Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie Verantwortung.
- 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland (9)
- Antike Welt (26)
- Aufsteigerrepublik (12)
- Berlin (64)
- Berliner Volksentscheide (15)
- Blogroll (26)
- Bundestag (19)
- CDU umdenken (92)
- Deutschland (58)
- Die neuen Deutschen (10)
- Die verlorenen Söhne (15)
- Die zusammenwachsende Stadt (22)
- Eine neue Lernkultur (3)
- Europa (61)
- Europawahlen 2009 (6)
- Fahrrad (104)
- Finanzmaus (26)
- Frauen und Männer in der Politik (12)
- Freiheit (22)
- Friedrichshain-Kreuzberg (58)
- Gröbenufer (4)
- Integration (67)
- JüL - Jahrgangsübergreifendes Lernen (2)
- Jugendgewalt (5)
- Kandidatenwacht 084 (53)
- Kleine italiänische Reise. (2)
- Leitbild Lernende Volkspartei (25)
- Meine innige Freude (22)
- Modellbezirk Radverkehr (2)
- Musik (33)
- Opel retten? (15)
- Persönliches (42)
- Politik im Internet (11)
- Politikmaus (3)
- Politische Kommunikation (36)
- Positive Kommunikation (13)
- Religionen (24)
- Rosa Luxemburg (10)
- Russland (14)
- Schwarz-grünes Bündnis? (4)
- Shared Space - der Gemeinsame Raum (8)
- Sprachen (13)
- Systemfrage (19)
- Verantwortung (18)
- Welt (24)
- Wie wir Kinder erziehen wollen (97)
- 21.3.2010: "Die neuen Deutschen". Wer kennt dieses Buch?
- 21.3.2010: Fahrrad als Wirtschaftsfaktor stärken!
- 20.3.2010: "Teiche auf den Tauwind harren ..."
- 18.3.2010: Ein Bezirk steigt auf: Modellbezirk Radverkehr
- 17.3.2010: "Nicht-deutscher Herkunft" oder "neue Deutsche"?
- 16.3.2010: Friedrichshain-Kreuzberg steigt auf: Modellbezirk Radverkehr
- 16.3.2010: Verdrängung sozial Schwacher verhindern!
- 16.3.2010: Fürsorgliche Radfahrer
- 16.3.2010: Fürsorgliche Schildkröten - die Republik der Aufsteiger
- 16.3.2010: Verheerende Symbolik
Blogroll
- ADFC Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Berlin
- Als Autor bei Freie Welt.net
- Artemis Quartett
- Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
- Chamisso Akademie
- Die neuen Deutschen
- Fanny-Hensel-Grundschule
- Johannes Hampel und die Geige
- Johannes Hampel's Blog bei Barack Obama
- Rad-Spannerei. Fahrradblog aus der Heimat
- Sängerin Irina Potapenko
- Youtube
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- September 2007
Archiv der Kategorie Verantwortung
Verdrängung sozial Schwacher verhindern!
16.3.2010 von admin.
Heute holte ich den neuen Reisepass meines Sohnes aus dem Bürgeramt in der Schlesischen Straße ab. Da ich es eilig hatte, fuhr ich auf direktestem Wege mit meinem schnellsten Fahrzeug, dem VSF T300, über die Gitschiner Str. - Skalitzer Str. - bis zur Schlesischen Straße. Wie üblich, fuhr ich auf der Mitte der rechten Fahrspur, um niemanden und auch mich selbst nicht zu gefährden. Ich kam sehr schnell voran. Auf dem Heimweg wurde ich bei der Kolonnenfahrt bei Tempo 30km/h (vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit) durch einen hinter mir dreinzockelnden LKW bedrängt und angehupt. Gebracht hat es ihm nichts. Ich ließ mich nicht aus der Ruhe bringen, pedalierte weiter bei 30 km/h, zeigte ihm nicht meinen Unwillen. Er musste sich genauso in der Kolonne einreihen wie ich auch. Dann kamen wir zur Ampel. Ich wechselte auf den holprigen engen Radweg und ließ alle in Kolonne wartenden LKW und Autos hinter mir. Und tschüß!
