Archive for the ‘Weihnachtsgeschichten’ Category

Trifft ein Neuköllner Kutscher einen Kreuzberger Fährmann …

Montag, Dezember 24th, 2012

Mit einem Neuköllner Droschkenkutscher sprach ich über Weihnachten: “Für uns Muslime ist Weihnachten im wesentlichen nichts anderes als nur das Geburtsfest von Jesus, den wir als Propheten anerkennen. In Antalya, wo meine Eltern herkommen, feiern übrigens manche muslimische Gemeinden zwar dieses Isa-Geburts-Fest, indem sie Kindern und Armen Geschenke geben. Aber den ganzen säkularen Kommerzrummel, den machen wir nicht mit.”

“Da habt ihr völlig recht”, erwiderte ich. “Für mich ist Weihnachten im wesentlichen nichts anderes als das Geburtsfest von Jesus – und darüber hinaus auch ein großes Fest der Gemeinschaft im Wort und auch der Familienzusammenführung, wie halt in Deutschland der Brauch ist. Dem ganzen säkularen  Kommerzrummel kann und will ich mich nicht entziehen. Ich anerkenne und ehre übrigens sehr euren Celaleddin Rumi, der in Konya wirkte. Dieser Mevlana sagte: Jeder von uns hat wie Maria (Meryem) seinen Jesus (Isa) zu gebären. Das ist schmerzhaft. Wachstum bereitet Schmerzen. Aber danach kann die Freude groß sein. Auch für Männer ist der Geburtsschmerz über die Vermittlung des Wortes nachfühlbar.” 

So viel Einigkeit zwischen einem schlichten Neuköllner Kutscher und einem armen Kreuzberger Zigeuner-Fährmann des Wortes!

Dem inneren Kind Raum geben – sich berühren lassen

Montag, Dezember 24th, 2012

Dem inneren Kind Raum geben – so raten es moderne Psychotherapeuten immer wieder.

“Ab wann spürtet ihr die Schwangerschaft? Ab wann hattet ihr das Gefühl, dass da ein eigenes Wesen in euch wohnt?”

So fragen wir einige Mütter – da wir als Männer es nicht am eigenen Leibe erfahren werden, sondern es nur über das Wort mitgeteilt erhalten.

“Im Rückblick – sofort. Es war was andres in mein Leben getreten.” “Es hat mich gestört, Tags und Nachts!” “Er hat mich gestoßen zu den unmöglichsten Zeiten.” “Das Kind hat mir viel abverlangt – von Anfang an. Es hat mich verändert, vom ersten Tag der Schwangerschaft an.”

Ihr seht, von süßer Romantik, von den Freuden der Mutterschaft ist hier keine Rede.  Schwangerschaft – so erzählen Frauen – ist oft mit unangenehmen Einschränkungen, mit Schmerzen und ungeahnten Zuständen teils angenehmer, häufiger auch unangenehmer Art verbunden. Sie ist eine grobe Beeinträchtigung der Selbständigkeit.

“Da meldet sich sprunghaft einer, den ich vorher nicht kannte und den ich nicht eingeladen habe. Und der bringt mein Leben durcheinander.”

ὡς ἤκουσεν τὸν ἀσπασμὸν τῆς Μαρίας Ἐλισάβετ, ἐσκίρτησεν τὸ βρέφος ἐν τῇ κοιλίᾳ αὐτῆς – so schreibt es ein damals recht bekannter griechischer Arzt in seiner vorgeburtlichen Lebensgeschichte eines Kindes. Wir übersetzen den Befund des Arztes philologisch korrekt in Mediziner-Deutsch: “Als Elisabet den Gruß Marias hörte, sprang der Embryo in ihrer Gebärmutter auf“, oder, geglättet: In dem Augenblick, als sie den Gruß hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.

Der kleine unscheinbare Mensch, to brefos, das Buberl, wie wir auf Bairisch sagen dürfen, reagiert schon auf die Stimme der Frau. Der Embryo interagiert mit der Mutter und mit dem sozialen Umfeld. Er schafft sich Raum – sofern ihm dieser Raum gegeben wird. Er greift in das Geschehen ein.

Ein dürrer körperlicher Sachverhalt wird durch Stimme und Wort ausgelöst. Die Stimme des griechischen Erzählers klingt heute noch nach. Etwas durch und durch Leibliches wird für Menschen – nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer – zugänglich im Wort. Das Wort, der Klang der Stimme der Elisabet stiftet über die Stimme des Erzählers Lukas die Gemeinschaft der Hörenden.

