Aug 242016
 

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Touristische Erörterungen durfte ich mir anhören an Mariae Himmelfahrt bei einem festlichen Feldumgang durch die Weinberge des Augustiner-Chorherrenstifts Neustift: 2 italienische Männer sprechen zum Singen und Beten der Gemeinde deutlich und laut neben mir über die Anfahrt, die Staus auf der Autobahn usw., 2 deutsche Frauen sprechen hinter mir verstohlen, aber laut genug über all das, was “durch die Bibel einfach nicht gedeckt” ist an Mariae Himmelfahrt. Hier hilft mir das wenige Italienisch, das ich kann. Unhörbar für fast alle denke ich: “… ma per grazia di Dio, potete chiudere il becco, solo un attimo …  ” Und … es hilft ihnen! Maria hat ihnen geholfen. Sie verstummen nach und nach.

Andere, himmelnähere Gefilde sind das in Südtirol als hier in Berlin  – aber doch derselbe Himmel, dieselbe Erde, dieselbe Maria!

Bild: Blick auf das Dorf Klausen im Eisacktal, 15. August 2016,  der Blick Albrecht Dürers

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Aug 232016
 

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Bozen, den 10. August 2016

Heute besuchten wir das Südtiroler Archäologiemuseum. Was man von der Geschichte und den Hinterlassenschaften des “Mannes aus dem Eis” nur hat finden können, ist dort zusammengetragen und in vorbildlicher Weise für uns Heutige aufbereitet.  Wir konnten gar nicht genug verweilen an all den Beifunden, dem Fellmantel, den Beinkleidern, der Gürteltasche, dem Lendenschurz, den Schuhen, der Fellmütze.  Der Emmer, auf italienisch farro genannt – diese frühe Vorform unseres heutigen Weizens – weckte unsere besondere Neugier. Ötzis letzte Mahlzeiten umfassten tatsächlich auch den wilden Emmer, der als Einkorn in unseren Jahren erneute Genießer unter der Öko-Bewegung findet.

Ein letztes, nie zu enträtselndes Schaudern, ein Geheimnis umgibt und wird auf immer umgeben die Person selbst, die wir bei einem kurzen, respektvollen Innehalten vor der ewigen Kühlkammer bei -6° C ins Auge fassen durften.

Die Brüder Kennis & Kennis aus den Niederlanden haben im Auftrag des Museums eine naturalistische Rekonstruktion Ötzis angefertigt. Das Foto oben zeigt diese Nachbildung.

In der Nachbereitung ergeben sich tiefe Einblicke in die Frühzeit des Menschengeschlechts. Die mittlere Kupferzeit, welche auch aufgrund dieses Fundes, 1991 spektakulär zutage getreten in den Höhen des Tisenjoches in den Ötztaler Alpen, um 1000 Jahre nach vorne datiert werden musste, war zwar in Europa noch schriftlos; es gab noch keine staatenförmigen Gebilde, keine “Hochkultur” wie etwa in den gleichzeitg aufblühenden Reichen Mesopotamiens oder etwas später auch im Alten Ägypten.

Aber der Mann aus dem Eis kündet doch von einer viel höheren Mobilität im Alpen- und Voralpenraum, als man zu vermuten geneigt war.  Die materielle Kultur, die Vielfalt an Geräten und Gegenständen des Bedarfs war weiter vorangeschritten, als man bis 1991 glaubte.

Diese Zeit, also das 4. Jahrtausend v. Chr. ist augenscheinlich in Europa eine “Jochzeit” am Übergang vom bloßen Jagen und Sammeln zum Sesshaftwerden, zur Viehzucht, zum Anhäufen von Besitz und Reichtum.

Die Bibel setzt übrigens in genau diese Zeit – in die Kupferzeit also – das erste große Gewaltverbrechen der Menschheitsgeschichte, den großen Zivilisationsbruch, nämlich die Ermordung Abels durch Kain. Ein Brudermord, der motiviert wird durch das Gefühl ständigen Benachteiligtseins, unter welchem Kain, der Ackerbauer litt. Denn Gott ließ auf seinem jüngeren Bruder Abel, dem Schafhirten, größeres Wohlgefallen ruhen!

Ist es Zufall, dass der zeitgleich mit der Geschichte von Kain und Abel lebende Mann aus der mittleren Kupferzeit, genannt Ötzi, ebenfalls einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel? Reizte wohl gar seine erstklassige Ausstattung mit Fellen, Beinkleidern, einer herrlichen, damals hochmodernen Kupferaxt, einer vortrefflichen Reiseapotheke, den Neid und die Habsucht bei demjenigen, der ihn tötete?

Kajin (hebräisch) oder Kain (griechisch) ist auch Bestandteil des Namens des ersten Schmiedes, von dem die Bibel erzählt: Tubal-Kajin.

Warum Gewalt? Warum Neid? Warum Hass?