Wir Radfahrer haben jederzeit das Recht auf der Fahrbahn zu fahren, solange der Radweg nicht als benutzungspflichtig ausgewiesen ist.
Ich weiß natürlich: Als Radfahrer bin ich ein sozial Schwacher auf der Fahrbahn. Aber ich lasse mich nicht verdrängen!
Ein wichtiges Thema auch der Politik! Bezirksstadtrat Knut Mildner-Spindler schreibt sich ausdrücklich das Verhindern von Verdrängung und die Armutsreduzierung auf seine Fahnen (Bezirksbroschüre). “Verdrängung zu verhindern und Armut zu reduzieren sind große Herausforderungen, besonders für den Verantwortungsbereich Gesundheit, Soziales und Beschäftigung.”
Na bitte! Dann fangen wir doch mal gleich im Straßenverkehr damit an! Und für die Gesundheit habe ich heute schon genug getan, denn ich bin 40 Minuten bei etwa 30 km/h durch Kreuzbergs beliebteste Auto-Rennpiste gefahren, wobei ich sämtliche Verkehrsregeln und Vorschriften einhielt, niemanden gefährdete, belästigte, beleidigte oder behinderte.
Gut für den Kreislauf, gut für das Nervenkostüm, gut für das Selbstwertgefühl!
Foto: Beginn der Skalitzer Straße, von der Schlesischen Straße her gesehen. Aufgenommen heute.
Quelle:
Friedrichshain-Kreuzberg. Ein Bezirk mit vielen Gesichtern. 2009/2010. Herausgegeben vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, hier: S.77
Geschrieben in Verantwortung | 2 Kommentare »
Fürsorgliche Schildkröten - die Republik der Aufsteiger
16.3.2010 von admin.
Ein verblüffendes Schauspiel erlebten wir vorgestern bei unserem Besuch im Berliner Zoologischen Garten (dieses Blog berichtete). Im Aquarium beobachteten wir, wie mehrere Schlangenhalsschildkröten sich um eine sichtlich erschöpfte oder erkrankte Artgenossin kümmerten. Oder zu kümmern schienen? Wir können uns das merkwürdige Verhalten der Wasserbewohnerinnen nur so erklären, dass ein leidendes Mitglied der Gemeinschaft Hilfe zur Selbsthilfe bekam. Dass Schildkröten einander Fürsorge und Aufstiegshilfe gewähren, erstaunte uns bis zum Entzücken.
Die kranke Schildkröte war offenbar nicht imstande, selbständig aufzutauchen. Sie musste durch Streicheln, Locken, Beschwören und Schubsen ermuntert werden, ehe sie dann gewissermanßen erwachte und mit eigenen Kräften emportauchte, um die überlebensnotwendige Luft einzuatmen.
Schaut euch die Szene auf Youtube an, ich habe sie gefilmt. Was sagt wohl der Berliner Zoo dazu? Haben wir mit unseren Deutungen recht?
Was für ein Wunder!
YouTube - Kanal von JohannesHampel
Geschrieben in Verantwortung | Keine Kommentare »
Bisogna ridare valori ai giovani
8.3.2010 von admin.
“Und vor allem müssen wir den jungen Menschen, die nicht mehr wissen, woran sie glauben sollen, wieder Werte vermitteln.”
Mit diesen Worten endet das im vorigen Eintrag erwähnte hübsche Interview mit Anna Maria Carloni. Sie war Politikerin der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) und gehört nunmehr - nach der Fusion der ehemaligen Linskparteien - der Demokratischen Partei an (PD).
Ich stimme zu. D’accordissimo! Welche sind diese Werte, die wir erneut vermitteln müssen?
Ich nenne fünf in absteigender Reihenfolge:
Verantwortung als unerlässliches Gegenstück zu Freiheit.
Redlichkeit.
Fleiß.
Gerechtigkeit.
Geschrieben in Verantwortung | Keine Kommentare »
Wie Menschen weisgemacht wird, sie verlören die Kontrolle über das eigene Leben
31.1.2010 von admin.
