz der deutschen Erinnerungskultur. Sie dienen der Abschreckung und der Bestätigung dessen, was „wir immer schon geahnt haben“. Die deutsche Jugend wird an ihnen zu intensiven Gefühlen der Scham und der Verachtung erzogen: „Schaut her, so schlimm sind wir Deutschen gewesen!“, lautet der Cantus firmus. Man verlässt diese Orte mit dem Gefühl, dem Verbrechen selbst ins deutsche Antlitz geblickt zu haben.

Anders dagegen das Denkmal! Denkmäler sind losgelöst von dem Ort, an dem sie stehen. Das Holocaustdenkmal, so stolz man in Deutschland auch auf es sein mag, steht nicht am historischen Ort. Weder wurde an diesem Ort einer der vielen Beschlüsse zu den zahlreichen Massenmorden gefasst, noch wurden sie hier ausgeführt. Und dennoch, gerade deswegen ist es tipp topp in Schuss gehalten. Es bündelt und konzentriert den Kern deutschen Geschichtsdenkens auf einzigartige Weise. Es zieht die Massen an, es ist zu Recht eine Touristenattraktion ersten Ranges.

Das 12-KZ-Erinnerungsschild am Schöneberger Kaiser-Wilhelm-Platz ist ebenfalls keine Gedenkstätte, sondern ein Denkmal – ein Erinnerungszeichen an die genau 12 deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager, die „wir nie vergessen dürfen“. Derartige Denkmäler der Erinnerungskultur stehen vielfach verteilt im Berliner Stadtraum; sie bilden das Rückgrat der weltberühmten deutschen Vergangenheitsbewältigungserinnerungskultur.

Sie bilden deutsche Identität wie nichts anderes sonst ab. Sie sind der Kern der deutschen Kultur der Jetztzeit.

Das Bild zeigt die Annedore-Leber-Gedenkstätte am 17. Januar 2018, Ort: Berlin-Schöneberg, Torgauer Straße, Annedore-Leber-Park
Das Video zeigt den Zustand der Annedore-Leber-Gedenkstätte am 17. Januar 2018.

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Traurige Betroffenheit

 Fahrrad, Schöneberg  Kommentare deaktiviert für Traurige Betroffenheit
Jan 252018
 

Düstere Meldung im Morgennebel. Gerade bei mir um die Ecke verlor gestern eine Fahrradfahrerin ihr Leben. Wie so oft bei anderen Unfällen, wurde auch hier die Radfahrerin durch einen rechtsabbiegenden LKW erfasst, während sie selbst rechts von ihm geradeaus weiterfahren wollte. Die Stelle fahre ich selbst sehr oft. Ein mulmiges Gefühl verstärkt sich. Wir sind gewarnt und traurig. Hier einige Fotos von dieser Stelle, aufgenommen heute, Ecke Kolonnenstraße/Hauptstraße.

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Von Kant zum Kind. Ein Auflachen

 Immanuel Kant, Kinder, Philosophie, Schöneberg  Kommentare deaktiviert für Von Kant zum Kind. Ein Auflachen
Okt 182017
 

Eine ungelöste Frage bleibt die Einhaltung der Verkehrsregeln durch Erwachsene bei der Begegnung mit den schwächsten Menschen, den Kindern. Wird es mir je gelingen, auch nur einen Erwachsenen zum Absteigen im Schulhof der Schöneberger Teltow-Grundschule zu bewegen? Wie, wenn ich die Erwachsenen auf Immanuel Kant verwiese, ihnen einschärfte, dass wir allezeit gemäß diesem wohl bedeutendsten Philosophen deutscher Sprache so handeln sollten, als könnte die Maxime unseres Handelns zugleich Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein? Wer kräht denn danach? Wer liest oder kennt heute unter den Deutschen noch Kant? Wer ließe sich durch allgemeine philosophische Überlegungen zu einer Verhaltensänderung bewegen?

Solches Sinnieren befällt mich unwillkürlich manches Mal, doch wische ich diese trüben Gedanken über den kulturell so dürftigen, so armseligen Zustand des deutschen Vaterlandes gern beiseite, wenn mir etwas Schönes begegnet.

So auch heute! Ich schob mein Fahrrad gedankenverloren über den Schulhof der Grundschule, da sprang mir ein Mädchen entgegen, das sich aus einer Gruppe von spielenden Kindern gelöst hatte!