Wo bleibt Jesus, oder: Ein fröhliches Weihnachtsfest für Nichtchristen

Freitag, Dezember 21st, 2012

“Mit  der Jesus-Geburt kann ich nichts anfangen!” Das hört man landauf landab. Ist es also möglich, Weihnachten sinnvoll ganz ohne Jesus zu feiern oder es irgendwie zu umgehen? Ich meine – durchaus! Hierzu einige Handreichungen:

1. Ein bis heute besonders erfolgreicher Versuch der Überwindung des Weihnachtsfestes wurde in der Sowjetunion unternommen: das Weihnachtsfest wurde durch die Kommunistische Partei nach und nach völlig aus dem öffentlichen Bewusstsein zurückgedrängt. Stattdessen wurde das Neujahrsfest (im christlichen Festkalender ursprünglich das “Fest der Beschneidung des Herrn”, zu feiern sieben Tage nach dem Geburtsfest) als legitimer Nachfahr und Ersatz des Weihnachtsfestes errichtet und hat diese Rolle bis heute behalten. Der nordische Julbaum (“Julka”)  hat in Russland keinerlei Bezug zum Christentum mehr und wird als Gnade des gütigen Staates überall gefeiert und gepriesen.

2.  In Deutschland wurde von 1933-1945 – ebenfalls durch den Staat – das Weihnachtsfest nicht abgeschafft, aber konsequent umgedeutet als “Lichtfest”, “völkische Weihnacht”, “Sonnwendfeier”, “Julfeier”. Der Christbaum heißt jetzt Jultanne (russisch Julka). Insgesamt eine Art natürwüchsig-rauschhaftes Wald-Feld-und-Flur-Weihnachten, ein Öko-Weihnachten, könnte man heute sagen. Beispiel, das ich kürzlich las: “Der alte Hof”, eine Erzählung von Johann von Leers aus dem Jahr 1940. Der Vater eröffnet dem Sohn wenige Tage vor Weihnachten, dass der Bauernhof heillos überschuldet ist. Das internationale Finanzkapital, der Kapitalismus des entfesselten Marktes hat die Bauern systematisch in die Kreditklemme getrieben. Gegen die gierigen Kapitalisten, die ruchlosen Immobilienhaie und andere Brut hilft nur der neue Heiland, der völkische Führer, der die Bauern und die Arbeiter aus dem Griff des Finanzkapitals und der Immobilienspekulation erlösen wird.  Und so geschieht es auch.

3. Das christliche Weihnachten ist eigentlich ein Fest, in dem endlich dem kleinen, unscheinbaren, unerwünschten, dem kommenden und ungeborenen Leben des schwachen Menschen Raum gewährt wird. Exakt eine Woche vor Weihnachten erschien 2012 eine große Studie des Instituts für Bevölkerungsforschung der Bundesregierung, aus der unwiderleglich hervorgeht, dass Kinder etwas sind, das meist nicht in die Lebensplanung passt. Kinder sind erwünscht, sofern und soweit sie das Leben der Erwachsenen nicht durcheinander bringen, sofern und soweit sie keine materiellen Einbußen mit sich bringen und sofern sie der Volkswirtschaft nicht – angesichts des demographischen Wandels dringend benötigtes – Humankapital entziehen. Kinder genießen in der Lebensplanung keine Priorität. Kinder sind – volks- und betriebswirtschaftlich betrachtet – nachrangige Güter. Beruflicher Erfolg, Planungssicherheit, Karriere sind im Bewusstsein der Menschen und überhaupt der Bevölkerung das Wichtigste, wie das Institut des deutschen Staates mit messerscharfer Objektivität und dankenswerterweise ohne jeden kritischen Unterton feststellt.

Abschaffung, Überwindung, Ersetzung, Umdeutung des Weihnachtsfestes, das waren die probaten Mittel, um die Erinnerung an die Geburt Jesu, des “neuen Königs der Jüden”, wie es in Bachs Weihnachtsoratorium heißt, nach und nach zu beseitigen.

Setzung neuer Prioritäten, Vorrang des beruflichen Erfolges des Einzelmenschen vor der Familiengründung, staatlich verbriefte Planungssicherheit, Elternwahlrecht über das Leben des Kindes, wirtschaftliche Unabhängigkeit des Single-Mannes UND der Single-Frau – das sind mit staatlichem Brief und Siegel die neuen Weichenstellungen, in deren Zeichen man getrost Weihnachten ganz ohne Jesus feiern kann. Das ist der Zug der neuen Zeit! “Mit uns zieht die neue Zeit”, so klang und sang es unter der Jultanne.

Seid froh dieweil!

Samstag, Dezember 24th, 2011

καὶ εἶπεν αὐτοῖς ὁ ἄγγελος· Μὴ φοβεῖσθε· – Und der Bote sagte ihnen: Habt keine Angst (Lukas 2,10).

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Dieses gestern aufgenommene Bild zeigt ein paar elektrische Lichter in der Dunkelheit, einen Hinweis auf einen Storchenparkplatz und einen Pfeil, der den Weg zur Brandmeldezentrale weist. Wir sehen: Für Geburten gibt es heute Krankenhäuser mit gut ausgeschilderten Storchenparkplätzen, das Risiko der Feuersbrünste ist gemindert durch Warnmelder, echte Dunkelheit gibt es nicht, da Strom und Licht überall vorhanden sind. Wir dürfen sogar das allgegenwärtige Handy einmal abschalten. Wir könnten uns zu Weihnachten alle entspannen und locker chillen.

