Jan 202019
 
Blick vom Teufelsberg nach Osten. Heute, 15 Uhr. In der Mitte zu erkennen: der Funkturm, Charlottenburg

Die neue Woche beginnt mit Zuversicht und Erwartungen! Heute führte uns eine mehrstündige Wanderung bei sonnigem Frost von Nikolassee am Ufer des Wannsees entlang durch den Grunewald bis zum „Teufelsberg“, einem Schuttberg, in dem die Trümmer der Vergangenheit liegen. Und von hier aus genossen wir einen weiten Rundblick in die Gegenwart hinein. Der Teufel zeigte sich von seinem hohen Ansitz aus ausgesprochen großzügig, was die Aussicht angeht. Das ist ja seine Art. Die Schrecken der Vergangenheit deckt er einfach zu. 15,7 km legten wir mit 22000 Schritten zurück.

Was mag die Woche bringen? Jede Sekunde bringt uns der Zukunft näher, jede Minute ist Abschied von der Minute der Vergangenheit. Mit dieser Mischung aus Offenheit und Zuversicht beschließe ich diesen Sonntag.

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Jan 092019
 
Steinerner Tisch bei den Markgrafensteinen, am ehemaligen Aussichtspunkt in den Rauener Bergen. Alter des Gesteins: ca. 1,2 Mrd. Jahre. Aufnahme vom 30.12.2018
Absprung vom steinernen Tisch am ehemaligen Aussichtspunkt bei den Markgrafensteinen in den Rauener Bergen bei Bad Saarow. Die Tischplatte besteht aus 1,2 Mrd. Jahre altem Karlshamn-Granit. Herkunft: Schweden

So beschrieb Fontane genau diese Stelle „Schöne Aussicht“ in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg:

[…] ein sonderbares Granitmobiliar, das mich, auf den ersten Blick wenigstens, an Stonehenge erinnerte, jenen alten Druidenplatz in der Nähe von Salisbury, den man in Kunstatlassen und illustrierten Architekturgeschichten abgebildet findet. Im Quadrat standen vier Steinbänke, dazwischen präsentierte sich ein großer, runder Steintisch, alles aus dem Granitstück gefertigt, das man von dem Stein unten abgesprengt hatte.

Der Wagenplatz, auf dem ich saß, war höher als das Steinmobiliar und gönnte mir einen freieren Umblick. Alles in der Welt aber hat sein Gesetz, und wer auf der »Schönen Aussicht« ist, hat nun mal die Pflicht, sich auf den Steintisch zu stellen, um von ihm aus, und nur von ihm aus, die Landschaft zu mustern. Und so tat ich denn, wie mir geboten, und genoß auch von diesem niedrigeren Standpunkt aus eines immer noch entzückenden Rundblicks, ein weitgespanntes Panorama. Die Dürftigkeiten verschwanden, alles Hübsche drängte sich zusammen, und nach Westen hin traten die Türme Berlins aus einem Nebelschleier hervor.

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Sep 202018
 

Ich soll euch noch recht festlich grüßen:
Herr Sommer, der den Abschied nimmt,
Winkt uns noch zu, als wäre es sein letzter Tag!
Die Beute legt er sich zu seinen Füßen:
Ein Volleyball, der auf den Wellen schwimmt.
Aus gelbgeflecktem Schnabel noch ein Schrei.
So sehr die Möwe ihr Gefieder spreizen mag,
Herrn Sommer ist es mittlerweile einerlei,
Er hat sich’s überlegt: er geht vorbei.
Zwar war er groß, doch größer ist das Jahr,
Das hinter ihm den dunklen Berg erklimmt.
Die Sonne sinkt, das Licht strahlt hart und klar.
Beim Abschiedsfest erklingt die Melodie: Es war.