Die deutsche Gesellschaft zerfällt zusehends. Diesen Befund habe ich wieder und wieder in diesem Blog festgestellt, und in meinem persönlichen Leben mache ich immer wieder die bestürzende Entdeckung, dass die verschiedenen Umfelder, in denen ich mich bewege, keinen Kontakt zueinander haben. Das gilt vor allem für Kreuzberg. Die Deutschen, die Russen, die Türken, die Araber, die Linken, die Bürgerlichen - diese Volksgruppen existieren unverbunden nebeneinander her. Es gibt fast keinen gemeinsamen Nenner, hat ihn nie gegeben. Nur in Familien wie etwa der meinen vermischen sie sich. Derselbe Befund gilt in den politischen Parteien: die Grünen, die am ehesten noch den Anspruch erheben könnten, hier eine Volkspartei zu sein, sorgen für ihre Klientel, die SPD ebenso, die Linke ebenso. Jeder sorgt für sich und seine Schäfchen.
Die Kreuzberger und die Berliner Gesellschaft ist hochgradig zersplittert. Kaum jemand sieht dies.
Ein hochinteressanter Bericht über Befindlichkeitsstudien des Sozialwissenschaftlers Heitmeyer leuchtet soeben auf meinem Bildschirm auf:
Wissenschaftler schlagen Systemalarm
„Menschen verlieren sukzessive die Kontrolle über das eigene Leben“, warnt Heitmeyer. Die Konsequenz: Sie suchen nach Sündenböcken. Je größer das Empfinden ist, in Zeiten sinkender Normalarbeitsverhältnisse und sprunghaft wachsender „Mal-rein/mal-raus-Arbeitslosigkeit“ zum Opfer der Verhältnisse zu werden, desto stärker scheint auch die Bereitschaft zu einer „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ zu sein, die sich gegen „die Banker“ oder „Amerika“, aber auch generell gegen Ausländer oder Muslime richten kann. Ein Drittel der Befragten gab an, in Krisenzeiten könnten nicht länger die gleichen Rechte für alle Bürger gelten, gut 20 Prozent waren der Meinung, Minderheiten dürften keinen besonderen Schutz mehr erwarten.
Liest man diesen Zeitungsartikel genau, so hat erhält man geradezu ein Musterbeispiel dafür, wie Sozialwissenschaften durch geschickte Art der Fragestellungen und subtil gesteuerte Deutung das gewünschte Ergebnis erzielen können. Ein Beispiel dafür? Hier kommt es:
„Menschen verlieren sukzessive die Kontrolle über das eigene Leben“, warnt Heitmeyer.
Das wird man allerdings aus der Studie nie und nimmer folgern können! Denn die Studie kann gar nicht zu Aussagen über die tatsächlichen Verhältnisse gelangen. Keine Meinungsumfrage kann tatsächliche Verhältnisse abbilden. Sie kann nur Meinungen über die tatsächlichen Verhältnisse abbilden.
Eher gilt: Die Menschen haben das Gefühl, sukzessive die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren.Und dieses Gefühl ist - wie jedes Gefühl - weder widerlegbar noch rechtfertigbar. Es ist eben - ein Gefühl.
Letztlich dienen solche Studien dazu, politische Paradigmen zu stützen. Die Menschen werden im Gefühl bestärkt, sich als Opfer zu sehen. Daraus folgert dann die herrschende Umverteilungspolitik die Berechtigung, noch mehr Geld für eigene Zwecke zu vereinnahmen, um den zuvor bewusst geschürten erzeugten Anschein der Ungerechtigkeit zu lindern.
Den Menschen wird eingeredet, nichts an ihrem Schicksal ändern zu können und weitere Wohltaten für sich in Anspruch nehmen zu müssen. Ein verhängnisvoller Zirkel ist in Gang gesetzt: “Ihr seid Opfer!“, sagen die Sozialwissenschaftler und die Politik. “Wir kümmern uns um euch!” greifen die Politiker den Ball auf. Siehe Opel-Affäre. Da der Opferstatus durch die ausgeteilten Geschenke nie und nimmer zu beseitigen ist, werden immer neue Ausgleichmaßnahmen, Geld-Umverteilungsmaßnahmen benötigt. So wird zuletzt der Staatshaushalt gesprengt.