Wie haben wir es doch so herrlich weit gebracht in den letzten Jahrzehnten!

Mein aus Ägypten stammender Freund, der die Ereignisse des letzten Jahres am Tahrir-Platz miterlebt hat,  sagt es mir schroff und klar ins Gesicht: “Zu diesem Weihnachten bleiben zwei Zimmer dunkel: meins und das von Jesus.” Ein großartiges, ein geradezu herzbezwingendes Wort: es führt die Nähe zu Jesus vor Augen. Denn wie sonst könnte Hamed etwas über Jesu dunkles Zimmer sagen?  Und zugleich zeigt diese Aussage die absolute Ferne von Jesus, die schlichte Wahrheit: “Ich kann nichts mit eurem Weihnachtsfest und eurem Jesus-Gebimmel anfangen. Bleibt mir damit vom Leibe!“ Ich muss sagen, ich mag all diese Menschen, die den Weihnachtsrummel in voller Überzeugung oder gar angewidert ablehnen.

Doch meine ich, dass man durchaus hinter die Glitzer- und Rummelfassade hineinleuchten kann. Nicht alles ist schon ein abgekartetes Spiel, nicht alles ist schön aufgeräumt und glühweinselig. Es gibt Zweifel und Unsicherheiten auch im bestausgeschilderten Parkplatz.

Liest man etwa die Beschlüsse des Europäischen Rates vom 09.12.2011 genauer durch, so wird man erkennen, dass sie von mannigfachen Ängsten getrieben sind: Angst vor dem Auseinanderbrechen der Währung, Angst vor dem Staatsbankrott, Angst vor dem Bedeutungsverlust und der Verarmung Europas. Die Staats- und Regierungschefs haben offenkundig den Überblick über das komplizierte Gefüge der Staatsfinanzen verloren. Sie weisen in ihrem Abschlussdokument ausdrücklich die zentral regulierte Währungs- und Wirtschaftspolitik als das entscheidende Fundament der europäischen Integration aus. Gedeih und Verderb der Europäischen Union hingen also am Geld. Politik bestünde also  darin, Geldwerte zu sichern, bestünde darin, den höchsten Wert für sich und seine Schäflein herauszuholen.

Nicht zufällig erschüttern immer wieder und gerade auch  in den letzten Wochen Geschichten über den falschen oder leichtfertigen Umgang mit dem Geld die Glaubwürdigkeit einzelner Politiker und auch der Politik insgesamt. Politik wird am Umgang mit Geld gemessen, das Geld und die Geld-Gerüchte liefern das Maß für den Wert der Politik.  Mit starrem Blick aufs Geld steigen und fallen die Kurse der Politiker.

Ist Geld alles?

„Fürchtet euch nicht!“ Die Geburt Jesu ereignete sich nach der ausmalenden Schilderung des Lukas  in notdürftigsten Umständen als erlebte Freude unter den Armen und Angstgeplagten des Altertums, den Hirten, die des Nachts ihre Herden hüteten. Für Jesus stand kein Storchenparkplatz bereit. Er wurde vorerst in einen Futtertrog abgelegt, und der Raum, in dem er geboren wurde, war wohl eine Ein-Raum-Wohnung, in der mehrere Menschen und allerlei Vieh den Platz teilen mussten.

Eine Brandmelde-Zentrale gab es nicht: die Hirten, die von einer Licht- und Feuererscheinung in Panik versetzt wurden, konnten keine Notruftaste drücken. Ihnen blieb nichts anderes als dem Wort des Boten zu vertrauen: „Jetzt geratet nicht in Panik. Fürchtet euch nicht.“ Und diese Botschaft wirkte. Das gesprochene Wort war für die Hirten stärker als die begreifliche Angst vor dem Unerwarteten.  

In einem Kinderlied heißt es: “Die redlichen Hirten knien betend davor …“? Wieso redliche Hirten? Redlichkeit, das kommt von Rede, dem Reden vertrauen, sein Reden vertrauenswürdig machen. Redlichkeit ist das, was wir von den Hirten lernen können.

Sollen wir vertrauen? Heißt es nicht zu recht: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Ich erwidere: Vertrauen in das redliche Wort ist nicht alles. Aber ohne Vertrauen in die redliche Kraft des Wortes ist alles nichts. Wenn wir dem grundsätzlich nicht mehr vertrauen können, was andere uns sagen, können wir uns alle Staaten und alle Staatenbündnisse oder Bundesstaaten und alle Europäischen und sonstigen Unionen gleich abschminken. Dann nützen auch Rettungsschirme und automatische Kontrollen nichts mehr.