Welche Botschaft brachte es mir? Es reichte mir lächelnd ein handgeschriebenes Zettelchen entgegen und lief sofort ängstlich weg. Was stand auf dem Zettelchen?  „Danke fürs Absteigen!“ las ich. Ich las es und da lachte mir das Herz! O ihr Kinder, ihr bezwingt noch den melancholischsten Philosophen! Selbst ein Immanuel Kant hätte kurz von seinem kategorischen Imperativ oder seinen transzendentalen Bedingungen einer jeglichen Erkenntnis abgesehen, die irgend Anspruch auf den festen Gang einer Wissenschaft würde Anspruch erheben können. Er hätte sich rühren lassen.

So wie ihr mich angerührt habt. Ihr habt mein Herz erobert. Kant hin, Goethe her. Das ist Musik in meinem Herzen, wie sie ein J.S. Bach nicht schöner komponieren könnte.

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Danke, kleines fleiß’ges Maschinchen in Schöneberg!

 Nahe Räume, Schöneberg  Kommentare deaktiviert für Danke, kleines fleiß’ges Maschinchen in Schöneberg!
Okt 122016
 

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„Ach, wenn ich nach Dienstschluss so aus meinem Rathaus komme und denke, ja wann haben denn hier diese Stufen zum letzten Mal einen Besen gesehen, und wenn ich dann erfahre: Auch heute war hier drei Mal die BSR zugange, hat gefegt und geräumt, geputzt und gewienert… dann möchte ich doch tatsächlich selbst noch zum Besen greifen, möchte Hand anlegen. Aber ich weiß: auch eine vierte Treppenreinigung wird unser Rathaus nicht in vollkommenem Glanz erstrahlen lassen.“

So die beredte Klage einer Mitarbeiterin des Neuköllner Bezirksamtes, der ich am vergangenen Freitag in einem der angesagtesten Kultur- und Debattiersalons unserer Stadt lauschen durfte.

Die Klage kam mir heute wieder in den Sinn! Denn – denkt euch nur, Kinder! – bei uns in Schöneberg hat sich die Berliner Stadtreinigung etwas Besonderes einfallen lassen: ein fleißges kleines Maschinchen, mit einem Saugrüssel versehen, dem nichts, aber nichts entgeht: nicht die Zigarettenkippen, die täglich freigebig neu aufgestreut werden, nicht die Getränkepackungen, nicht das große Geschäft der vielen promenierenden Hunde und Hündchen.

Mehrmals pro Monat rummelt das fleißge Maschinchen  vorbei an meinem blumenbepflanzten Balkon. Das  Maschinchen hab ich ins Herz geschlossen. Wie gut es ist: Der Achtlosigkeit der Bürgerinnen und Bürger – achtet es nicht. Es verrichtet unverdrossen seinen Dienst. Und, Kinder, denkt euch nur: Ein Dankeschön erwartet es nicht. Es erwartet nicht, dass die Bürgerinnen und Bürger sich ändern. Es ist die Antwort des treusorgenden fürsorglichen Staates an die Bürgerinnen und Bürger, die – weil es das Maschinchen gibt – bleiben dürfen, wie sie immer gewesen sind in unserer Stadt.

Du brauchst das Maschinchen nicht zu belohnen, du kannst die Berliner Stadtreinigung  nicht wählen; du kannst BSR nicht auf dem Stimmzettel ankreuzen. Aber ich, ich wollte hier das kleine fleißige Maschinchen loben. Weil es sonst niemand macht. Wer achtet sein? Kein Hund achtet sein!

Wie rückständig sind doch die Bürger beispielsweise in Ansbach oder Augsburg: Dort räumt nach Silvester immer noch jeder Bürger den eigenen Dreck weg. Und bei uns wissen wir: Das brauchen wir nicht, wir haben ja das kleine fleißge Maschinchen.

Und ich? Ich würde BSR wählen, ich hätte BSR gewählt, wenn es eine Partei wäre. Dem fleißgen Maschinchen zuliebe.

Danke, kleines fleißiges Maschinchen, dass es dich gibt!

Du bist Vorbild; du bist Sinnbild des Bürger-Staat-Verhältnisses in unserem üppigen Bundesland; der Staat, der Bezirk wischt und fegt uns Bürgern hinterher – wie eine gute aufopferungsvolle Mutter, die ihre Kinder über alles liebt, auch wenn sie noch alt und – wie man früher sagte – „erwachsen“ sind und schon selber wischen und fegen könnten.

Siehst Du oben das Bild, lieber Leser? Das ist das kleine fleißge Maschinchen, das Sinnbild der Berliner Politik und Staatlichkeit. O wie gerne würd ich doch das kleine fleißge Maschinchen auch einmal nach Neukölln schicken!