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Sep 042018
 

Ungläubiges Erstaunen ergriff mich jeden Tag von neuem, wenn ich den Blick auf den 5033 m hohen Berg Kasbek schweifen ließ. „Ich kann das nicht glauben, dass dieser herrlich schimmernde Berg, den ganzjährig eine schneebedeckte Spitze krönt, nun Tag um Tag zum Greifen nahe liegt! Hier im Kaukasus glaubte die Alte Welt das Bußgebirge des Prometheus zu erkennen. An diesen steil abschüssigen Hängen schmiedeten Kratos und Bia zusammen mit Hephaistos den gefallenen Titanen an!“

Und dann des Morgens, wenn ich hinaustrat aus dem Alpenhaus in den jugendlich erfrischten dämmrigen Morgen, dann stellten sich beim Blick auf die vor mir liegende Hauptkette des Großen Kaukasus wie von leichter Götterhand gerufen die folgenden Verse aus dem Faust ein:

Hinaufgeschaut! – Der Berge Gipfelriesen
Verkünden schon die feierlichste Stunde,
Sie dürfen früh des ewigen Lichts genießen,
Das später sich zu uns hernieder wendet.

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Mai 252018
 

Eine ungeheure Fülle an Eindrücken für lauschendes Ohr und lugendes Aug, für unbeschuhten Fuß und witternde Nase bot uns die Wanderung durch den sonnenbeschienen Oberlauf der Schlaube am vergangenen Sonntag.  Die Schlaube ist ein geheimnisreicher, weithin unbekannter Fluss, den nur sehr wenige kundige Wanderer dem Namen nach kennen – und noch weniger Menschen zu erreichen wissen. Hier gleich in aller Frühe das Konzert der Frösche im Erlenbruch:

Ein paar Schritte weiter, und silbrig hell sprang uns ein Bächlein entgegen:

Doch damit nicht genug! Hinaufgeschaut, und über dem See an der Kieselwitzer Mühle kreisten zwei Seeadler, auf Beute lauernd, einander folgend im azurenen Himmel, einander umspielend. Dies alles innerhalb weniger Minuten erleben zu dürfen, flößte mir ein ungeheures Glücksgefühl ein, das noch heute anhält, da ich mich dankbar daran erinnere!

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Mai 232018
 

Im Schlaubetal, 20. Mai 2018

[…] „Der abendliche Rundgang um den Wirchensee bezauberte uns. Die Sonne sank als glühender Ball der Götter über die halkyonisch glatte, unergründliche Wasserfläche.“ —

 

„Die Luft war erfüllt von soviel Sanftheit, soviel Wärme, solchem Dämmerschein. Von einem erhöht gelegenen Aussichtspunkt der Jäger genossen wir die unendliche grüne Weite. Überall regte sich huschendes Geraschel, Gezirpe, Vogelschlag erfüllte den Wald. Hier oben, da in den Wiesen, da entspringt glucksend die Schlaube.“ [—]

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Apr 292018
 

Wir haben heute einen herrlichen Ausflug mit Wanderung zum Liepnitzsee bei Wandlitz unternommen, wo ich in das immerhin 12 Grad warme Seewasser eintauchte und 20 Sekunden schwamm! Überall schmückte sich der Wald mit zartem Grün; der Himmel bestach uns am Vormittag mit sattem, tiefem, dunklem Blau, wie man es sonst nur ganz selten im Hochgebirge sieht!

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Apr 212018
 

Gelb gesprenkelt bieten sich die Flanken des mächtigen Arthur’s Seat unseren Augen dar: es ist der Stechginster, der hier vor den immer noch kahlen Laubbäumen seine üppig schäumenden Blüten austreibt. 251 m ragt der mächtige, vor 350 Millionen Jahren aus Vulkanschlecke erstarrte massige Doppelgipfel über Edinburgh empor. Die Hauptstadt Schottlands zieht europäische Reisende von überallher an! Ich höre während des unschweren, nur 40 Minuten dauernden Aufstieges Italiener, Russen, Spanier, Schweizer, Franzosen in ihren jeweiligen Sprachen miteinander sprechen. Die Italiener versichern einander: „Lì sopra, ci sono pure gli scalini!“ – „Per fortuna!“, werfe ich ein. Gelächter allenthalben! Dieser 251 m hohe Gipfel sollte doch auch von Ungeübten an diesem sonnigen Vormittag des 14. April 2018 wirklich zu bezwingen sein! Und siehe da: Schon nach wenigen Minuten haben wir die von den Italienern angekündigten Stufen erreicht. Von oben winkt unsere erste Gipfelstürmerin herab. „Vittoria, mio core, non lagrimar più!“