Hat uns materiell unvergleichlich reicheren Europäern des 21. Jahrhunderts die Angst- und Armutsgeschichte des Lukas mit den redlichen Hirten heute noch etwas zu sagen?

Ich meine: ja! Der Evangelist Lukas rahmt die Geburtsgeschichte Jesu in einen staatspolitischen Rahmen höchster Stufe. Eine steuerliche Erfassung der Vermögenswerte aller Bürger war der Anlass der Wanderung von Maria und Josef. Der regierende Kaiser hatte offenkundig – wie die Regierenden in unserer Zeit – den nötigen Überblick über Soll und Haben verloren. In diese Ausnahmesituation fällt die Geburt Jesu. Spannend! Wie verhält sich der Erzähler Lukas zu den drängenden finanzpolitischen Fragen seiner Zeit? Welches Ergebnis brachte die Steuerschätzung? Wir erfahren es nicht.

Es ist enttäuschend: Die großen weltpolitischen Fragen werden ausgeblendet. Statt auf den Kaiser und seine großen Nöte richtet der Erzähler seinen Blick auf das Kleinste, Jämmerlichste, Ärmste und Unscheinbare.

Die Weihnachtsgeschichte spielt in einer Zeit größter Unsicherheit, größter finanzieller Risiken. Aber sie schlägt doch einen deutlich anderen Ton an als den Ton des großen und des kleinen Geldes, der heute unsere Medien und oft auch unser Denken beherrscht. Ich finde, die Weihnachtsgeschichte ist eine unterirdisch wühlende, wenn auch sanftmütige Kritik an der Anbetung des Geldes und der Macht.  Sie bereitet die Umwertung aller Werte vor, welche der Einbruch des Christentums für die damalige Welt und später für ganz Europa bedeutete.

Johannes, der vierte Evangelist, angeblich der Mann des Wortes, legt allergrößten Wert darauf, das Wirken Jesu in Jerusalem mit einer beispiellosen, ja gewaltsamen Tat beginnen zu lassen: mit dem Hinauswurf der Händler und Banker aus dem Tempel, der nicht nur religiöses Zentrum, sondern auch wirtschafts- und finanzpolitische Zentrale war. „Setzt euer Vertrauen nicht ins Geld, sondern in geistig-geistliche Werte!“  So deute ich diese Geschichte.

Die Geschichte von der Geburt Jesu  kann uns klarmachen, worin ein Sinn-Kern der Geschichte Europas besteht. Fürchtet euch nicht, habt keine Angst. Das sind wohltuende Worte in diesen wie wahnsinnig durcheinanderflatternden, viel zu aufgeregten Zeiten!

Wenn man sich heute, im Jahr 2011, in einen Zug setzt und von Moskau nach Lissabon fährt, wird man mehrere Zeitzonen durchmessen und Schlafwagenschaffner in 12 verschiedenen Sprachen Tee anbieten hören. Findet man Zeit auszusteigen und innezuhalten, wird man in allen Städten – ob nun in Moskau, Kiew, Warschau, Wien, Genf, Madrid oder Lissabon – chromstarrende Banken und Paläste finden, prachtvolle Schlösser und tuckernde Omnibusse. Aber man wird auch in allen diesen Städten Kirchen finden. Diese Gebäude sind gebaute Wahrzeichen,  die letztlich auf jene unscheinbare Geschichte in einer gedrängt vollen Einraumwohnung zurückgehen und auf jene Geschichten vom Vertrauen in das Wort verweisen: Fürchtet euch nicht. Diese Geschichte ist eine jener Geschichten, die Europa zusammenhalten könnten, wenn wir bereit wären, auf sie zu hören und einen Augenblick das Handy abzuschalten und innezuhalten.

Ich wünsche uns allen diese Fähigkeit, hinzuhören, Kraft zu schöpfen aus dem einigenden, dem redlichen Wort: Fürchtet euch nicht. Sicher: die weltpolitischen Fragen und Nöte sind nicht gelöst. Hunger, Tod und Krankheit, Krieg und Naturgewalten lauern.

Aber seien wir ehrlich: es geht uns in der Europäischen Union noch oder auf absehbare Zeit unvergleichlich gut. Kein neugeborenes Kind, so ersehnt wie sie alle sind, braucht heute in einem Futtertrog abgelegt zu werden. Der Storchenwagenparkplatz steht doch jederzeit bereit. Nahezu alle Menschen in der Europäischen Union sind dank Rechtsstaat, Demokratie und Marktwirtschaft von Not und Armut befreit. Wir könnten uns eigentlich freuen und versuchen, möglichst viele Menschen außerhalb unserer 27-Länder-Wohlstandsinsel zu ähnlichen demokratisch-rechtsstaatlichen Verhältnissen zu führen, wie wir sie genießen.

