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Archiv der Kategorie Wie wir Kinder erziehen wollen

Trio educativo

Als echter Mann der Mitte profiliert sich heute der Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz im Trio educativo - andante moderato auf S. 6 der Süddeutschen Zeitung. Ein sehr vernünftiger Mann, der Mann aus Sachsen-Anhalt, scheint mir, welcher Partei mag er wohl angehören? - Dann sollte man doch dieser Partei beitreten, wenn man sinnvolle Kultuspolitik betreiben will … :-) Lest etwa seine folgende Aussage:

Kultusminister im Gespräch - ”Es geht zuviel um Zeugnisse” - Job & Karriere - sueddeutsche.de

Extreme muss man meiden. Mich stören diese vereinfachten Schemata. Zum Beispiel Ganztagsschulen: Ist man dafür oder dagegen? Das kann man doch so gar nicht beantworten. Ich bin auf jeden Fall für Ganztagsschulen, wenn sie gute Schulen sind. Schlechte Ganztagsschulen haben den Nachteil, dass sie den ganzen Tag schlecht sind.

Scherz beiseite, die drei Kultusminister der Länder Bayern, Hamburg und Sachsen-Anhalt pflegen einen höflichen, aufgeklärten Umgang miteinander - so muss es sein. Und meine Sympathien gelten in diesem Fall eben allen dreien, am meisten aber dem Herrn Olbertz. Dennoch werde ich seiner Partei (die mir bekannt ist) nicht beitreten! :-)

Was mir dennoch auffällt: Keiner der drei erwähnt auch nur mit einer Silbe die aktive Rolle der Familien, die Rolle der Eltern. Man vermeidet peinlichst den Anschein, irgendwelche Erwartungen an die Eltern zu richten, irgendeine Leistung von den Familien abzuverlangen. Und das halte ich für einen schweren Fehler! Die Eltern können viel tun! Sie sind - zum Teil unabhängig von den Leistungen der Schulen - ein entscheidender, vielleicht der entscheidende Determinant in Bildungskarrieren von Kindern!

Ich habe noch einmal die Artikel 1-19 des Grundgesetzes durchgelesen. Die Erziehungs- und Fürsorgepflicht der Eltern gegenüber den Kindern ist dort unter Art. 6 ausdrücklich verankert - und zwar im Grundrechtekatalog!

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

Das bedeutet: Jedes Kind hat einen unmittelbar wirksamen Rechtsanspruch auf Erziehung und Fürsorge durch seine Eltern! Und mehr noch: Die staatliche Gemeinschaft hat das Recht, ihre Erwartungen an die Eltern zu formulieren und als Empfehlungen, Ratschläge oder auch gesetzliche Verpflichtungen auszusprechen. Davon sind wir aber meilenweit entfernt. Es geschieht kaum, fast nicht.

Ich kann mir das nur so erklären, dass unsere demokratisch gewählten Politiker Angst vor dem Wahlvolk, also in diesem Fall vor den Eltern haben. Sie zittern. Zu Unrecht!

Kein Politiker braucht Angst zu haben, wenn er von Bürgern, in diesem Fall von den Eltern, mehr Mitarbeit verlangt.

Ein Beispiel: Ich höre immer wieder unisono von Erziehern und Lehrern, dass die Kinder nicht richtig gesund essen, dass sie nicht richtig versorgt werden, dass die Eltern sich nicht kümmern. Dass die Kinder stunden- oder tagelang vor Fernseher oder Computer geparkt werden. Dass Kinder nicht wissen, was Pünktlichkeit, Fleiß und Höflichkeit sind. Vorher könne man nicht sinnvoll unterrichten. Was tut der brave Staat? Er springt ein - mit Ganztagsschulen, mit mehr Betreuung, mit Angeboten noch und noch. Er sucht die Schuld immer - bei sich selbst.  Das “Einspringen” mag auch seine Berechtigung haben. Aber zuvor oder “zuvörderst”, wie das Grundgesetz sagt -  sind die Eltern an ihre Pflicht zu erinnern. Und das kann ich in der ganzen Debatte nicht erkennen! Auch nicht im heutigen SZ-Interview.

Ermannt euch, Politiker! Ihr seid nicht für alles verantwortlich! Über etwa 2500 Jahre war Europa der Meinung, dass Erfolg durch die Anstrengung der Einzelnen errungen wird, dass Bildungserfolg in erster Linie durch fleißiges Lernen unter Anleitung erzielt wird, weniger durch Strukturen.