Jeder kann hier weiterdenken! Aus drei unterschiedlichen Werken –  dem ausgezeichneten Bozener Museumsführer [=Ötzi], der Jerusalemer Bibel [=Jerus. Bibel] und dem neuesten Plötz [=Ploetz] –  seien zu diesem Zweck nachfolgend einige Daten zum geschichtlichen Umfeld Ötzis tabellarisch samt Quellenangabe wiedergegeben:

9000-3500 v.Chr.:
Jungsteinzeit. Neue Lebensweise durch Übergang vom Suchen und Sammeln von Nahrung zu Nahrungsgewinnung durch Pflanzenanbau und Tierhaltung [Jerus. Bibel]

3500 v. Chr.: Abel und Kain, Genesis 4,2 [Jerus. Bibel]

Ca. ab gegen 4000 bis ca. 2000 v. Chr.:
Kupferzeit Europas, immer mehr bergmännisch gewonnenes und verarbeitetes Kupfer nachweisbar, Kollektivbestattungen, “Chamer Gruppe” [Ploetz, S. 39, S. 45]

4000 v. Chr.
Megalithgrabbestattung in Westeuropa. Besiedelung Alaskas durch Eskimos [Ötzi]

4000-3100 v. Chr.:
Kupfersteinzeit im alten Orient.Gewinnung von Metall (Kupfer). Anfänge der Schrift. Sumerische Schrifttafeln von Uruk, Buch Genesis 10,10 [Jerus. Bibel]

um 3600-3100 v. Chr.:
späte Urukzeit, Erfindung der Keilschrift [Ploetz, S. 80]

um 3500 v. Chr.:
Tubal-Kajin, Vater der Schmiede Gen 4,22 [Jerus. Bibel].
Beginn der Kupferzeit in Mitteleuropa; Beginn der Bronzezeit in Vorderasien, Entstehung der ersten Stadtstaaten in Mesopotamien [Ötzi]

ca. 3300 bis 2800 v. Chr.:
Mittelkupferzeit im westlichen Mitteleuropa, Kupferreviere zwischen alpinem Inn und Enns [Ploetz S. 45]

Um 3350 v. Chr. bis 3100 v.Chr.:
In den Alpen lebt Ötzi, der Mann aus dem Eis [Ötzi]

Um 3000 v. Chr. Reichseinigung unter dem ersten ägyptischen Pharao Menes; Entwicklung der Hieroglyphen; Kultivierung von Reis in China [Ötzi]

Nachweise:

Neue Jerusalemer Bibel [=Jerus. Bibel]. Herder Verlag Freiburg Basel Wien, 1. Auflage der Sonderausgabe 2007, hierin: “Zeittafel”, S. 1811

Angelika Fleckinger: Ötzi, der Mann aus dem Eis [=Ötzi]. Alles Wissenswerte zum Nachschlagen und Staunen. Südtiroler Archäologiemuseum. Folio Verlag Wien – Bozen, 8., aktualisierte Auflage 2016, hierin bsd.: “Zeitleiste”, hinterer Klappumschlag

Der große Ploetz [=Ploetz]. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte. 35. Aufl., Komet Verlag, Köln 2008

 

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Aug 222016
 

De mortuo nil nisi bene loquamur – von einem Toten möchten wir zunächst einmal nur Gutes reden. Ein wahrhaft europäischer Historiker war Ernst Nolte, der am 18. August verstorben ist.

Sein großartiges Werk “Der Faschismus in seiner Epoche”, das ich aus der Bibliothek meines Vaters in der 2. Auflage von 1965 ererbt habe, hinterließ mir vor Jahren schon einen tiefen Eindruck; zunächst übrigens wegen des außerordentlich eleganten, mit Fakten und tiefen Einsichten gesättigten Stils. Nolte war zuletzt einer der wenigen noch verbleibenden deutschen Wissenschaftler, der eine rhythmisch geordnete, architektonisch klar gegliederte, dem fein artikulierten rhetorischen Gestus nicht abholde Sprache schrieb. Man braucht sich nur einige Seiten aus seiner Feder vorzulesen und wird erkennen, dass er noch einmal das rhetorisch- analytische Erkennen, diesen Schatz  der antiken Historiker aufscheinen lässt. Sein Deutsch liest sich mitunter so, als wäre es aus Sallust oder Thukydides, aus Montaigne oder Montesquieu übersetzt! Mindestens lässt es diesen Goldgrund noch durchschimmern.

Als weiteren Vorzug hebe ich hervor, dass er sich mit den Quellen mehrerer europäischer Sprachräume auseinandergesetzt hat, sehr im Gegensatz zu fast allen, die in häufig unredlicher Art über ihn hergefallen sind. Er las eben noch im Original Mussolini, D’Annunzio, Drumont, Barrès und all die anderen.