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Der Fuchs – ein Vorbild des Menschen?

 Nahe Räume, Natur, Philosophie, Schöneberg, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Der Fuchs – ein Vorbild des Menschen?
Jun 072016
 

 

 

Betrachte diesen Fuchs genau! Er streift an uns vorbei, sucht sich ein Plätzchen, wittert, prüft, verhält, lugt, lauscht: ein gepacktes Bündel an Aufmerksamkeit, Hinhalten, Hinlauschen. Und doch wieder vollkommen in sich ruhend, auf sich bezogen. Selbsthabe, Selbstwahrnehmung, Wahrnehmung des Umfeldes, spielerisches Erkunden, Selbst-Fürsorge: das Kratzen mit dem eigenen Lauf. Kurz fasste er uns ins Auge, sicherte und witterte zu uns herüber. Er eräugte uns – aber wir waren kein Ereignis für ihn: eine Kommunikation zwischen Mensch und Tier wollte sich diesmal nicht einstellen.

Der Fuchs ist ein Vorbild an Wachheit und Aufmerksamkeit für uns Menschen. Wir Menschen, deren Aufgabe das Wachsein ist!

Bedenke: diese Begegnung ereignete sich vergangenen Sonntag an der Wilhelm-Förster-Sternwarte in Schöneberg, also dort, wo der Mensch sein Eräugen in die Weiten des Weltraumes wirft! Dem Fuchs muss dies unbegreiflich sein. Und dennoch tut er im Kleinen nichts anderes als das, was die Naturforscher im Großen auch bewerkstelligen: er erkundet, erforscht, er sucht Koordinaten, er orientiert sich, er bildet sich eine Vorstellung des Ganzen, das ihn umgibt. Er hat eine Weltsicht; er hat gewissermaßen sogar ein „Menschenbild“, denn offensichtlich misst er dem Menschen, den er vermutlich als Lebewesen, also als seinesgleichen, wahrnimmt,  keine überragende Bedeutung bei. Menschen sind für diesen Fuchs Lebewesen, die es nicht zu fürchten gilt, die allenfalls nur vorübergehende Aufmerksamkeit verdienen. Wir sind für ihn – Vorübergehende. Er ist für uns – ein Vorübergehender, der kurz bei uns verweilte und uns beglückte in all seiner Fremdheit.

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Arkadische Melodie. Südgelände, Schöneberg

 Antike, Europäische Galerie, Europäisches Lesebuch, Freude, Schöneberg  Kommentare deaktiviert für Arkadische Melodie. Südgelände, Schöneberg
Jun 042016
 

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Schon verloren die Guteschafe
die Hälfte des wolligen Kleides,
während auf sicher gebauetem Steg
der selberernannte Schäfer

Quendel und Quecke nicht achtend
stumm summend auf unhörbarer Flöte
zärtlich lockend die Zicklein heranruft,
die seiner nicht achten, nein:

Eifrig nicken die Köpfchen, zupfen
am Thymian und an Wegwarte
Blatt um Blatt, Halm um Halm,
eifrige Rasenstutzer im Dienste

des unbekannten, des unerkannten Gottes.
Die Sprayer werkeln und schütteln die Döschen,
träge rummen die Interregios vorüber;
ein uralter Opel-Schornstein qualmt unsichtbar weiter.

hic in reducta valle caniculae vitabis
vitabis aestus, die Fräulein Grimms erzählen indes
dein leichtes, dein sanft plätscherndes Leben,
dein Leben: das war, das ward, das wird und das sein wird.

 

 

 Posted by at 19:43

„Pecore matte“?, oder: Sind Schafe immer „lammfromm“ oder „gut“?

 Dante, Natur, Parkidyllen, Schöneberg, Wanderungen  Kommentare deaktiviert für „Pecore matte“?, oder: Sind Schafe immer „lammfromm“ oder „gut“?
Mai 302016
 

Eine unerschöpfliche Quelle von Beobachtungen bieten die Hornschafe im Natur-Park Schöneberger Südgelände! So manche gute Stunde habe ich damit verbracht, sie anzuschauen. Und so heißt diese Rasse ja denn auch: „Guteschaf“, wobei „Gute-“ sich auf die Herkunft dieser Spielart bezieht, nämlich Gotland in Schweden. Die Widder tragen spiralförmige prachtvolle Hörner, die Hörner der Auen sind krumm wie eben die Krummhörner.