Lernwille, Selbstverantwortung, Toleranz, Höflichkeit

bb_fh-kb_2009-2010_gross.jpg Gestern wagten wir uns mit “Werten” nach vorne, die es den jungen Leuten zu vermitteln gelte.  “Bisogna ridare valori ai giovani”, so zitierten wir eine italienische Politikerin heute, die früher als Kommunistin bei der KPI kämpfte.

Lernwille, Verantwortung, Toleranz, Höflichkeit. Diese vier Erwartungen hegt die August-Sander-Schule in bezug auf ihre Schüler/innen. Interessante Anzeige in der neuen amtlichen Bezirksbroschüre Friedrichshain-Kreuzberg! Die Schule erwartet also diese vier Eigenschaften, ohne die offenkundig ein sinnvolles Lernen nicht möglich ist. Wir zitieren in der Langfassung:

Erwartungen an unsere Schüler/innen

  • Willen zum Lernen
  • Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen
  • Toleranz im Umgang miteinander
  • Höflichkeit

Diese vier Tugenden sind in uns Menschen offenbar alles andere als selbstverständlich.  So sind wir eben nun. Deshalb werden sie so ausdrücklich formuliert.

Quelle:
Friedrichshain-Kreuzberg. Ein Bezirk mit vielen Gesichtern. 2009/2010. Herausgegeben vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, hier: S. 97

apercu Verlagsgesellschaft

Beschwerden, Forderungen, Maßnahmen: “Tu was, Staat! Lerne für uns Lesen, Schreiben, Rechnen”

Und wieder ein schlechtes Schulzeugnis für uns. Ich sehe voraus: Der schwarze Peter dafür, dass die Hälfte der Schüler nicht genug lesen, schreiben und rechnen kann, wird der Politik, der jeweils regierenden Koalition, den Lehrern - irgend jemand anderem, nur nicht den Schülern und den Eltern zugeschoben werden.

Ich meine: So einfach ist es nicht! Die Hauptursachen für mangelhaften Schulerfolg erblicke ich - in mangelndem Lernwillen bei den einzelnen Schülern, in zu starken Zerstreuungsangeboten, in zu viel Geld, in zu wenig Strenge oder geradezu Unbekümmertheit bei uns Eltern. Die Schüler dürfen auf den Tischen tanzen.

Ich bin kein Wissenschaftler. Ich schau mir die Menschen an. Die Familien stehen für Erfolg oder Misserfolg vor allem in der Verantwortung, nicht der Staat.

Regierungsreport: “Mangelhaft” für deutsche Schulabgänger - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
“Nach wie vor erreicht eine große Zahl junger Menschen weder den Schulabschluss noch eine vollqualifizierende Ausbildung”, heißt es in dem Bericht. Die deutsche Wirtschaft werde aber wegen der geburtenschwachen Schulabgängerjahrgänge “schon bald jeden jungen Menschen brauchen”. Die Regierung fordert deshalb sowohl von den Unternehmen als auch von der Bildungspolitik der Länder, sich verstärkt dieser Gruppe anzunehmen - “schon aus Eigeninteresse für die eigene Fachkräftesicherung”.

Gute Nacht? Was machen die 35.000 im Märkischen Viertel?

27022010043.jpg Leider stimmte die gestern genannte Bewohnerzahl 10.000  für das Märkische Viertel nicht. Es war eine Schätzung. Die Zahl der Wohnungen beträgt ungefähr 10.000, genauer gesagt 17.000. Die Zahl der Bewohner liegt bei 35.000.

Sie alle haben nur wenige bis 20 Minuten Weg bis zum Fontanehaus.

Das coole Konzert von Jugend musiziert besuchten etwa 50 Menschen. Der Eintritt war frei. Das Konzert war öffentlich. Es war öffentlich im Fontanehaus durch Anschlag bekanntgemacht. “In Russland wäre der Saal brechend voll gewesen”, sagte mir eine Russin danach. “Was macht ihr in Deutschland für die Kultur bei den Kindern und Jugendlichen?” Ich schwieg. Ich antwortete der Russin mit einer Handbewegung, ohne Worte.

So viel zum Thema Bildungsgutscheine. Solange es schrankenlos Playstation, i-pod und Wii gibt, könnt ihr den Kindern Musikinstrumente und  Instrumentalunterricht und Jugend-musiziert-Konzerte getrost gratis anbieten. Die 10-jährigen deutschen Kinder gucken laut wissenschaftlichen Erhebungen mehr als 3 Stunden fern. 212 Minuten pro Tag. Das kann ich kaum glauben.