Die meisten heutigen Feuilletonisten und akademischen Barone, von Jürgen Habermas angefangen bis zu all den anderen, die ihm seit dem unsäglichen, fälschlich so genannten “Historikerstreit” unablässig am Zeug flickten, sind oder waren schon wegen mangelnder Sprachkenntnisse gar nicht imstande, die historischen Quellen aus Italien, Frankreich, der Sowjetunion, Polen oder Tschechoslowakei eigenständig auszuwerten. Sie kennen und können nur Vorgekautes wiedergeben, soweit es ihnen  in deutscher oder englischer Sprache aus zweiter Hand vorgesetzt wird. Sie haben keine Quellenforschung betrieben. Ich behaupte: Sie konnten und können den Wahrheitsgehalt von Noltes Schriften nicht beurteilen. Sie haben sich nie der Mühe unterzogen, den gesamteuropäischen Charakter der großen Ideologien des 20. Jahrhunderts nachzuvollziehen, wie dies Nolte auf seine besondere Weise tat.

Habermas und die anderen haben nur versucht, die gesamte Epoche von 1917-1945 mit dem Absolutheitssiegel des Bösen schlechthin, verkörpert in Deutschland, zu entsorgen. Entsorgung der Vergangenheit! Sie haben genau das gemacht, was sie Nolte fälschlich vorwarfen. Sie verkörpern im Grunde die autokategoretische Denkart, wie sie sich geradezu idealtypisch in Deutschland herausbilden konnte. Diese Denkart lässt sich so zusammenraffen: “Es gibt genau eines und nur ein einziges Verbrechen, das alle anderen übersteigt. Dieses ist von uns Deutschen begangen worden.  Es ist das einzige Verbrechen, das nie vergeht, für das auch keinerlei Motivation oder Veranlassung denkbar ist, und das auf ewige Zeiten uns Deutschen anhaften wird. Dafür, für dieses einzigartige Verbrechen trägt Deutschland Schuld und Verantwortung.” So formulierte es übrigens noch kürzlich der Deutsche Bundestag in seiner Armenien-Resolution vom 02.06.2016.

An keiner Stelle hat Ernst Nolte dagegen so etwas wie eine Apologie des Nationalsozialismus versucht oder gar irgendwelche Verbrechen, die im deutschen Namen begangen oder von Deutschen begangen worden sind, zu verharmlosen, zu entschuldigen oder zu leugnen sich unterfangen, wie es ihm jedoch heute noch einmal auf höchst unredliche Weise im Tagesspiegel auf S. 1 unterstellt wird. Sehr wohl aber hat er versucht, zu verstehen, wie es so weit kommen konnte. Er versuchte das Geschäft des Historikers: Handlungsstränge nachvollziehen, mögliche Motivationen und Triebkräfte freilegen, ohne die historisch Handelnden als den Teufel schlechthin, als den Träger der Schuld schlechthin zu verurteilen –  “mit Abneigung, aber ohne Haß”.

Seine Gegner haben unhistorisch und auf tiefstem Niveau pseudotheologisch mit dem Argument des absoluten Bösen argumentiert, wobei der Rückgriff auf Martin Luthers Schuldbegriff auf krude Weise dem ganzen Volk übergestülpt wurde.

Manet odium sui germanicum! Man lese doch bitte noch einmal Luthers 4. Wittenberger These, und man wird erkennen, wie ein bedeutender Teil der deutschen Gelehrtenschaft ganz im Banne dieses von Luther absolut aufgeladenen kollektiven Schuldbegriffes steht, der letztlich zur Ablehnung der eigenen Identität, zum odium sui, wie dies Luther nannte, führen muss und geführt hat:

4. Manet itaque poena, donec manet odium sui (id est poenitentia vera intus), scilicet usque ad introitum regni caelorum.

 

Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Die Action française. Der italienische Faschismus. Der Nationalsozialismus. R. Piper & Co Verlag, 2. Auflage München 1965

 

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Das Holz schlagen, dem Holz nachhören – der erste Schritt zum Geigen

 Geige, Südtirol  Comments Off on Das Holz schlagen, dem Holz nachhören – der erste Schritt zum Geigen
Aug 192016
 

Ein großartiger Aufenthalt in Südtirol klingt aus und singt nach! Die vielen Begegnungen mit wunderbaren Menschen, mit der Welt der Berge, das Eintauchen in die ganz eigenen Klänge, Düfte und Belichtungen in dem Land an Etsch und Rienz begeisterte mich nachhaltig.

Am Ritten oberhalb von Bozen, genau an dem Ort, wo 1911 Sigmund Freud für seine Familie einen Ort zur langwöchigen Sommerfrische erkundet hatte, dort übte ich mich spielerisch in der Kunst der “Perkussion und Auskultation”, also des diagnostischen Klopfens  und Lauschens. Freilich nicht am Körper des Kranken, wie das die Lungenärzte zu Zeiten eines Karl Kraus oder Sigmund Freud wohl taten, sondern an kräftig und widerständig und frei in die Höhe gewachsenen, ca. 80-jährigen Bergfichten.

