Thou dost show…

 Kleine italiänische Reise  Comments Off on Thou dost show…
May 172016
 

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Thou dost show me the path of life /

In thy right hand I find joy without end.

So ungefähr ein Mikhtam von David. Die Verse drängen sich mir auf beim Hinaufschauen auf die Karspitze des Monte Azzaredo. Das plötzliche Hervorbrechen des Lichts im Hochgebirg, wenn die Sonne schon die volle Kraft aufbringt und die Strahlen endlich auch herab hier ins Schattental von Mezzoldo fließen! Schatten der Nacht, verschwinde! Ein Tag des Lichts beginnt. Und dazu gehört auch das knatternde Motorino auf der Straße! Knattere, kleines Motorino, Felsentore, brechet prasselnd auf!

Bild: Blick von Mezzoldo nach Norden auf den Monte Azzaredo (2112 m)

Zitatnachweise: The Bible, The Psalms, Ps 16,11; Ariels Gesang, in: Goethe, Faust II, Erster Akt, Anmutige Gegend, Vers 4669

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Ist das die globalesische Stadt der Zukunft?

 Systemfrage  Comments Off on Ist das die globalesische Stadt der Zukunft?
May 162016
 

20160514_130355Ist das die Stadt der Zukunft? Wir nahmen vom Domplatz aus in Mailand eine zufällig gewählte Straßenbahn. Als wir ausstiegen, ragten hoch über uns zwei Türme auf. Der eine, der berühmte Allianz-Tower, von berühmten Architekten geschaffen für mehr als 500 Millionen Euro. Daneben schraubt sich kühn, konstruktivistisch, himmelstürmend der nächste Turm hoch in die Lüfte. Wer ist höher, Allianz oder Generali? Der Wettbewerb ist eröffnet.

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Höher, größer, teurer, berühmter, himmelstürmender, globalesischer, das ist das Italien der Zukunft. Mögen die Geigenbauer in Cremona ächzen und stöhnen, mögen die Almbauern zuhauf ihre Betriebe aufgeben, mögen den Hotelbetreibern im Tal des Brembo graue Haare wachsen. Geld Geld Geld ist da in Hülle und Fülle für die Glitzerfassaden der Versicherungen und Banken. Cremona sta un po’ morendo, la val Brembana sta morendo pure, die italienische Provinz, das Rückgrat der großen Kultur Italiens wird entvölkert, ausgesogen. Die kleinen und mittelständischen Betriebe, das Handwerk Italiens kämpfen um die nackte Existenz.  Die wenigen globalesischen  Wasserköpfe Italiens wachsen und wachsen. Milliarden Euro regnen auf diese Pilze des Kapitals herab! Das ist eine Welt!

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Die etwas andere Logik

 Am Samariterbrunnen  Comments Off on Die etwas andere Logik
May 152016
 

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“Lo spirito divino c’è in ogni uomo.” Auf einer Wanderung durch das Brembana-Tal schneiten wir in die Pfarrkirche von Olmo al Brembo hinein. Thema der Predigt zu Pfingsten, aus der dieser Satz stammt: Was ist das Größte, was hält uns zusammen? Das Geld, der Euro, die EZB, die Logik des Kapitals?

Es scheint etwas Größeres als die Logik des Kapitals zu geben. La logica dell’amore per l’uomo, die Logik der Liebe zum Menschen, so möchte ich glauben. Nicht das Geld verdient Hingabe, Verehrung, Achtgabe, sondern der Mensch. Dieser hier, der nächste, so möchte ich annehmen.

Bilder: oben ein Hinweis auf das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter, Lukas 10,25-37. Gesehen an der Pfarrkirche St. Martin in Piazza Brembana. Unten ein Blick von der Pfarrkirche St. Anton in Olmo al Brembo in Richtung auf die Berge  Monte Saetta (1597 m) und Corna Rossa (1319 m)20160515_111528

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“Ist das wirklich so?” oder “Glaubst du das wirklich?”

 Wittenberg  Comments Off on “Ist das wirklich so?” oder “Glaubst du das wirklich?”
May 112016
 

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“Heute haben wir es mit einer Form des Kapitalismus zu tun, der zum ersten Mal in der Geschichte kein Außen mehr hat, weder in der Weltgesellschaft noch im Inneren der sozialen Zusammenhänge. Die Kapitallogik dringt buchstäblich in alle Poren des menschlichen Lebens ein;  das Sprach- und Symbolspektrum rankt sich um wirtschaftliches Handeln, obwohl wir den Traum der Beseitigung der Mangelökonomie längst ausgeträumt haben.”