Perfektes Beispiel: das frühere West-Berlin und das heutige Berlin. Schuldenstand heute: 60 Mrd Euro. Erzielt durch eine stillschweigende große Koalition der Umverteiler einschließlich der alten Berliner CDU. Bedarf an Sozialhilfe und kompensatorischer Sozialpolitik: stetig wachsend. Bewusstsein dafür, dass man Opfer ist: ständig wachsend. Zahl der Opfergruppen: stetig wachsend. Zahl derer, die sich nicht als Opfer fühlen: stark fallend.
Ich werde bald meine eigene Opfer-Minderheit aufmachen könne. Wie wäre es zum Beispiel mit: “Schweinefleischverzehrer”? Da wir in der muslimischen Kreuzberger Mehrheitsgesellschaft scheel angesehen werden, weil wir Schweinefleisch verzehren, haben wir doch Anspruch darauf, als Opfer der Verhältnisse anerkannt zu werden? Ich könnte aufschreien: “Mein nichtmuslimischer Sohn ist benachteiligt! Er ist eine ausgegrenzte Minderheit. Helft uns! Wir brauchen eine aktive Schutzpolitik für die Minderheit der schweinefleischessenden Kreuzberger Kinder. Geld her, Sozialhilfe her!”
Die Absurdität der ständig neue Minderheiten, neue Benachteiligtengruppen erfindenden kompensatorischen Sozialpolitik wird an diesem Beispiel deutlich, so hoffe ich.
Was wir vielmehr brauchen, ist ein Bewusstsein der Freiheit. “Es ist dein Leben! Mach daraus, was du willst.”
So sagte es der Imam, der Vater des deutschen Moslems Hamed Abdel-Samad. Der ägyptische Imam hat recht! Hört auf den ägyptischen Imam!
Zitat: Hamed Abdel-Samad: Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland. Köln 2009, S. 165
Geschrieben in Verantwortung | 1 Kommentar »
Kampf den Gettos! Oder: Kampf der Faulheit!
25.1.2010 von admin.
Liest man unsere Boulevardpresse von taz bis BZ, so stellt sich als ein gesichertes Ergebnis heraus: Es gibt keine faulen Menschen, es gibt keine Faulheit! Es gibt keinen Fleiß, es gibt keine fleißigen Menschen! Immer sind die Verhältnisse an allem schuld: Die Kulturen der Herkunftsländer. Die Kultur oder Unkultur des Ziellandes. Die Großfamilien, die Kleinfamilien. Die Alleinerziehenden. Der Reichtum. Die Armut. Die zerbrechenden Familien. Die zusammengluckenden Familien. Die Sippen. Die Vereinzelung. Für das Scheitern finden sich immer tausend Gründe.
Rotterdam, Neukölln, Paris, London - überall haben die Stadtväter und Stadtmütter alle Hände voll zu tun, um passende Strukturen für das wachsende und wuselnde niedere Volk zu schaffen, das sich in den berüchtigten Gettos zusammenballt.
Keiner der Stadtväter oder Stadtmütter wagt es auch nur zu sagen: Lernt! Arbeitet! Tut was! Ganz zu schweigen von lateinischen Formulierungen wie etwa: Stude et labora! Lerne und arbeite!
Merkwürdig: Niemand, wirklich fast niemand spricht die einzelnen Menschen direkt an, wie es etwa die antike Tugendlehre tat. Wie es ein Nachfolgerstaat des griechischen Kleinasien, nämlich der heutige türkische Staat mit großem Erfolg in seinen Grundschulen tut.
Der Begriff Tugend, an dem die Dichter und Philosophen einige hundert Jahre - von Homer bis Seneca - herumwerkelten, beruhte auf einem persönlichen Leistungsbegriff: Jede und jeder sollte das Beste aus sich machen. Das war ein Imperativ, der wirklich jedem Jungen (leider nicht den Mädchen) eingeschärft wurde, von Homers Achill angefangen. In Homers Ilias heißt es im sechsten Gesang, Vers 208:
“Versuche stets das Beste aus dir zu machen, stell dich dem Wettbewerb!”