Oben angelangt,genießen wir den herrlichen Ausblick auf die Silhouette der Stadt. Hier im Vordergrund unten rechts der Ortsteil Holyrood mit dem Holyrood-Palast, den Überresten der Abtei Holyrood und dem neuen schottischen Parlamentsgebäude. Weit hinten, jenseits der Stadt mit ihren fast 500.000 Einwohnern, in der Mitte des Horizonts, locken die Pentland Hills. Der strahlende Sonnenschein, in dem der Stechginster uns gelb anlachte, hat sich mittlerweile hinter einigen Wolkenschleiern verborgen.

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Apr 202018
 


Sieh Dich um, Wanderer auf dem Caerketton! Du gehst den Saumpfad auf Berges Grat entlang, der breit genug ist, dass Dir nicht schwindelt. Zur Linken geht es hinunter nach Swanston, dort wo das weiße Cottage hinter noch unbelaubten Bäumen schimmert. Und zur Rechten? Nach rechts, da führt der Weg weiter nach Allermuir. Aber Deine kleine Schar und Du, ihr haltet die Spur; der Wind weht euch von beiden Seiten zu, ihr steht darüber, ihr haltet das Gleichgewicht. Nichts kann euch umkippen, der Widerstand des Windes ist eine Wohltat, ihr haltet die Nase in den Wind. Ihr seid stark, ihr seid unbeirrbar und unschlagbar. Ihr seid – der Clan im Hochland!

Bild: Auf dem Pfad vom Caerkatton Hill Richtung Lothianburn in den schottischen Pentland Hills. Aufnahme des Verfassers vom 16.04.2018

Diese Wanderung wird in diesem schönen Wanderführer beschrieben:
Susan Falconer: Walking in the Pentland Hills. 30 walks in Edinburgh’s local hills. A walker’s guide. Second edition 2016. Cicerone, Milnthorpe. Hierin: Walk 2: In Stevenson’s footsteps, S. 27-30

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Apr 112018
 

„It’s a pleasant thing to be young and have ten toes, and you may lay to that – Ach, es ist herrlich jung zu sein und zehn gesunde Zehen zu haben“
Dieser Lobpreis des Gehens und Wanderns aus dem Mund des einbeinigen Seebären John Silver aus Robert Stephensons Schatzinsel kommt mir bei unseren Wanderungen immer wieder in den Sinn. Bald werde ich Edinburgh besuchen, wo ich die Spuren dieses bedeutenden schottischen Schriftstellers nachzeichnen werde!

Letzten Sonntag führte uns der Weg von Bad Saarow durch Gehölz und Gestrüpp zum Großen Kolpiner See, wo wir hunderte von Erdkröten auf Massenwanderung beobachteten.

Überall sprangen und kletterten, krabbelten und krochen sie uns vor den Füßen umher. An einer Bucht im Kolpiner See paarten sie sich mit größter Lust, gern auch zu mehreren; später würden sie dann zwischen den Halmen des Röhrichts ihre Laichfäden aufspannen.

An diesen amphibischen Tieren wird der entwicklungsgeschichtliche Ursprung des Lebens aus dem Wasser deutlich!

Und von da gings hoch hinauf zu den Rauener Bergen, wo wir die beiden gewaltigen Markgrafensteine bestaunten. Grobkörniger prophyrischer Granit wurde während des Pleistozäns in mächtigen Massen von Südschweden hierher geschoben. Der größte landliegende Findling Deutschlands befindet sich genau hier!

Ein Blick vom Aussichtsturm auf den Rauener Bergen belohnte uns für alle Anstrengungen. Das Bild ganz oben zeigt diese Weite!
Solche Wanderungen tun uns allen sehr gut! Man besteigt den Zug, fährt gestärkt, ermutigt und erquickt zurück in die Stadt und freut sich seiner zehn gesunden Zehen und wie herrlich das Leben und das Wandern doch sein kann.

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