Warum haben wir nicht mehr Glauben, mehr Zuversicht? Ich vermute, es hat damit zu tun, dass wir der Angst noch zu viel Platz einräumen. Angst lähmt. Angst um des Geldes willen ist die lähmendste Angst. Für diese Angst besteht kein echter Grund. Denn Angst ängstet sich zuletzt um sich selbst.

Zu Weihnachten bietet sich uns nun die große Chance, diese Grundlosigkeit der Angst zu durchbrechen. Wir werden die Ängste nicht los, ebenso wenig wie wir unsere Not und unsere realen Schulden schnell loswerden. Aber wir dürfen erkennen, dass es etwas Größeres, etwa anderes als die Angst gibt: Vertrauen in das Wort, Vertrauen in den Nächsten, Hoffnung auf unsere Veränderbarkeit, Hoffnung, dass die Wanderung zu einem sinnvollen Ziel findet.

Wir setzen also der kalten Faust der Angst unser unerschütterliches Vertrauen in die Kraft des befreienden Wortes, in die Tüchtigkeit der europäischen Bürger, in den unverwüstlichen Friedenswunsch der Völker entgegen.

Das Glockengeläute, das man in Moskau, Kiew, Wien, Madrid oder Lissabon hören kann, ist nicht das lärmende Jesusgebimmel, vor dem mein ägyptischer Freund vom Tahrir-Platz sich zu recht scheut. Es ist ein Zeichen für das andere der Angst, ein Weck- und Merkzeichen der Freude. Das Glockengeläute sagt:  „Freut euch vorläufig, mindestens solange diese Glocke läutet. Lasst sie hineinläuten ins dunkle Zimmer.“

Mit einer Wendung, die ich einem ergreifenden Choral im Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs entnehme, rufe ich Euch und Ihnen  zu:

„Seid froh dieweil!“

… wie eine Weihnachtsgans, oder: Was sollen wir zu Weihnachten schenken?

Sonntag, Dezember 11th, 2011
Ich warne vor oberflächlichen, vorschnellen Urteilen! “Robert Harris ist doch nur ein oberflächlicher Krimi-Autor. Ihm fehlt Tiefgang”, hielt mir bei einem Gläschen Trollinger jemand vor, als ich empfahl, Robert Harris’ Buch The Fear Index unter den Weihnachtsbaum zu legen. Ich erwiderte trocken: “Er ist auch ein bestechender Krimi-Autor, aber er kann wie kein zweiter erzählen, wie die Finanzmärkte heute arbeiten! Große Klasse! Und bedenkt”, fuhr ich fort, während ich dem Abgang des Trollingers nachspürte, “die EU-Staatshaushalte und die EU-Staaten werden dank selbstverschuldeter Staats-Schulden an den Börsen weiterhin ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Also verschenkt und lest zu Weihnachten The FEAR INDEX von Robert Harris. Bitte habt Mut zur Oberflächlichkeit!”

Unter einer schillernden Oberfläche lauern so manche lachenden Ungeheuer. Das Meer ist tiefer als so mancher Tiefsinnige gedacht!

Robert Harris: The Fear Index. Hutchinson, London 2011, 323 Seiten, 15.00 Euro

Saelic sint die armen des geistes

Montag, Dezember 27th, 2010

reichtum0011.jpg  Wer erinnert sich nicht der herrlichen Forderung “Reichtum für alle!” aus dem Bundestagswahlkampf 2009, die fast entschuldigend als “Wir meinen natürlich geistigen Reichtum” zurechtgedeutet wurde!

Geistiger Reichtum, geistige Armut – was bedeutet das eigentlich? Dass Gregor Gysi unmittelbar eine biblische Wendung aufgreift, war ihm selbst sicherlich mehr als vielen Wählern bewusst.

Gleich zwei Mal erhielt der arme Kreuzberger Blogger Meister Eckharts Predigt Q 52 “Beati pauperes spiritu” zu Weihnachten zugedacht. Einmal als Jahresgabe der Meister-Eckhart-Gesellschaft, einmal als Arme-Leute-Ausgabe in Reclams wohlfeiler Volksbibliothek.

“Saelic sint die armen des geistes”: also übersetzt Eckhart von Hochheim Matthäus 5,3. Im Griechischen heißt es:

Μακάριοι οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι, ὅτι αὐτῶν ἐστιν βασιλεία τῶν οὐρανῶν.
Was bedeutet “die armen des geistes”, pauperes spiritu, οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι ?

Sprachlich ist der Sinn zunächst klar:  Gepriesen werden hier die, die “an Geist arm sind”, die “wenig oder keinen Geist haben”, die “geistig minderbemittelt sind”. Diese oder ähnliche Wendungen mehr geben den schlichten Sinn der in schlichter Sprache gehaltenen Bergpredigt wider. Die griechische Sprache, der griechische Text ist hier eindeutig und unterliegt keiner variantenreichen Mehrfachüberlieferung.