Und nebenan spielt die Musik. Nebenan ist der Rodelberg menschenleer.

Berlin-Märkisches Viertel – Wikipedia
Das Märkische Viertel (kurz MV) in Berlin ist eine Großwohnsiedlung, Satellitenstadt oder Trabantenstadt im Bezirk Reinickendorf. Die Siedlung wurde von 1963 bis Frühjahr 1974 gebaut und war mit ihren ca. 17.000 Wohnungen für bis zu 50.000 Bewohner ausgelegt. Seit Juni 1999 ist das Märkische Viertel ein Ortsteil des Bezirks Reinickendorf (mit eigenem Wappen). Davor gehörte es zum Ortsteil Wittenau. Das Märkische Viertel ist nach der Mark Brandenburg benannt.

Ende 2007 betrug die Bevölkerungszahl 35.439.[1]

Graues Kloster oder Willy-Brandt-Sekundarschule?

Die starke Sonderung der Berliner Schüler nach ethnischer Herkunft, Wohnort und Bildungsgrad der Eltern setzt in Berlin bereits im Vorschulalter ein und zieht sich dann bis zum Abitur, ja bis ins Erwerbsleben bzw. Hartz-IV-Existenz durch. Diese Segregation geschieht - so meine ich - völlig unabhängig von den Schulformen und den Schul-Reformen. Sie würde vermutlich auch in einem Einheitsschulwesen bestehen bleiben. Dennoch leisten unsere Pädagogen Hervorragendes - sie versuchen ihr Bestes, um den ihnen anvertrauten Schülern den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen.

Wir müssen wegkommen vom Fatalismus der Segregation.

Ein weiteres Beispiel hierfür bringt soeben die Berliner Zeitung:

Vom Sinn des Lernens - Berliner Zeitung
Über 85 Prozent der Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule kommen aus türkisch- oder arabischstämmigen Familien. Schulleiter Wilfried Kauert hat schon vor anderthalb Jahren seine Schule aus eigener Initiative umgestaltet. Bald ist sie die erste Sekundarschule Berlins. Kauert hatte ein Schlüsselerlebnis: Im Matheunterricht wollte er das Prozentrechnen durchnehmen. Ein Schüler fragte, wofür man das denn brauche, und Kauert sagte, damit könne man später seine Steuererklärung selbst machen. Das konnte der Schüler nicht nachvollziehen.

„Ich denke, der Steuerzahler kommt für uns auf“, sagte er. In Form von Hartz-IV-Zuweisungen, mit denen eine vielköpfige Familie hier meist über die Runden kommt. Solchen Fatalismus will Schulleiter Kauert seinen Schülern austreiben.

Go East wegen Faulheit?!

Interessanter Kommentar von Wendelin zu Kenntnissen und Fertigkeiten der Berliner Schüler. Bei 350 Bewerbungen auf 10 freie Stellen konnte sein Unternehmen nur 7 besetzen. Die anderen Bewerber seien nicht hinreichend schulisch gebildet gewesen. Stimmt nachdenklich. Ich höre öfter solche Berichte. Die Russen und Polen hier in Berlin schlagen die Hände über dem Kopf zusammen!

Sind die Berliner Schüler im Durchschnitt wirklich so faul? Oder fehlt es ihnen am Geld?

Regt ihr euch auf, dass ich von Faulheit spreche? Ärgert ihr euch darüber, dass jemand so ein altes verbotenes Wort in den Mund nimmt? Das würde mich sehr freuen!

Viele Lehrstellen bleiben Leerstellen
Comment
von wendelin wendelin ist gerade offline | 17.2.2010 16:16 Uhr
Wasser in den Wein
Die Freude scheint mir doch verfrüht: In unserem mittelständischen Unternehmen Chemie- & Pharmabranche im Süden Berlins wollten wir 2009 insgesamt zehn Ausbildungsplätze in verschiedenen Bereichen besetzen.

Insgesamt gingen auf die zehn Stellen nicht weniger als 350 Bewerbungen ein. Letztendlich konnten wir aber nur sieben der Stellen überhaupt besetzen.

Da bewerben sich junge Damen als Bürokauffrau-Azubis, die kaum einen fehlerfreien deutschen Satz zu Papier bringen können; Bewerberinnen und Bewerber für Chemielaboranten-Plätze haben - zum Teil trotz Abitur - noch nie etwas von einem Dreisatz gehört. Schon das Kleine Einmaleins ist für FAST ALLE Kandidaten ohne Taschenrechner eine schier unbezwingbare Hürde - vom Großen ganz zu schweigen.