Die ständige Arbeit an den eigenen Anlagen, an den eigenen Fähigkeiten wurde durch eine Batterie an Bildungseinrichtungen eingeschärft: Fitnessplatz (damals Gymnasion genannt), Pädagogen-Sklaven, öffentliche Rezitationen, Volksversammlungen, gemeinsame Feste und Feiern.
Und heute? Wir haben unvergleichbar mehr materiellen Reichtum angehäuft als die alten Griechen und Römer. Ein Schulkind in der ersten Klasse in Neukölln ist reicher, hat mehr Sachen, hat mehr Essen als ein Kind eines normalen Stadtbürgers im Athen des 5. Jahrhunderts. Und trotzdem verlassen die Hälfte dieser Kinder die Schule, ohne sich hinreichend präzise in Deutsch, Türkisch oder Arabisch ausdrücken zu können, während es im alten Athen eine beständig lernende, diskutierende Stadtbürgerschaft gab, die lange Passagen der Dichter auswendig konnte, eine gemeinsame Sprache sprach, Begriffe schuf, um sich miteinander über die gelingende Demokratie auszutauschen.
Grund für unsere Malaise: Der Begriff individuellen Leistens, individueller Anstrengung ist aus dem politischen Diskurs fast völlig verschwunden. Die Politik züchtet durch ihre Kümmerer-Grundhaltung eine erwartungsfrohe Schar an Hilfeempfängern heran. Diese Schar ruft lauter und lauter: “Mach du mal, Staat!”
Für alles werden die Strukturen in Haftung genommen. Dabei kann ein Gemeinwesen ohne individuelle, persönliche Anstrengung nicht gelingen.
Dieses Denken hat uns in die Sackgasse geführt. Die Politik sieht sich als “bezahlender Dienstleister” der Bürger. Die Bürger rufen diese Leistungen ab, sie liefern die Ideen, sie lassen den Staat machen und bezahlen. Der Staat ist der Anspruchsgegner, die Bürger haben ein Recht darauf, dass der Staat ihre guten Ideen finanziert und dass er für die guten Ideen bezahlte Stellen schafft.
Ich meine: Koordination, Bündelung, alles schön und gut. Aber das Ganze kann nur funktionieren, wenn der Staat den Kindern und Eltern wieder und wieder, mit großer Strenge, klar macht: “Du, du einzelner Bürger, bist im wesentlichen für dein Leben verantwortlich. Du musst selbst dafür sorgen, dass dein Leben gelingt. Für Faulheit gibt es keine Entschuldigung. Lerne und arbeite!”
Ich vermisse diese Botschaften schmerzlich im politischen Tagesgespräch.
Lest hier im Tagesspiegel einen interessanten Überblick über die wacker mit Windmühlen kämpfenden Großstädte Europas:
Kampf den Ghettos
Umweltsenatorin Anja Hajduk: „Die besten Ideen für einen Stadtteil kommen häufig von Menschen, die selbst in dem Quartier leben. Mit Engagement und Begeisterung setzen sie sich für Verbesserungen ein.“ Unter dieser Prämisse soll die Verwaltung künftig bei Projekten und Maßnahmen als niedrigschwelliger und generationsübergreifender Dienstleister fungieren, der Verbände vor Ort wie Kirchen, Sportvereine und Wohnungsunternehmen in alle Planungs- und Entwicklungsschritte einbindet. Oft wird nur durch vernünftige Absprache untereinander, also Koordination und Vernetzung, Effizienz erzielt, die in haushaltspolitisch schwierigen Zeiten mitunter auch noch volks- und betriebswirtschaftliche Vorteile beschert. Die Koalition will mit „Rise“ der sozialen Spaltung der Stadt entgegentreten und versuchen, dass sich an bestimmten Punkten der Elbmetropole keine Armut verfestigt. Die Praxis sieht trotzdem vielerorts anders aus.
Geschrieben in Verantwortung | Keine Kommentare »
Die Familie: Überfordert? Benachteiligt?