Das sind sehr markante Sätze, getragen vom Pathos des Leidens an den Verhältnissen, so wie sie nun einmal sind oder zu sein scheinen!

Wer mag diese wuchtigen Sätze im Januar 2004 zu Hannover in den Boden gerammt oder vielmehr auf das Papier gestochen haben? Sind oder waren wir Menschen damals, im Januar 2004, sind wir heute, im Mai 2016, wirklich alle, alle nur ein bloßes Anhängsel der Warenproduktion, eine verzichtbare Zutat zu seiner überragenden Majestät, dem Kapital? Oder können wir uns entscheiden, nicht mehr mitzuspielen?

Der Mensch – ein Anhängsel des Kapitals? Ist das wirklich so? Glaubst du das denn wirklich, mein lieber Freund? Teilst du diese Ansicht? Ist dem wirklich so?

Meine höchstpersönliche Meinung — ich mag mich irren, dennoch sage ich: Nein, ich teile diese Ansicht nicht. Ich glaube schlechterdings nicht, dass die Kapitallogik in alle Poren des menschlichen Lebens eindringt. Auch im Januar 2004 war dies nicht so. Und im November 1837, als Karl Marx einen langen Brief an seinen Vater schrieb, war es ebenfalls nicht so. Ich halte diesen Glauben Oskar Negts an die absolute Majestät des Kapitals für eine irrige Ansicht. Oskar Negts tiefer Glaube, seine felsenfeste Überzeugung von der alle Poren durchdringenden Macht des Kapitals entspricht auch in unseren Zeiten von ESM, EZB, Maastricht-Kriterien, Basel III, OMT und Targetsalden nicht meinem Glauben.

Wichtiger als die Logik des Kapitals ist, so glaube ich, der Glaube an etwas anderes.

Was denn? Doch nicht etwa das, jenes Gefühl, das Karl Marx am 10. November 1837 in Berlin als ewig wirkende Kraft gegenüber seinem Vater bekannte?

Darüber wollen wir demnächst nachdenken! Vorerst rate ich Dir und bitte ich Dich, das schmale Bändchen mit dem Frühschriften von Karl Marx von der ersten bis zur letzten Seite sorgfältig durchzuarbeiten.

Zitatnachweis:

Oskar Negt: Zum Geleit, in: Karl Marx: Die Frühschriften. Herausgegeben von Siegfried Landshut. 7. Auflage. Neu eingerichtet von Oliver Heins und Richard Sperl. Geleitwort von Oskar Negt. Stuttgart: Kröner 2004 [Kröners Taschenausgabe; Band 209] S. 7-19, hier bsd. S. 18-19

Karl Marx’ Brief an seinen Vater vom 10. November 1837, in: Karl Marx: Die Frühschriften. Herausgegeben von Siegfried Landshut. 7. Auflage. Neu eingerichtet von Oliver Heins und Richard Sperl. Geleitwort von Oskar Negt. Stuttgart: Kröner 2004 [Kröners Taschenausgabe; Band 209] S. 69-79, hier bsd. S. 79

Bild:
Ein Baum in einem Rapsfeld in den Coswiger Elbauen bei Lutherstadt Wittenberg. Aufnahme vom Vatertag, 5. Mai 2016

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ἀγάπη. Achthabe. Eine deutende Verteutschung

 Europäisches Lesebuch  Comments Off on ἀγάπη. Achthabe. Eine deutende Verteutschung
May 092016
 

Ἐὰν ταῖς γλώσσαις τῶν ἀνθρώπων λαλῶ καὶ τῶν ἀγγέλων, ἀγάπην δὲ μὴ ἔχω, γέγονα χαλκὸς ἠχῶν ἢ κύμβαλον ἀλαλάζον …

Achtgabe, Achthabe, so meinen wir das Wort ἀγάπη (Agape) im griechisch verfassten Hohenlied der Liebe (1. Kor 13) am lautähnlichsten und am sinnesähnlichsten aus dem Griechischen ins Deutsche verdolmetschen zu dürfen.

Es ist ja eine Habe, denn Paulus verknüpft Agape ausdrücklich und mehrfach mit dem griechischen Wort ἔχω (echo)  – also haben. Sie, die Agape, ist aber auch eine Gabe, denn Paulus spricht in diesem Zusammenhang – sowohl vor wie nach dem 13. Kapitel – von den Gaben, die es einzusetzen gelte. Gaben, die sich nicht erzwingen lassen. Sie, diese Habe, ist gewissermaßen ein Echo der Gabe, die man nicht aus sich selbst hat, sondern von dem Anderen empfängt. Sie ist wie eine stehende Acht, deren Kurven sich ineinander verschlingen. In der Mathematik wiederum ist die ruhende, die liegende Acht das Zeichen der Unendlichkeit.