Die armen des geistes – hier gibt der prädikative Genitiv ebenfalls die Sache wider, an der jemand arm ist. Das belegt nicht zuletzt auch das Grimmsche Wörterbuch:

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm
praedicatives arm, wozu die sache im gen. oder mit der praep. an gesetzt wird: er ist nit arm des guts, aber arm des muts und geists. Keisersb. sch. d. penit. 57; selig sind die da geistlich arm sind. Matth. 5, 3 (ahd. armê sind in geiste);

Pneuma wiederum, “Geist”, hebräisch “ruach”, steht für religiöse Bindung und Bildung, für Hauch, Anhauch Gottes, für das Göttliche, das Geist oder Geistkraft  ist.

Sicher recht weit vom wörtlichen Sinn schweifen ab Übersetzungen, wonach hier diejenigen gemeint seien, die “arm sind vor Gott”, wie es etwa die derzeit übliche Einheitsübersetzung der deutschspachigen Kirchen gerne haben will. Besonders weit ab vom wörtlichen Sinn führt die “Bibel in gerechter Sprache” des Jahres 2006: “Selig sind die Armen, denen sogar das Gottvertrauen genommen wurde”.

Zunächst einmal gibt der griechische Urtext ebenso wie die lateinische und die mittelhochdeutsche Übersetzung her:

Selig sind die Geistesarmen.

Zu denken ist hier – so meine ich eindeutig aus dem griechischen Text herauszulesen – aus heutiger Sicht auch an religiös Ungebildete, an Analphabeten, an Menschen mit einem niedrigen Intelligenzquotienten, an geistig Behinderte, an geistig Benachteiligte, an bildungsferne Schichten.

Um die geht es Jesus offenbar. Das scheint der Kern der Botschaft zu sein.


Erstaunlich: Der gewaltige Mensch und der schwache Mensch

Donnerstag, Dezember 23rd, 2010

Ein aus Ägypten stammender Freund sagt es mir schroff und klar ins Gesicht: “Zu diesem Weihnachten bleiben zwei Zimmer dunkel: meins und das von Jesus.” Ein großartiges, ein geradezu herzbezwingendes Wort: es führt die Nähe zu Jesus vor Augen und zugleich die absolute Ferne, die schlichte Wahrheit: “Ich kann nichts mit eurem Jesus-Gebimmel anfangen.”

Ein Besuch führte uns heute wieder ins Neue Museum Berlins. Wieder setze ich mich dem bezwingend-versonnenen Lächeln Nofretetes aus, wieder durchmaß ich die ganze offene lange Achse hin zum römischen Standbild des gewaltigen Sonnengottes Helios. Und wieder las ich – in einer recht gewaltsam-zwingenden Übersetzung – jene Verse aus dem Ödipus des Sophokles, die der Baumeister Stüler übermannshoch in ein Fries setzen wollte:

Erstaunlich ist der Mensch Erstaunlicheres
waltet nichts als der Mensch

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Ein ägyptisches Kalksteinrelief aus dem 3. Jahrhtausend vor Christus, im Untergeschoss,  zeigt die Flotte des Pharaos heimrudernd “mit gefangenen Asiaten”. Es könnten Syrer sein! Es könnten Parther sein. Es könnten Palästinenser sein:

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Ein anderes zeigt einen Wüstenlöwen übermenschlich groß dahinschreitend, wie er die Feinde des Pharaos unter seinen Pranken zertrampelt.

Die ägyptische und die griechisch-römische Antike feiern zuerst und zumeist den großen, den gewaltigen, aber auch den gewaltsamen Menschen. Sie zeigen ihn ihn seiner Größe, in seinem Schmerz, in seinem Irren und Scheitern, aber sie wollen ihn groß, hochfahrend, kraftvoll und selbstbewusst. Helios, der Sonnengott, ist kraftvoll, überlebensgroß, allem Sterblichen enthoben. Er bedarf des Blickes derer nicht, die ihn anbeten! In diesen vielleicht 100 Metern im Neuen Museum, ausgespannt zwischen ägyptischer Nofrete und spätrömischem Helios, durchmaßen wir heute die Landschaft des antiken Denkens von der Größe des vorbildlichen Menschen, von der übermenschlichen Größe des Gottes.

Um wieviel anders erscheint demgegenüber die Botschaft jenes göttlichen Kindes, die Botschaft jenes menschgewordenen Gottes, der ausdrücklich dazu auffordert, wie die Kinder zu werden. Dieser Mensch stellt das Kind in den Mittelpunkt seiner Botschaft. Er tritt selbst als Kind auf die Bühne.