27.12.2009 von admin.
Mein Großvater Robert Hampel war ein Bauer in dem Dorf Klein-Herlitz in Schlesien. Er hatte 8 Kinder. Alle Kinder mussten recht bald im Hof und auf den Feldern mithelfen. Man hatte ein Auskommen, da alle mit anpackten. Hungern musste niemand, aber reich waren sie auch nicht. Einige der 8 Kinder durften sogar das Gymnasium in der Kreisstadt Troppau besuchen. Mein Opa las gerne abends in einem Buch. Oft schlief er dabei ein. Im Jahr 1946 wurde der Familie die Staatsbürgerschaft mit einem Federstrich aberkannt, der Besitz wurde ersatzlos zugunsten des tschechischen Staates eingezogen. Mein Vater trug nach dem Krieg ein “N” für “Nemec” auf der Jacke aufgenäht. Die Familie musste das Land verlassen.
Im Westen angekommen, fing man wieder bei Null an. Man unterstützte sich gegenseitig, so gut es ging. Wenn eine Tante erkennbar nicht für sich selbst sorgen konnte, wurde sie mitgezogen. Mehrere Verwandte in der riesigen Sippe wurden einfach “mitgefüttert”.
Mit dem Lastenausgleichsgesetz leistete die Bundesrepublik Deutschland eine willkommene Starthilfe.
Vier dieser 8 besitzlosen Bauernkinder wurden nach dem Krieg Lehrer, zwei wurden Universitätsprofessoren. Die anderen wurden Unternehmerinnen und haben ihr Glück in anderen Ländern gemacht.
Von der üppigen Grundsicherung des Staates, wie sie heute den Familien angedeiht, konnten meine Vorfahren nur träumen. Sie hatten über weite Strecken hin ganz sicher ein geringeres Einkommen, einen geringeren Besitz als die heutige durchschnittliche Hartz-IV-Familie. Aber gerade deshalb strengten sie sich an.
Was sagt mir das heute, am Fest der Heiligen Familie? Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. In der Familie übernehmen und erlernen wir Verantwortung für uns selbst, für andere, für den Staat.
Die Familie trägt die Hauptlast der sozialen Sicherung. Nicht der Staat, wie es heute leider immer wieder behauptet wird.
Zwar wissen Finanzexperten längst, dass unsere staatlichen Sicherungssysteme die Grenzen der Belastbarkeit überschritten haben. Aber niemand traut sich, die Familien stärker heranzuziehen und dies auch deutlich, unerschrocken und klar auszusprechen. Niemand? Nun ja, die katholische Kirche tut es schon noch. Aber bereits die vermeintliche C-Partei (im Klartext: die CDU) tut es nicht mehr. Es könnte Wählerstimmen kosten.
Man schüttet lieber Geld ohne Ende in die Sozialarbeiterisierung der Gesellschaft. Man schüttet Geld in die Hände dieser Familien, die doch alle nebenher noch ein gutes Zubrot verdienen. Letzter genialer Einfall: das Betreuungsgeld unserer bekanntlich im Geld schwimmenden Bundesregierung.
Der Staat zieht sich weiterhin durch üppige Sozialleistungen einen satten, vergnügten, bewegungsunfähigen Sozialadel heran. Irgendwann erwartet der Staat auch - wie heißt es? “Gegenleistungen”. So drückte sich Bürgermeister Wowereit in einem seiner butterweichen Interviews kürzlich aus (Tagesspiegel, 25.12.2009). Zitat:
Wowereit sagte, er befürworte das Prinzip, fördern und fordern. “Wenn wir den Familien Hilfen geben, dann muss es auch eine Gegenleistung geben.” Er habe allerdings Schwierigkeiten mit Vorstößen Buschkowskys, wie etwa Kinder aus bildungs- und leistungsfernen Zuwandererfamilien gegen den Willen ihrer Eltern zu erziehen. “Wir wollen die Mithilfe der Familien. Wenn das in einzelnen Fällen nicht klappt, dann muss man die Kinder aus den Familien herausnehmen. Denn sonst gibt es nur Konflikte, die nicht produktiv sind.”