Auch Zeugnisse mit 30 oder mehr unentschuldigten Fehltagen sind keine Seltenheit dabei ist gerade dieser Sachverhalt ein echtes Killerkriterium - in der Verganhgenheit erwiesen sich bei uns 100% dieser “Freizeitkönige” als betriebliche Totalausfälle. Konsequenz: Einstellung bei mehr als drei unentschuldigten Fehltagen ausgeschlossen Und auch diese drei Tage möchten wir von den Bewerbern erklärt haben.

Im Endeffekt konnten wir nur fünf Azubistellen für Chemielaboranten und zwei Stellen für Bürokauffrau vergeben. Der Rest war beim besten Willen nicht akzeptabel zu besetzen.

Fünf der sieben Azubis kommen dabei nicht aus Berlin, sondern aus dem Umland. Überhaupt scheint es um die Qualität der Schuausbildung in Brandenburg deutlich besser zu stehen.

Für die Zukunft bedeutet all dies nichts Gutes.

Solange wir unseren Bedarf an ausgebildeten Fachkräften hier noch decken können, werden wir natürlich in Deutschland bleiben, allerdings kooperieren wir seit eniger Zeit mit einem polnischen Unternehmen in Wroclaw. Und mit großem Erstaunen stellten wir fest, daß die dortigen Auszubildenden sowohl schulisch exzellent ausgebildet als auch lernfähig und -WILLIG sind.

Die Devise der Zukunft könnte für uns daher heißen: Go East

Nur Fasching. Eliteschule oder Einheitsschule?

 16022010005.jpg Fasching oder Faschismus? - diese bedeutungsschwere Frage wälzten wir vor wenigen Tagen in mehreren Blog-Beiträgen. Mehr und mehr Leser scheinen sich dafür zu interessieren. Am gestrigen Tag (15.02.2010) verzeichneten wir 3578 Seitenaufrufe und 1176 Besucher. Dieses Blog hat also täglich mehr regelmäßige Besucher als die Harvard Business Review in Deutschland Abonnenten hat.

Heute nur ein kurzer Bericht. Ich mag meine Besuche in der Kreuzberger Fanny-Hensel-Grundschule. Jeder Besuch dort bringt mir eine Art Sauerstoff-Dusche guter Laune. So auch heute wieder.

Natürlich ist es eine absolute Elite-Grundschule! Das ergibt sich ja schon daraus, dass ein Schüler (mit Migrationshintergrund) dieser Schule am Wochenende einen ersten Preis bei Jugend musiziert errungen hat und dass viele Eltern ihre Kinder von weiter entfernt mit dem Auto hierher bringen und hier absetzen. Sei’s drum! Die gute Nachricht ist nämlich: Jede und jeder, der im unmittelbaren Umfeld, im “Einzugsbereich” dieser Schule wohnt, wird auch aufgenommen. Denn es ist rein formal gesehen - eine ganz normale staatliche Berliner Grundschule. In Kreuzberg. Es ist keine “Grundschule besonderer Prägung”. Na bitte!

Wir lernen daraus: Der Elitegedanke und die staatliche Einheitsschule - das passt wunderbar zusammen zusammen! Und zwar dank des Wettbewerbs, des Dialogs, der Begegnung. Das sind die Schulen des Volkes, die Volksschulen, die wir brauchen. Ich meine: Die Verteufelung der “Einheitsschule” muss aufhören. Hinter der Verteufelung der Einheitsschule steckt oftmals bloße Besitzstandswahrung. Richtig ist: Unter dem Dach der Einheitsschule ist Platz für beste Leistungen.

Jede normale Schule kann eine Eliteschule werden - sie muss es nur wollen und alle müssen sich Mühe geben. Jede Schule hat Platz für herausragende Leistungen.

Heute nahm ich wieder einmal eine Gute-Laune-Dusche dort in der Kreuzberger Einheitsschule. Tragedy tomorrow, comedy tonight! Alle Kinder haben sich phantasievoll verkleidet. Mein Sohn war ein Löwe. Nur ich war  - nichts. Da ich nur schwarze Klamotten trug, sagte ich hilflos zu einem mich anknurrenden Eisbar: “Du bist ein Eisbär, ich bin ein Schwarzbär.” Und ich bleckte die Zähne. Er hat mir nicht geglaubt.

Das ist aber keine Tragödie. Es ist - nur Fasching. Auf dem Foto seht ihr den Eisbär, mit dem ich vorhin sprach.