Genau in dieser Höhe, also etwas oberhalb von 1000 m fanden die alten Meister in Nord- und Südtirol, im Trentino und im Böhmerwald ihre besten Klanghölzer für die Violine. Und die Unterschiede beim Anschlagen der Stämme waren beträchtlich! Von Stelle zu Stelle, von Baum zu Baum klingt es und singt es anders in den Stämmen.

Mancher Baum ist stumm und stumpf. Andere, hart daneben aufstrebend, sind klingend, sie bringen etwas mit, sie haben eine “Eigenresonanz”. Diese taugen dann als bestes Klangholz für Streichinstrumente.

Vgl. hierzu:

Walter Kolneder: Das Buch der Violine. Bau, Geschichte, Spiel, Pädagogik, Komposition. Atlantis Musikbuch-Verlag Zürich, 5. Aufl. 1993, bsd. S. 23

 

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“Der Nebelstreif!” Von der begnadeten Kunst Jessye Normans

 Richtig gutes Deutsch!  Comments Off on “Der Nebelstreif!” Von der begnadeten Kunst Jessye Normans
Jul 262016
 

“Manchmal vermisse ich meine Mutter.” So schreibt mir ein Freund aus Tel Aviv. So wird es später einmal der Sohn von Antoine Leiris sagen müssen.

Auch ich vermisse meine Mutter immer wieder. Sie hat uns folgendes Lied gesungen. Und wir hatten Angst:

https://www.youtube.com/watch?v=8noeFpdfWcQ

Und manchmal vermisse ich die deutsche Sprache. Nicht irgend ein Gequassel oder Geplärre, wie es aus den Subwoofern der Multiplex-Kinosäle oder aus den High-Voltage-Jammern der üppigst hochgerüsteten deutschen Theaterbühnen ertönt.

Sondern…? Sondern was?

Eine deutsche Aussprache, die ohne Mikrophon und ohne Verstärkung Säle und Kirchen durchdringt. Eine Lautung, bei der du innehältst. Bei der du sagst: Ja … hier spricht noch jemand gutes Deutsch. Endlich singt jemand noch gutes Deutsch.

Wohlgeformte, deutlich hörbare Konsonanten, Vokale, die eine Stimmung, einen Schauder, ein Entzücken entstehen lassen.

Ein fast unerreichtes Vorbild für die heutigen deutschen Sänger in dieser Kunst dürfte Jessye Norman sein. Obwohl oder vielleicht weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, stellt die oben verlinkte Interpretation des Erlkönigs von Schubert mindestens in meinen Ohren ein Besser-geht-es nicht-mehr dar. Wort und Klang, Laut und Sinn sind hier so verschmolzen, dass ich nicht anders kann als mich beglückt zu empfinden.

Gäbe es doch noch einen Schauspieler, der beispielsweise den Eingangsmonolog aus dem Faust II ähnlich gut darzustellen vermöchte! Klaus Maria Brandauer war so einer!

Diese unvergleichliche Kunst, das berühmte Kunstlied eines Schubert, eines Schumann, eines Brahms hatte früher in Deutschland seine Heimstatt. Aber sie verschwindet. Sie droht bei unserer Jugend ganz verlorenzugehen, zusammen mit dem Singen überhaupt.

Was bleibt, ist Geplärre, Gedudel, Genuschel.

 

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“Vous n’aurez pas ma haine. […] Il rit.”

 Gemeinschaft im Wort  Comments Off on “Vous n’aurez pas ma haine. […] Il rit.”
Jul 252016
 

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“Meinen Haß bekommt ihr nicht. […] Er lacht.”

Großes, bewegendes Buch, schmal, es umfasst nur 139 Seiten! Und doch presst der Verfasser Antoine Leiris eine ganze Welt zwischen die Pappendeckel. Herzdeckel!  Schwaches, bebendes Herz eines Kindes, sterbendes Herz einer Mutter, klagendes Herz eines Vaters!

Hier noch ein weiteres Zitat:

“Maison, déjeuner, change, pyjama, sieste, ordinateur. Les mots continuent d’arriver. Ils viennent d’eux-mêmes, pensés, pesés mais sans que j’aie à les convoquer. Ils s’imposent à moi, je n’ai plus qu’à les prendre.”

Alltagsgliederung, das Erledigen der Tuns und Treibens, das feste Gefüge der Lebenswelt, Krippe, Stundenpläne — das alles hilft nach Einschlägen, nach Anschlägen, nach Verwüstungen. Und das Reden, die ordnende, bannende Macht des Erzählens. Heilkraft des Erzählens!