“Lernt ein bisschen Deutsch!” Pustekuchen! Der Zug ist abgefahren.
Das gilt vor allem für Berlin. Aber niemand packt die Familien an. Niemand nimmt sich die Väter und Mütter zur Brust. “Ihr Väter, kümmert euch um eure Kinder und schüchtert sie nicht ein!” So das Evangelium heute.
Man wimmert stets: “Ach .. sie sind ja alle soo - wie lautet das Wort? - ÜBERFORDERT und BENACHTEILIGT!”
Und die Söhne dieser benachteiligten und überforderten Familien machen mit ihren BMWs und Mercedes die Straßen Neuköllns und Kreuzbergs unsicher, scheuchen uns Radler nach Gutdünken vor sich her.
Das kann so nicht weitergehen. Hier muss man andere Saiten aufziehen.
Geschrieben in Verantwortung | 2 Kommentare »
Gibt es neben Menschenrechten auch Menschenpflichten?
1.12.2009 von admin.
“Sie ist einfach ein toller Politiker, noch wichtiger: als Mensch für mich ein echtes Vorbild, sie hat einen starken Begriff von Pflicht und Hingabe - und das Ganze präsentiert sie obendrein mit einem Lächeln. Jungs, da können wir (noch) nicht mithalten.” So schrieb ich kürzlich einer werten Freundin nicht ins Stammbuch, aber sehr wohl ins Facebook. Anlass: ein klitzekleines Revirement an der Spitze zweier Bundesministerien. Wer war gemeint? Egal! Auffällig jedoch, dass es mir herausrutschte: “Ein starker Begriff von Pflicht und Hingabe.” Damit bezog ich mich insbesondere auf die Tatsache, dass diese Politikerin die Pflege ihres demenzkranken Vaters in die Familie hineingenommen hat.
Also frage ich zum Frühstück: Gibt es neben Rechten und Ansprüchen auch Pflichten? Große Frage! Schaut man sich um im Lande, möchte man meinen: Die Frage ist offen. Nur wenn man mit einzelnen Menschen spricht, werden sie einem doch meistens zustimmen: “Ja, es gibt gewisse Pflichten. Aber nicht zu viele.”
Gibt es neben individuell einklagbaren Menschenrechten auch individuell einzufordernde Menschenpflichten? Ich meine damit sittliche Pflichten im öffentlichen und privaten Bereich, etwa die vom Einzelnen zu fordernde Pflicht zur Generationengerechtigkeit, die individuelle Pflicht zur Umweltgerechtigkeit, die individuelle Pflicht zur Fürsorge für die eigenen Kinder und Eltern? Kann man erwarten oder verlangen, dass Kinder sich um die demenzkranken Eltern kümmern?
Viele werden zugeben: “Wir müssen etwas gegen die Erderwärmung tun!” Aber kann man dann verlangen, dass man den Privat-PKW abschafft und nur noch Fahrrad, Bus und Bahn fährt? Denn der private Kfz-Verkehr trägt ganz erheblich zur privaten “Kohlendioxid-Verschuldung” bei - ganz abgesehen von den sonstigen Folgekosten.
Wir müssen darüber sprechen!
Geschrieben in Verantwortung | Keine Kommentare »
Knapp. Klar. Balci
19.10.2009 von admin.
Der klare, unverschnörkelte Ton der Frau Balci gefällt mir. Sie kann sich im Internet äußern: Knapp, ohne Umschweife. Erneut vorbildlich! Deshalb setze ich einen kleinen Abschnitt aus dem Chat mit ihr hierher. Und ich nehme mir die Freiheit, einen Satz, den ich für besonders wichtig halte, in Fettdruck zu setzen. Also: Der Text ist von Frau Balci, die Hervorhebung ist von mir:
DasErste.de - [Anne Will] - Protokoll: Chat mit Güner Balci
Gast11: Liebe Frau Balci, wie können wir helfen, dass sich an Schulen etwas ändert. Insbesondere, was können wir als Eltern, als “deutsche” Eltern tun?Balci: Trauen Sie sich, kritisch mit den Problemen, die da sind, umzugehen. Und sie können sich damit auch für die Probleme der Migrantenkinder verantwortlich fühlen.