Aus diesem Grunde sagt Paulus dieser Habe, also dieser Gabe die Unendlichkeit im zeitlichen Verlauf zu. Sie, die Achtgabe und die Achthabe überdauert alles. Sie ist größer als alles andere.

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Wohin mit dem Haß?

 Angst, Musik  Comments Off on Wohin mit dem Haß?
May 012016
 

“Wenn in der Musik die Gefühle der Liebe, der Rache oder des Hasses geschildert werden, ist es doch so, als ob wir sie im Spiegel sehen könnten. Wenn man die Matthäuspassion von Bach hört, erlebt man alle möglichen Gefühle und Gedanken, Angst, Freude, Dankbarkeit, Liebe, Vertrauen, Haß, als habe man sie selbst empfunden.

Ja, es ist wie bei einer Impfung. Wenn man geimpft wird, hat man die Krankheit. Diese Geschichte eines einzelnen Menschen symbolisiert die Geschichte der ganzen Menschheit. Das war sozusagen der Rahmen, in dem jeder sich wiederfinden konnte. Heute gibt es solche Rahmen für die ganze Menschheit nicht. Und damit meine ich nicht, daß alle Menschen Christen werden sollten.”

Einige höchst beachtliche Aussagen Yehudi Menuhins! Er schreibt der Musik die Fähigkeit zu, die tiefsten Gefühle und Leidenschaften des Menschen aufzuwühlen. Jedoch traut er ihr nicht zu, die dunklen unerwünschten Gefühle wie etwa Angst oder Haß auszujäten und den Menschen gewissermaßen zu läutern. Nicht der Haß verschwindet, wenn man etwa den Haß der Menschen auf dem Menschen nachempfinden lernt,  sondern  der Umgang mit dem Haß ändert sich! Der Umgang mit dem Gehassten wandelt sich! Menuhin hat erkannt: Der Haß lässt sich nicht niederringen oder ausrotten, schon gar nicht durch den Haß. Auch Musiker können und dürfen hassen.

Das wiederum, so meine ich, steht ganz in der Nachfolge Jesu. Denn auch Jesus hat ja niemals verlangt, alle Feindschaft, allen Haß zu leugnen oder gar aufzugeben. Er kannte zweifellos Haß und Angst aus eigener Erfahrung mit dem eigenen Selbst. Der Haß steigt ja gewissermaßen immer wieder aus dem Inneren des Menschen hervor, er ist nicht in den Verhältnissen begründet, sondern er gehört zur Grundausstattung des Menschen. So wird niemals von Christus verlangt, man dürfe nicht hassen oder müsse alle Menschen zu Freunden oder zu Nächsten machen. Auch Moses hat eine derartige Generalsanierung des seelischen Gebäudes des Menschen nicht verlangt. Sehr realistisch, sehr modern, möchte man sagen, was die beiden Herren da erwarten oder erbitten. Nicht Eiapopeia ist angesagt – “mip mip mip, wir haben uns alle lieb”, wie es heute statt eines Gebetes bei Mahlzeitenbeginn geleiert wird –  sondern die “Feindesliebe”, ja wir dürfen sagen: die “Hassesliebe”.

Es wird, so sagen es Moses und die Jehudim, immer “Nächste” und “Feinde” geben. Die Einheit von Feindesliebe und Nächstenliebe, das ist das eigentliche Geheimnis.

Quelle:

“Mein Auftritt in Berlin war ein musikalischer Ritterschlag.” Yehudi Menuhin im Gespräch mit Kläre Warnecke. DIE WELT, April 1988 (genauer Tag nicht feststellbar)

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“Jüdischer Bolschewismus”?