Wozu soll ich Französisch lernen, der Zug ist abgefahren, fragte mich einmal ein 14-Jähriger, der so gern Ego-Shooter spielt – wie all die anderen Jungs auch.Warum ein französisches Buch lesen statt Counterstrike zu spielen?

Spaß am Töten, wenn auch virtuell eingeübt … diese Egoshooter-Spiele senken die Hemmschwelle, sie führen zu einer Gewöhnung an das Töten, sie belohnen  das Töten, wenn auch nur virtuell.

Darum, o Junge – lerne Französisch! Damit du dieses Buch vom Töten und Sterben, Leben und Weiterleben lesen kannst! Es ist ein großer Lobgesang auf das Leben.

Das Buch von Antoine Leiris ist in klarem, redlichem, einfach zu verstehendem Französisch geschrieben. Ich empfehle es zum Französisch-Unterricht an deutschen Gymnasien. Ich griff zu, fand es bei meinem letzten Aufenthalt in Paris und las es atemberaubt beim Rückflug von Paris nach Berlin durch.

Antoine Leiris: Vous n’aurez pas ma haine. Récit. Librairie Arthème Fayard. Paris 2016. Zitate hier von Seite 59 und Seite 139

PS:

Il rit. Er lacht.

Bild: Straßenszene in Paris. Juli 2016, Sonntag Tag des Endspiels der Fußball-Europameisterschaft

 

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“Ist’s Lieb? Ist’s Haß? die glühend uns umwinden?”

 Kain, Rassismus  Comments Off on “Ist’s Lieb? Ist’s Haß? die glühend uns umwinden?”
Jul 122016
 

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Nun aber bricht aus jenen ewigen Gründen
Ein Flammen-Übermaß, wir stehn betroffen;
Des Lebens Fackel wollten wir entzünden,
Ein Feuermeer umschlingt uns, welch ein Feuer!
Ist’s Lieb? Ist’s Haß? die glühend uns umwinden?
Mit Schmerz und Freuden wechselnd ungeheuer,

[…]

 

Soweit seien einige morgendliche Gedanken aus der Feder eines bei den Deutschen heute im großen und ganzen vergessenen Dichters zitiert. Beachtlich an diesen aus dem kollektiven Gedächtnis radierten Versen: Beim Blick in die Sonne weiß der Sprechende – nennen wir ihn einfach auf italienisch Pugno – nicht, ob LIEBE oder HASS ihn umschlingt. Seine Sehkraft reicht nicht aus, diesem Glutkern ins Auge zu schauen.

Liebe und Haß sind also “umschlingende” Leidenschaften aus “ewigen Gründen”, Gefühle, die stärker sind als wir selbst, die uns gewissermaßen über unsere Kräfte hinausführen.

Und deswegen ist der Hass so interessant, aber auch so unfassbar! Im innersten Glutkern scheinen Haß und Liebe mitunter ununterscheidbar zu sein. Sigmund Freud hat viel darüber nachgedacht. Er spricht vom Gegensinn der Urworte. Wir dürfen hier vom Gegensinn der Urgefühle sprechen. Weniges ist dabei klar, vielleicht dieses: Die Liebe ist zweifellos das große Ja zum Du. Der Hass ist zweifellos das große Nein zum Du.

Dies ist Stadium 1 des Hasses: eine unerklärliche, bannende, das Ich übersteigende Macht, die noch unentschieden ist.

“Man wußte nicht, was man mehr bestaunen sollte: ihre Zungenfertigkeit oder ihre Kunst der Lüge. Ich begann sie allmählich zu hassen.”

Erneut – der Umschlag von guten, positiven Gefühlen der Bewunderung, des Bestaunens in das Gegenteil: das böse, negative Gefühl des Hasses. “Ich begann sie allmählich zu hassen.” Ein klug sezierender Einblick in die Genese des Hasses – lesenswert. Alice Miller und Thomas Mann haben das Wagnis unternommen, den Autor dieses Buches als ihresgleichen zu verstehen. Thomas Mann nannte ihn “Bruder”, er meinte, in dem Verfasser der zitierten Zeilen nichts wesentlich anderes zu erkennen als in jedem anderen Menschen und in sich auch.

Dies ist Stadium 2 des Hasses: an einem bestimmten Objekt, das zunächst bewundert oder auch geliebt wird, entzündet sich nach und nach das Gefühl der Unterlegenheit, das Gefühl der Benachteiligung, das Gefühl des Neides. Wir sagen: der Neid “flammt auf”, und Neid (althochdeutsch nit oder nid) ist semantisch mit Hass verwandt. Von Bewunderung über Neid zum Haß!