Hier eine Aufnahme vom 26. Mai 2016. Erstaunlich sind die schnellen Läufe einzelner Tiere, das spielerische Rangeln und Raufen, das heftige Aufeinanderprallen kämpfender Widder. Zu Beginn ist eine niesende Aue zu hören und zu sehen. Das gesamte Sozialverhalten der geselligen Tiere weicht stark von dem der üblichen Hausschafe ab. Die Herde zeigt starke selbstregulatorische Verhaltensmuster: Ruhen, Äsen, Spielen, Kämpfen, Fellwechsel scheinen sich von selbst in dieser Lebensgemeinschaft „einzuspielen“. Als ich sie heute erneut besuchte, war der Fellwechsel vollzogen. Der dicke Winterpelz, den einige Tiere noch vor wenigen Tagen zeigten, hat sich in großflächigen Abschnitten abgelöst.

Von der angeblichen „Schafsgeduld“ konnte ich wenig entdecken. Im Gegenteil! Die Herde wirkt außerordentlich aktiv, sie gestaltet ein geselliges Leben, sie gestaltet verändernd auch das eigene Lebensumfeld. Die einzelnen Tiere zeigen Neugierde, Anlehnungsbedürfnis, Geselligkeit, Rivalität, Aggression und Gemeinschaftssinn.

Die Antwort auf unserer heutige Frage lautet also: Schafe sind keineswegs nur lammfromm. Dante hatte einst gedichtet: „Siate uomini e non pecore matte – Seid Männer, nicht tumbe Schafe!“ Ich meine, er würde seine vorgeprägte Meinung über Schafe ändern, wenn er sähe, wie ausgelassen Schafe tollen, wie tapfer und mannhaft sie kämpfen können!

 Posted by at 17:21
Apr 182016
 

20160416_125453[1]… aus dem von dir vertretenen Reich?“ So fragte Gottfried Benn in seinem Gedicht „Einsamer nie —„, und so fragt mancher Freizeitwerker sich.

Nun, hier kommen meine Siegsbeweise! Vorgestern habe ich unter den Fittichen der SPD Schöneberg und der BSR  an einer BSR-Platzputz-Aktion „Kehrenbürger“ teilgenommen und zwei Müllsäcke in gut einer  Stunde gefüllt. Darauf bin ich stolz! Ich darf mich zusammen mit einem guten Dutzend anderer freiwillig kehrender Bürger Kehrenbürger nennen und weiterhin stolz die zur Verfügung gestellten Handschuhe tragen. So wie hier oben sah die Ebersstraße nach unserer Aktion aus!

Und so sah es vorher aus:

20160416_121640[1]

Kehrenbürger ist eine gute Sache: die BSR stellt Initiativen, Verbänden, Parteien, Firmen gern ihr Wissen und ihre Werkzeuge wie etwa Kehrbesen und Müllsäcke zur Verfügung und transportiert die Jagdbeute auch ab.  Die SPD Schöneberg konnte sich erfolgreich als Ausmisterpartei darstellen, wir kreuzbraven einfachen Bürger sind froh, dass endlich mal jemand unseren Eifer abruft. Also ran, lasst euch doch nicht von der Schöneberger SPD lumpen, werdet ebenfalls Berliner Ausmisterparteien! Ruft die Bürger zum kräftigen Schaffen auf! Der Ausmister-Wahlkampf ruft schon!

http://www.kehrenbürger.de/index.php

Unser Revier war der Park vor dem Gasometer und die Ebersstraße, und zwar von der Freifläche vor der Teltow-Schule an bis zur Herbertstraße. Das Motto Goethes lautet:
„Ein jeder kehre vor seiner eignen Tür
Und rein ist bald das Stadtquartier!“

Hier kommt unser Befund:

  1. Gehwege und Grünstreifen waren vor allem mit folgenden Müllarten übersät: Getränkepackungen aus Kunststoff und Pappe (Spitzenreiter!), sonstige Verpackungen, 1 alter Kühlschrank neben dem Bürgersteig, Bauschutt, benutzte Hygieneartikel.
  2. Statistisch stellen Zigarettenkippen die häufigste Verschmutzungsart dar. Bewohner und Passanten schnippen gleichermaßen überall in Berlin bedenkenlos zu Ende gerauchte Zigaretten auf die Straße.
  3. Hundekot stellt erstaunlicherweise in Schöneberg kein nennenswertes Problem mehr dar. Die vor wenigen Jahren eingeführte Hundekot-Beseitigungspflicht wird durch Hundehalter weitestgehend eingehalten.
  4. Ein Sonderproblem stellte der wilde Autoparkplatz am Ende der Ebersstraße direkt neben dem Hofgelände der Teltow-Schule dar. Hier fand ich immerhin etwa ein Drittel meiner gesamten Müllausbeute, darunter eine blutverschmierte Monatsbinde, Bauschutt,  einen alten Teppich. Man könnte von einer echten Mikro-Müllkippe sprechen!
  5. Besonders stark vermüllt mit Sperrmüll und Verpackungsmüll war und ist auch weiterhin die komplett umzäunte, nicht zugängliche Naturanlage längs der Gleise an der Ebersstraße.
  6. Unüberwindbare Grenzen des kehrenbürgerlichen Einsatzes sind: a) Zigarettenstummel. Die sind nicht mehr zu zählen. Händisch nicht zu schaffen! b) Der alte Kühlschrank. Er ist schlicht zu schwer. c) Bauschutt am Ende der Ebersstraße auf dem wilden Parkplatz d) Sperrmüll in der komplett umzäunten Naturfläche längs der ehemals genutzten Gleise. Hier muss man einfach sagen: Die Kräfte der einzelnen sind beschränkt. Der Bürger kann allein  nicht alles schaffen.
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Diese Fotodokumentation zeigt den Zustand vom vergangenen Samstag:
Ein Blick in das umzäunte Naturareal (unerreichbar für uns)  – die Ausbeute eines einzelnen Kehrenbürgers aus 1 Stunde – benutzte Arbeitshandschuhe – der Kühlschrank in der Ebersstraße, an dem wir uns die Zähne ausgebissen hätten und von dem wir die Hände ließen
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 Posted by at 10:25
Apr 172016
 

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Und das haben die Kinder gezaubert: ein kleines Freiheitsdenkmal schmückt jetzt den Verteilerkasten in unserer Straße. Die Kinder wollen Erkennbares, die bunten Zwerge wollten selbst auch ein Zeichen der Freude und der Hoffnung in der Wüstenwanderung des Lebens setzen. Ein Kamel hat es bis zur Oase in Ägypten geschafft; hinten erblicken wir die Pyramide der Weisheit. „O Traum der Wüste, Liebe, endlos Sehnen!“ So dichtete einst Clemens Brentano!

Auf der anderen Seite winkt uns ein Affe zu. Der Affe grüßt das Kamel in Sonnenschein. Er winkt die dunklen Wolken der Weltenfinsternis einfach weg. In Ägypten herrscht also Frieden und Fröhlichkeit. Das ist die dichterische Macht der Freiheit, das ist das Einheitsdenkmal, das die Großen in Berlin wegen lumpiger 5 Millionen Euro nicht hinkriegen und einfach so absagen wollen!

Das haben uns die Kinder der Grundschule hingezaubert. Danke, Kinder, danke, Lehrer, danke Teltow-Grundschule!20160414_132934

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Was geht hier ab unter diesem Zelt?

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Apr 162016
 

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Wer hatte denn dieses Zelt vor unserem Haus aufgespannt? Groß war unser PortalErstaunen am frühen Morgen! Ein weißes Partyzelt! Was gab es da zu feiern? Etwa das Gedicht Hendrik Rosts „Was ich noch sagen wollte“, ein herrliches poetisches Stilleben, hingetupft mit pinselartig verteilten Worten, oder der neueste Coup Bud Spencers, das Buch „Was ich euch noch sagen wollte“?

Nichts von alledem! Pustekuchen! Eine kleine Schar bunter Zwerge aus der nahegelegenen Teltow-Grundschule stand schon in spacigen Kostümen bereit, um einen Verteilerkasten neu zu bemalen! Die bunten Zwerge trugen Plastik am ganzen Leibe, sie trugen ganzkörperlich verhüllende Anzüge, sie trugen lustige schnorchelartige Atemfilter, und sie konnten sich nur bärenartig-täppisch bewegen! Manche klapperten schon ungeduldig mit ihren Döschen und Tübchen. Die Spannung rings um den Verteilerkasten stieg an! Welches Bild würde sich nach dem Schaffen und Werkeln der bunten Zwerge bieten?

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Quellenhinweis:
Hendrik Rost: Was ich noch sagen wollte, in: Der große Conrady. Das Buch deutscher Gedichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe. Ausgewählt und herausgegeben von Carl Otto Conrady. Erste Auflage, Patmos Verlag Artemis & Winkler, Düsseldorf 2008, S. 1300

Bud Spencer: Was ich euch noch sagen wollte. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2016

 Posted by at 11:35