Wieder zuhause angelangt, öffne ich ein Päckchen mit einem Buch, das mich als Weihnachtspost eines Nahestehenden erreicht. Ich schlage das Buch, alter Sitte folgend, an einer beliebigen Stelle auf. Ich lese darauf die folgenden Worte:

… und umhüllt, uns liebenswert und schroff-unzugänglich macht, zu Menschen mit offener Flanke, stets auf der Suche nach einem Antlitz, einem Wort, einem Licht, die uns endlich die Wahrheit all dessen begreifen ließen, was die Landschaft unseres Lebens ausmacht.

Der Mensch tritt also hier ganz unscheinbar hervor – kein gewaltiges Wesen, sondern ein bedürftiges, stets auf der Suche, auf der Suche … nach einem Antlitz, einem Wort, einem Licht …

Ich halte inne – die Stimme dieses Kreuzberger Bloggers ist unversehens mit der Stimme des Verfassers jener Zeilen verschmolzen. Es ist, als hätte dieser armselige Kreuzberger Blogger seine Stimme in die des Buch-Autors einfließen lassen.

Dieser Einklang der Stimmen führt auch zurück zu meinem ägyptischen Freund:

Die dunklen Zimmer – sind OK. Es ist doch total OK, wenn man mit dem Gebimmel nichts anfangen kann! Wenn eine das Kreuz mit dem Kreuz hat und Kreuzberg gleich in Klecksberg umbenennen möchte, nur um nicht immer von diesem Kreuz zu hören.

ICH HABE NICHTS DAGEGEN, wenn jemand etwas gegen Weihnachten hat und nichts mit Weihnachten anfangen kann. Wenn er lieber in dunklen Zimmern hockt. Ja warum denn auch nicht.

Im Gegenteil! Ich mag sogar die Menschen besonders, die so ehrlich sind und zur Dunkelheit stehen.

Genau diese absolute Dunkelheit – das ist der Kern und der Anfang der Botschaft, an die manche – nicht alle – sich morgen zu erinnern versuchen. Mit offener Flanke, stets auf der Suche  …

Zitat: Elmar Salmann: Spuren. Geistesgegenwart. Figuren und Formen des Lebens. EOS Verlag, St. Ottilien 2010, hier S. 36

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“Das Eismeer der Stille”

Montag, Dezember 20th, 2010

Stifters Bergkristall erinnert mich an das eine oder andere Bild von Caspar David Friedrich, so etwa “Das Eismeer” oder “Winterlandschaft mit Kirche”. Gibt es unter uns Deutschen noch Menschen, die Stifters durch und durch bildnerische Prosa mit den Ohren lesen können? Gibt es noch Menschen, die die Schönheit der deutschen Sprache mit allen Sinnen aufsaugen?  Gibt es noch Lehrer, die es wagen, ihre Schüler mit dem Erlebnis der Stille zu beeindrucken?

Ja. Ich weiß es. Zu den besten Erlebnissen unserer Elternkarriere an einer Kreuzberger Grundschule zähle ich es, als die Schulleiterin bei einem unserer Konzerte die Kinder aufforderte, einen Augenblick innezuhalten und die Stille zu hören – und … es gelang!

Hört hier einen solchen Augenblick bei Adalbert Stifter:

Aber es war rings um sie nichts als das blendende Weiß, überall das Weiß, das aber selber nur einen immer kleineren Kreis um sie zog und dann in einen lichten, streifenweise niederfallenden Nebel überging, der jedes Weitere verzehrte und verhüllte Und zuletzt nichts anderes war als der unersättlich niederfallende Schnee.

“Warte, Sanna”, sagte der Knabe, “wir wollen ein wenig stehen bleiben und horchen, ob wir nicht etwas hören können, was sich im Tale meldet, sei es nun ein Hund oder eine Glocke oder die Mühle, oder sei es ein Ruf, der sich hören läßt, hören müssen wir etwas, und dann werden wir wissen, wohin wir zu gehen haben.”

Sie blieben nun stehen, aber sie hörten nichts. Sie blieben noch ein wenig länger stehen, aber es meldete sich nichts, es war nicht ein einziger Laut, auch nicht der leiseste außer ihrem Atem zu vernehmen, ja in der Stille, die herrschte, war es, als sollten sie den Schnee hören, der auf ihre Wimpern fiel. Die Voraussage der Großmutter hatte sich noch immer nicht erfüllt, der Wind war nicht gekommen, ja was in diesen Gegenden selten ist, nicht das leiseste Lüftchen rührte sich an dem ganzen Himmel.

Es genügt, sich einige weitere dieser Gemälde vor Augen zu führen, und man wird die kantige, die grobkörnige Sprachmusik Adalbert Stifters buchstäblich vor den Augen emporwachsen sehen. Hört etwa folgende Stelle:

Projekt Gutenberg-DE
So weit die Augen der Kinder reichen konnten, war lauter Eis. Es standen Spitzen und Unebenheiten und Schollen empor wie lauter furchtbares, überschneites Eis. Statt ein Wall zu sein, über den man hinübergehen könnte und der dann wieder von Schnee abgelöst wurde, wie sie sich unten dachten, stiegen aus der Wölbung neue Wände von Eis empor, geborsten und geklüftet, mit unzähligen blauen geschlängelten Linien versehen, und hinter ihnen waren wieder solche Wände, und hinter diesen wieder solche, bis der Schneefall das Weitere mit seinem Grau verdeckte. “Sanna, da können wir nicht gehen”, sagte der Knabe.