Den vollkommen ausgebildeten Haß, das Stadium 3 des Hasses, das auch therapeutischer Durcharbeitung nur noch schwer zugänglich sein dürfte, legt die populistische BZ, nach eigenem Bekunden Berlins größte Zeitung, heute offen. Sie druckt in voller Länge ein Dokument von 210 Zeilen ab, das zweifellos einen exemplarischen Inbegriff des Hasses darstellt. Hier, bei den Friedrichshain-Kreuzberger Linksextremisten, bricht sich ungeschminkt, unbeschönigt der “blanke Haß” Bahn. Gegenstand dieses rassistischen Hasses der Linksextremisten ist hier eine bestimmte Gruppe von Menschen, eine Gruppe, die als “Schweine” bezeichnet wird, die als eine entmenschte Horde verspottet werden, denen man alles Böse an den Hals wünscht.  Sie sind gewissermaßen die “Macker, die es überall gibt”, die man plattmachen, also vernichten möchte.

Die Objekte des Hasses sind austauschbar: “Macker gibt’s in jeder Stadt”, das heißt auch: Jeder kann Macker sein, jeden kann es treffen, als Macker angegriffen zu werden.

Man kann das gut auch bei Adolf Hitler zeigen: In seinem autobiographischen Buch bekundet er an der einen Stelle Bewunderung für den englischen Parlamentarismus, und an anderer Stelle bezeugt er seinen Haß auf den Parlamentarismus in Österreich.

Der Haß entzündet sich also an einem zufälligen Du, an einer Projektionsfläche. So wird man wohl auch annehmen dürfen, dass der blanke, der krankhaft, ja wahnhaft verfestigte  Haß auf “Macker” oder “Schweine”, wie er sich in den Unterstützerkreisen der Rigaer Straße bekundet, gleichsam als überwältigende Kraft, als Urkraft aus dem Glutkern der Psyche herausbricht.

Das klingt schlimm, aber es ist menschlich, allzu menschlich!

Diesen derart verfestigten Haß (in diesem Fall den grundlosen Haß auf die Polizisten) in Gesprächen aufzulösen, ist ein schwieriges Geschäft. Zunächst einmal ist es wichtig, den Haß anzuerkennen. Ja, da steckt viel Haß in diesen Menschen. Sie erleben den Haß, sie sind gefangen im Haß. Aber, so meine ich:  der Haß muss und darf kein Letztes sein.

Alice Miller sagt sinngemäß: Der Haß wird erlebt; Haßgefühle zu erleben, ist zunächst einmal etwas Normales. Was wir wollen, ist, dass Hassgefühle nicht ausgelebt werden. Haßgefühle, die schrankenlos ausgelebt werden, führen zu Verletzungen, Zerstörungen, zur Vernichtung des Menschlichen im Hassenden wie im Gehassten.

Hier ist zunächst einmal die Herstellung eines gesetzlichen Zustandes zu erwarten. Der Staat kann mit Gewalttätern nicht darüber verhandeln, ob die Gesetze einzuhalten sind oder nicht.

Eine echte Schlichtung kann – so hoffe ich – in Gesprächen als zweiter Schritt erfolgen.

Quellenangaben:

Goethe, Faust II, Verse 4707-4712, ed. Albrecht Schöne, Frankfurt 1999

Thomas Mann: Der Bruder

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8c/Thomas_Mann_Der_Bruder_Foto_%C2%A9_H.-P.Haack.JPG

Alice Miller:

DIE KINDHEIT ADOLF HITLERS

“Wer meint, man könne mit den Linksextremisten verhandeln, sollte diese 210 Zeilen lesen.” BZ, Berlins größte Zeitung, 12. Juli 2016, S. 4-5

Mein Kampf : eine kritische Edition / Hitler ; herausgegeben von Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger, Roman Töppel unter Mitarbeit von Edith Raim, Pascal Trees, Angelika Reizle, Martina Seewald-Mooser ; im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin, vierte, durchgesehene Auflage, 2016, hier Band I, bsd. S. 225 [S. 63] und S. 261 [S. 77]

Bild:
“Macker gibt’s in jeder Stadt, bildet Banden, macht sie platt.” Hauswand in der Rigaer Straße, Aufnahme vom 23.06.2016

 

 

 

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Halkyonische Tage: una semana de oro (2)

 Meine innige Freude  Comments Off on Halkyonische Tage: una semana de oro (2)
Jul 072016
 

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Halkyonische Tage! Sanfte Wollust des Daseins!
Betrachte die weitgeöffneten Blüten,
Höre hinein in den Hörnerschall,
vertraue dich an dem Bach der Bilder!

Glutkern des Sommers, grüne Symphonie,
Genieße das Reiben der Zikadenflügel,
Koste aus die Reibungen der Dissonanzen
In Mozarts köchelndem Andante.

Schmatze die Lasagne in dich hinein,
Sauge am Sellerie, koste die Karotte,
Schenk nach den roten Wein,
Pack Backblech in Klappkorb,

Tritt in die Pedale, fahr hin und her,
Zwischen Kreuzberg und Schöneberg,
Nimm das Kreuz an vor jeder Note,
So schön es ist! Und so gut, so wahr uns…

 

 

 

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“Ich spreche viele Sprachen, aber Deutsch ist meine Lieblingssprache”. Auf die Frage: Was ist deutsch?