Gast54: Frau Balci, wie kann man türkische und muslimische Mitbürger davon überzeugen, dass eine Integration sinnvoll wäre?
Balci: Leistung muss belohnt werden. Jeder, der bereit ist sich zu integrieren, soll dafür eine Anerkennung bekommen.
Geschrieben in Verantwortung | Keine Kommentare »
Der Blogger wünschte sich Bilder von heilen Familien - Obama liefert
17.9.2009 von admin.
Vorgestern wünschte ich mir mehr Propaganda für den verantwortlichen Familenvater, den besseren emotionalen Zusammenhalt der Familien. Heute liefert mir die Süddeutsche die bestellten Bilder. Der US-Präsident setzte immer wieder sehr bewusst seine Familie ins Bild, stellt heraus, dass ihm seine Familie ebensowichtig wie das Amt ist.
Barack Obama - Papa ist da, und er hat Fotografen mitgebracht! - Leben & Stil - sueddeutsche.de
Ach, Idylle. Papa kommt von der Arbeit nach Hause, die Töchter fliegen herbei, der Hund jault erfreut auf und streicht einem nach dem andern um die Beine, man tauscht sich aus: Daddy, was hast du heute gemacht? Wie war die Mathe-Klausur, Sweetheart?
Er steht zu seiner Verantwortung als Familienvater. In seinen Büchern berichtet er, dass ihm seine Frau auch Vorwürfe machte, er vernachlässige die Familie. “Du denkst doch nur an dich und deine Karriere! Die Küche überlässt du mir!”
Die Süddeutsche lästert ab, dies sei alles nur Show, eine heile Familie werde der Presse nur vorgegaukelt.
Ich selbst finde dies sehr gut, dass Obama wieder und wieder den Wert der Familie herausstellt und mit allen publizistischen Mitteln propagiert. Denn er weiß und er hat es gesagt: 50% aller schwarzen Väter in den USA verlassen die Familie, die meisten schwarzen Kinder wachsen ohne Väter auf. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe für die vielen Schulversager, für die vielen kriminellen Karrieren schwarzer Männer. Obama hat wieder und wieder den Vätern ins Gewissen geredet: Kümmert euch um eure Kinder. Als weitgehend ohne Vater aufgewachsener Sohn einer weißen Mutter ist er mehr als jeder andere berechtigt, über den Wert der Familie nachzudenken und die Familie als Raum der Geborgenheit und der Liebe zu fördern.
Auch wenn dies nur für die Fotografen gespielt sein sollte (was ich nicht glaube) - es ist ein wichtiges, ein lebenswichtiges Signal, das der Präsident da wieder einmal aussendet. Herrschaft ist auch Repräsentation! War es immer.
Wir brauchen derartige Signale auch in Deutschland. Aber sie kommen nicht. Alle sprechen wieder vom Versagen des Staates. Nein, nein, nicht der Staat versagt bei den kriminellen Karrieren, sondern die einzelnen Menschen. Meist sind es anfangs die Väter, manchmal die Mütter. Und dann sind es alle diejenigen, die ein Verbrechen begehen. Am Verbrechen ist zunächst einmal der schuld, der es begeht. An der individuellen Verantwortung des Verbrechers für seine Tat werde ich nicht rütteln lassen.
Geschrieben in Verantwortung | 2 Kommentare »
“Haben Sie die Größe, eigene Fehler zuzugeben!”
26.7.2009 von admin.
So Bundespräsident Köhler erst vor wenigen Wochen bei der 200-Jahr-Feier der deutschen Sparkassen. Barack Obama hat von jeher diese Größe besessen! In seinen Büchern, in seinen Reden vor seinem Amtsantritt, bereits in seinen ersten Auftritten nach dem Amtsantrit. Sätze wie “I messed it up” hat er immer wieder öffentlich geäußert. Das habe ich immer für vorbildlich gehalten. Den Rest des Eintrags lesen »
Geschrieben in Verantwortung | Keine Kommentare »