“Nein”, antwortete die Schwester.

“Da werden wir wieder umkehren und anderswo hinabzukommen suchen.”

“Ja, Konrad.”

Die Kinder versuchten nun von dem Eiswalle wieder da hinabzukommen, wo sie hinaufgeklettert waren, aber sie kamen nicht hinab. Es war lauter Eis, als hätten sie die Richtung, in der sie gekommen waren, verfehlt.

Wer so etwas miterlebt hat, der wird den Glauben an unsere Kinder immer wieder finden.

“Es soll alles beim alten bleiben”

Sonntag, Dezember 19th, 2010

Stifters “Bergkristall”  in der Kastanienallee lesen! Das wär’s. Dann könnte man sich darüber unterhalten, ob alles im Leben so bleiben soll, wie es ist, oder ob es Formen des Wandels geben soll.

Sie sind sehr stetig, und es bleibt immer beim alten. Wenn ein Stein aus einer Mauer fällt, wird derselbe wieder hineingesetzt, die neuen Häuser werden wie die alten gebaut, die schadhaften Dächer werden mit gleichen Schindeln ausgebessert, und wenn in einem Hause scheckige Kühe sind, so werden immer solche Kälber aufgezogen, und die Farbe bleibt bei dem Hause.Wenn es in einem Haus ein scheckiges Kalb geboren wird, bleibt es dabei.”

Massive Touristenabwehr, wie etwa in der neuen Nummer der interim, Kampf der Gebirgsbewohner gegen “die von draußen”, gegen “die von drüben” – alles Dinge, die von einem habituell gewordenen, auf Staatskosten lebenden linkskonservativen Establishment zur Schau getragen werden.

Lest:

Berlin: Post-Gentrification-Protest in Prenzlauer Berg « Gentrification Blog

Im Streit um die Kastanienallee geht es offensichtlich vor allem um dieses Lebensgefühl der aktuellen Bewohnerschaft – und für die Gewerbetreibenden auch um ihre Geschäftsgrundlage. Die im Zuge der Aufwertung der letzten Dekade entstandene Bewohner- und Gewerbestruktur soll in ihrem Kern konserviert werden. Wir haben es mit einem typischen Post-Gentrification-Protest zu tun: Die Pioniere und Gentrifier der vorherigen Aufwertungsphase schließen die Tore und verteidigen die von ihnen symbolisch und materiell angeeigneten Räume.

Das Jahr, es rollt sich sausend ab …

Mittwoch, Dezember 31st, 2008

29122008004.jpg … so hielt Annette von Droste-Hülshoff am letzten Tag des Jahres inne. So halte auch ich in den letzten Stunden des alten Jahres 2008 inne. Wir bereiten uns hier auf das größte in Russland gefeierte Fest vor: Neujahr.

Die vergangenen Tage brachten wieder Zufälle jeder Art, Überraschungen, neue Freundschaften. Im Obrastsow-Puppentheater begegneten wir beispielsweise niemand geringerem als der Zarin Katharina II. Wir erkannten sie an ihrem heftigen deutschen Akzent. “Fürst Potemkin zeigt Uns endlich das Volk. Denn Wir sind ja dem Volke noch nicht begegnet.” Was für eine Freude! In Gogols “Weihnachtsabend” erwies sich die Zarin als gütig – sie schenkte das Paar Schuhe, das den Weg zum vollkommenen Glück bereitete. Schuhe können glücklich machen, das ist der Beweis, von den herrlichen Puppenspielern unwiderleglich erbracht! Frauen wussten es schon vorher.

Den Geiger Viktor Tretjakoff durfte ich im Moskauer Konservatorium hören, und auf dem Roten Platz liefen wir Schlittschuh. Ich kaufte gestern einige neueste russische Geschichtsbücher für die allgemeinbildenden Schulen und vertiefe mich mit Feuereifer in die derzeit gepflegte Sicht auf die russische Geschichte des 20. Jahrhunderts, wie sie im Lande selbst gepflegt wird. Höchst spannend, spannender als jeder Agententhriller! Wir müssen ein gemeinsames Verständnis für das vergangene Jahrhundert aufbauen, etwas, was jetzt eben noch nicht besteht.

Und jeden Tag lese ich ein Gedicht von Puschkin.

In diesem Sinne: Alles Gute Ihnen allen – Auf ein Frohes Neues Jahr 2009! Möge es die Gemeinsamkeit stärken, das Trennende abbauen, Zukunft schaffen, Leiden mindern!