 Richtig gutes Deutsch!  Comments Off on “Ich spreche viele Sprachen, aber Deutsch ist meine Lieblingssprache”. Auf die Frage: Was ist deutsch?
Jul 052016
 

O flaumenleichte Zeit der dunkeln Frühe!
Welche neue Welt bewegest du in mir?
Was ist’s, daß ich auf einmal nun in dir
Von sanfter Wollust meines Daseins glühe?

Diese deutschen Verse des aus dem schwäbischen Urach stammenden Eduard Mörike sind schön, sie klingen heiter sangbar, sie haben die Leichtigkeit des Andante cantabile in F-Dur aus Mozarts Streichquartett in C-dur, KV 465, datiert Wien, 14. Januar 1785. Sie sind im besten Sinne typisch und unverwechselbar deutsch. Ich murmele und summe sie manchmal vor mich hin, wie ich auch gerne die eine oder andere Stelle aus Mozarts C-Dur-Streichquartett KV 465 für mich hinsumme und mit anderen zusammen hinfiedele (so etwa gestern abend).

“Aber was ist denn typisch deutsch?” Antwort: “Deutsch”, das sollte – so meine ich – in heutigen Zusammenhängen im Wesentlichen das sein, was es der Grundbedeutung nach von Anfang an war: eine Sprachbezeichnung. Theodisk, tiudisk, todisk und wie auch immer … das ist seit den Zeiten des Althochdeutschen bis heute jemand, der als Haus- und Heimatsprache jene Sprache verwendet, die in eben dieser Sprache als “theodisk, tiudisk, tütsch, dytsch, daitsch”  usw. bezeichnet wird, also das, woraus sich das heutige Deutsche in all seinen Spielarten entwickelt hat. “Deutsch” ist seit etwa dem Symboljahr 842, also der Zeit der Straßburger Eide, im Kern kein politischer Begriff, sondern zunächst einmal ein rein sprachlicher.

Dass Sprachzugehörigkeit unverbrüchlich auch politische Zugehörigkeit bedeuten solle, kam später.  Es ist eine Idee von “1789” bzw. “1813”. Erst durch die Französische Revolution von 1789 und die europäischen Nationalbewegungen (vgl. etwa die preussisch-russische Koalition von 1813, den Startschuss der Befreiungskriege im Norden Europas) wurde die Deckungsgleichheit von Volk, Staat, Sprache und Boden verkündet. “Ein Volk, eine Sprache, ein Land” – das ist die typische Gleichung dafür, wie sie übrigens bis zum heutigen Tage nicht nur in vielen europäischen Staaten, sondern auch im Nationalstaat Türkei von allen Bergeshängen, auf Plätzen und in Hymnen, in Gedichten und Zeitungsartikeln und Verlautbarungen des Landesvaters verkündet wird.

Wir vertrauen heute dieser damals revolutionären, neuartigen, ab den Symboljahren 1789 und 1813 gut belegten, historisch gewachsenen Gleichsetzung von Boden, Volk, Staat, “Blut und Gut”, Politik und Gesellschaft mit gutem Grund nicht mehr.

Und deshalb treffen Adornos und Bassam Tibis Liebeserklärungen an die deutsche Sprache gerade heute im besten Sinne den Kern der Sache!

Linkspopulisten, Rechtspopulisten, Mittepopulisten oder überhaupt irgendwelche Isten oder Ister – wie etwa die  trotzistischen Brexiteristen – sind Tibi und Adorno dabei sicher nicht! Die heute bei den Deutschen, insbesondere bei den deutschen akademischen Jungspunden in Deutschland so weit verbreitete Missachtung und Geringschätzung der deutschen Sprache ist Tibis und Adornos Sache nicht! Bei vielen Akademikern und auch Kulturschaffenden gehört es – wie wir alle wissen – zum guten Ton, in Deutschland lieber Grotten-Englisch (Globalesisch, wie dies Jürgen Trabant nannte) zu schreiben und zu sprechen als einigermaßen verständliches Deutsch.

Der aus Frankfurt am Main in Hessen stammende Theodor W. Adorno hatte bekanntlich nach dem 2. Weltkrieg erklärt, die deutsche Sprache sei ein Hauptgrund für seine Rückkehr nach Deutschland gewesen. Der aus Damaskus in Syrien stammende Bassam Tibi wiederum erklärt soeben in einem sehr lesenswerten Interview Deutsch nach reiflicher Überlegung zu seiner Lieblingssprache. Und der hier Schreibende nutzt verschiedene Spielarten des Deutschen ebenfalls als einige seiner Lieblingssprachen. Das Bairische und das Alemannische (etwa jenes des aus dem schwäbischen Urach stammenden Cem Özdemir oder jenes eines Eduard Mörike) mit all ihren Spielarten sind unter allen Spielarten des Deutschen wiederum die eigentlichen Heimat-, Herkunfts- und Haussprachen des hier Schreibenden. Ich darf dankbar sagen: Das Bairische und das Alemannische und zunehmend auch das Fränkische gehören unter den mannigfachen Spielarten des Deutschen zu meinen Lieblingssprachen.