Der Sozialstaat pumpt Geld und vermehrt die Armut

Guter Beitrag von Gunnar Heinsohn in der WELT vom 08.02.2010! Endlich einmal wird anhand von Zahlen nachgewiesen, dass unser Schulsystem nicht die Ursache dafür ist, dass so viele Schulversager den Weg in den Arbeitsmarkt verfehlen, sondern eine völlig verfehlte Setzung von Anreizen in der Sozialpolitik. Inhaltlich treffen Heinsohns Bemerkungen ins Schwarze,  jeder Spaziergang durch unser heimatliches Kreuzberg oder Wedding wird ihn bestätigen.

Jetzt muss die deutsche Politik erst einmal die vorwärts weisende Sozialpolitik eines Bill Clinton studieren. Dann wird man daran gehen, die schweren Fehler der vergangenen Jahrzehnte offen einzugestehen. Und dann wird man durch gesetzliche Reformen den Weg zur Abhilfe schaffen. Den ganzen Artikel von Heinsohn empfehle ich unseren Sozialpolitikern dringend zur Lektüre.

Gesellschaft: Der Sozialstaat pumpt Geld und vermehrt die Armut - Nachrichten Debatte - WELT ONLINE
Weil in Deutschland die Herkunft den Schulerfolg stärker prägt als in anderen Ländern, könne das nun einmal nur an den Schulen liegen. Wenn aber Deutschland überdurchschnittlich vielen Schulversagern aus aller Welt eine Heimstatt bietet, dann könnte auch genau darin der Grund für die unterdurchschnittliche Akademikerquote liegen. Denn es ist zugleich Deutschland, das als erste entwickelte Nation in einer negativen Bildungsspirale steckt, obwohl das Schulsystem ständig reformiert und besser finanziert wird. Abschlüsse werden immer leichter gemacht und dennoch schaffen die 25- bis 34-Jährigen nicht mehr akademische Grade als die 55- bis 64-Jährigen mit ihren damals vergleichsweise ärmlichen Bedingungen und Behandlungen mit Schwarzer Pädagogik.

Polizei räumt Hörsaal - es wurde aber auch Zeit

Die Berichtspflicht eines ehrlichen Bloggers gebietet es hier darauf hinzuweisen, dass die FU-Leitung am heutigen Sonntag den besetzten Hörsaal in der Berliner Rostlaube durch die Polizei hat räumen lassen. Meinen am 02.02.2010 erhobenen Vorwurf, die FU-Leitung besitze nicht den Mut eines Theodor W. Adorno, muss ich zurücknehmen.

Meines Wissens war dieses Blog eine der wenigen Stimmen, die öffentlich den Sachstand der Verwahrlosung und Zumüllung feststellten und die Illegalität der Besetzung anprangerten.

Die  illegale Besetzung des FU-Hörsaales 1 seit November besaß nie den Funken einer Berechtigung. Ich begrüße die Räumung. Freies Lernen für freie Studierende! Venceremos!

Polizei räumt Hörsaal

Kröten und Prinzen - gemeinsam seid ihr stark!

Hurra, es gibt immerhin einen Politiker, der ähnlich denkt wie ich und der dies auch offen sagt. Er heißt Ole von Beust, ist Hamburger. Heute wurde es ja echt brenzlig für die Hamburger Schulreform. Aber was der Mann sagt, gefällt mir sehr - da werde ich doch meine uralten Vorurteile gegen die “kühlen Norddeutschen” überdenken müssen! Was mir besonders gefällt, ist, wenn Politiker ihrer eigenen besseren Einsicht folgen und auch einmal etwas gegen die lautstark vorgetragene Meinung ihrer eigenen  Klientel vertreten. Besonnen, werbend, aber in der Sache entschieden. Ich kann und muss als Vater eines Ausländerkindes, das unter lauter Ausländerkindern lernt, jedes Wort unterstreichen, das der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust sagt. Lassen Sie sich nicht kirre machen!

Schulreform-Volksentscheid in Hamburg: “Diese Kröte muss man schlucken” - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
Ich habe mich lange mit Integrationsfragen auseinandergesetzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass längeres gemeinsames Lernen für eine gelungene Integration unabdingbar ist - nicht nur für den hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen mit ausländischem Kulturhintergrund, sondern auch für deutsche Kinder, denen die Lernmotivation nicht von zu Hause mitgegeben wird. Beide Gruppen brauchen bessere Chancen - ohne dabei die guten Schüler zu vernachlässigen. Die Gesellschaft sieht heute anders aus als vor 30 Jahren, dieser Tatsache muss man sich auch bildungspolitisch stellen.