Genug des tiefschürfenden Nachdenkens! Beschließen wir diese morgendliche Besinnung mit ein paar wunderschönen, typisch deutschen, nur im laut schallenden,  klingenden Vortrag sich erschließenden  Versen von Eduard Mörike, dem Sohne des Horaz und einer feinen Schwäbin:

Einem Kristall gleicht meine Seele nun,
Den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen;
Zu fluten scheint mein Geist, er scheint zu ruhn,
Dem Eindruck naher Wunderkräfte offen,
Die aus dem klaren Gürtel blauer Luft
Zuletzt ein Zauberwort vor meine Sinne ruft.

 

Quellenangaben:
Eduard Mörike: An einem Wintermorgen vor Sonnenaufgang. In: Deutsche Gedichte. Herausgegeben von Hans-Joachim Simm. Insel Verlag, Frankfurt am Main, 3. Auflage 2013, S. 699-700

Andrea Seibel: “Heute sieht Göttingen aus wie ein Flüchtlingslager”. Interview mit Bassam Tibi. Die Welt, 04.07.2016 (online-Ausgabe)
http://www.welt.de/debatte/article156781355/Heute-sieht-Goettingen-aus-wie-ein-Fluechtlingslager.html

Jürgen Trabant: Globalesisch oder was? Ein Plädoyer für Europas Sprachen. C.H. Beck Verlag, München 2014

W.A. Mozart: Quartett in C. KV 465. In: Die zehn berühmten Streichquartette. Herausgegeben von Ludwig Finscher. Urtext der Neuen Mozart-Ausgabe. Violino I. Bärenreiter Verlag Kassel, 15. Auflage 2013, S. 48-55, hier bsd. S. 48 und S. 51

 

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Col fuoco dell’amare: una semana de oro (1)

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Jul 032016
 

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Reiche, goldene Ernte brachte die vergangene Woche. In leichter Abwandlung des Namens “Fuocammare” geben wir ihr heute, am ersten Tag der neuen Woche den Titel: Col fuoco dell’amare. Eingeläutet am Montag durch das Totenglöcklein für Carlo. Mein Sohn Ivan überbrachte mir die Nachricht am Vorabend des eigenen Geburtstages. Ich war nicht überrascht. Es war angekündigt von ihm selbst. Nun, … so hatte Carlo es geschafft, er hatte ein Kapitel abgeschlossen, und er betrat das nächste Kapitel, bei dem wir ihm nicht mehr zuschauen können. Was er darüber schreiben oder denken mag, werden wir nicht mehr in eine der ca. 6000 Menschensprachen übersetzen können. Nein, dort schreiben sie nicht, dort sprechen  sie von Angesicht zu Angesicht. Ora vediamo come in uno specchio, in maniera confusa, ma allora… Addio, stammi bene, Carlo! (Occhio alla lingua!) Seien wir dankbar dafür, dass wir ihn erleben durften!

Das Kunstwerk Fuocammare, das ja zu recht den Goldenen Bären, den Orso d’oro bekommen hat, sahen wir den Abend drauf. Einen kurzen tosenden Gewehrschuss entfernt vom Weltkriegsbunker, wo heute die DAV-Kletterer die unzerstörbaren Außenmauern hochklimmen, huschten tausende und abertausende Menschen vor unseren Pupillen. Im flackernden Licht der Scheinwerfer, mit klagender Stimme die letzte Position eines sinkenden Schiffes durchgebend: Hilferufe, hörende Herzen, abgehörte Zwillingsherzen, Ultraschallaufnahmen des vergehenden und des werdenden Lebens. “What is your position? Give us your position!”

“Aver aiutato queste persone ci rende felici”, die am Menschen geleistete Hilfe macht uns glücklich, so fasst es der Dr. Bartolo zusammen.  Werden alle Schiffbrüchigen von Lampedusa überleben? Nein, aber einige werden dank der Hilfe des Dottor Bartolo überleben, leben, besser leben. Und das ist mehr wert alles Geld und alles Gold. (Und doch: die Jungs werden weiter mit Gewehren spielen, der uralt-alte Wunsch zu herrschen über das Leben, zu töten und zu verletzen, wird nicht verschwinden.)

Mhhh…, by the way: What is your position?

Bild: Goldener Widerschein der Abendsonne. Bankgebäude in Friedrichshain-Kreuzberg, am Abend des 30. Juni 2016

 

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