 Deutschland, Russland  Comments Off on “Jüdischer Bolschewismus”?
Apr 252016
 

Eine schwere gedankliche Last stellten die folgenden drei Bücher dar, die mich in den letzten Tagen erneut beschäftigten:

Sonja Margolina: Das Ende der Lügen. Rußland und die Juden im 20. Jahrhundert. Siedler Verlag, Berlin 1992
Ulrich Herbeck: Das Feindbild vom “jüdischen Bolschewiken”. Zur Geschichte des russischen Antisemitismus vor und während der Russischen Revolution. Metropol Verlag, Berlin 2009
Johannes Rogalla von Bieberstein: “Jüdischer Bolschewismus”. Mythos und Realität. Mit einem Vorwort von Ernst Nolte. Ares Verlag, Graz 2010

Ihnen, den drei schwerlastenden Büchern, ist ein großes Thema gemeinsam, nämlich der große Anteil, den Juden (also Menschen jüdischer Abstammung) an der weltweiten marxistischen und kommunistischen Bewegung in Europa, vor allem jedoch an der bolschewistischen Bewegung in Russland  hatten, der nachweisbar besonders hohe Anteil, den Juden (also Sowjetbürger jüdischer Volkszugehörigkeit) an den militärischen und geheimpolizeilichen Terrororganisationen der jungen Sowjetunion, also an Tscheka, GPU, NKWD und Roter Armee hatten, sowie vor allem auch das daraus sich erklärende Feindbild vom “jüdischen Bolschewismus”, das ja später bei den in Polen, den baltischen Gebieten, in Weißrussland und der Ukraine begangenen verheerenden Grausamkeiten und Metzeleien gegen Juden eine so entscheidende Rolle spielte. Wie sind all diese Tatsachen und Umstände, die keiner der drei Autoren bestreitet, zu erklären?

Die Antwort auf diese und verwandte Fragen hat wiederum einen nicht unerheblichen Einfluss auf die staatlich geförderte deutsche Erinnerungskultur, die deutsche Geschichtspolitik, ja sie erstreckt sich bis in die Tabubildungen, bis in strafrechtlich relevante Meinungsäußerungen hinein, sie ist prägend geworden für die offiziöse deutsche Staatsdoktrin von der absoluten Einzigartigkeit und Unvergänglichkeit ewiger deutscher Schuld und unverzeihlicher deutscher Schande.  Hat man diese Fragen vorurteilsfrei, tapfer und unbestechlich durchgearbeitet, dann dringt man bis in die Wurzelgeflechte deutschen Selbsthasses und deutscher Unterwürfigkeit vor.

 

 

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Was sind eigentlich “Kulturchristen”, “Ramadanmuslime”, “Passportjuden”?

 Religionen  Comments Off on Was sind eigentlich “Kulturchristen”, “Ramadanmuslime”, “Passportjuden”?
Apr 252016
 

Manchmal höre ich in Diskussionen die Ausdrücke “Ramadanmuslime”, “Passportjuden”, “Kulturchristen.”

Was bedeuten diese Ausdrücke? Versuchen  wir eine  vorläufige, nicht eine wissenschaftliche Definition, so können wir sagen:

“Ramadanmuslime” sind Menschen aus muslimisch geprägten Ländern, die sich nur im Ramadan äußerlich weitgehend an die Gebote des Islam halten – etwa in Deutschland lebende Türken oder in Deutschland lebende Kurden. Der Islam ist in ihren Augen eine unbestreitbare Grundtatsache ihrer Herkunftsgeschichte – vor allem auch insofern, als die nicht muslimisch geprägten Kulturen als fremdartig, als nicht zu einem selbst gehörend erlebt werden.  Der Islam ist ein unleugbares Phänomen ihrer Herkunftsgeschichte.

“Kulturchristen” sind Menschen aus christlich geprägten Ländern, die anerkennen, dass das Christentum früher eine gewisse prägende Rolle in der Kultur ihres Landes gespielt habe oder spiele – etwa Deutsche, die zwar getauft, aber nicht gläubig sind, oder die – obwohl getauft – aus der Kirche ausgetreten sind, oder die nie einer christlichen Konfession angehört haben. Sie hören etwa in der Karwoche ein Mal pro Jahr die Matthäuspassion Johann Sebastian Bachs und lassen sich zutiefst anrühren, würden sich selbst aber nicht als Nachfolger Jesu Christi bekennen. Sie wissen meist auch, was eine “Ecce-homo-Darstellung” ist.  Das Christentum ist oder war in ihren Augen vor allem ein Phänomen der Kulturgeschichte.

“Passportjuden” sind Juden, die in atheistisch geprägten Ländern, etwa in der früheren Sowjetunion, aufgewachsen sind, die keinen lebendigen Bezug zum Gott des Judentums, zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, zur jüdischen Religion, zu jüdischem Brauchtum und Traditionen aufbauen konnten und als Bürger der ehemaligen Sowjetunion nur noch die Nationalität Jude in ihren Pässen stehen hatten. “Jude” war eben in der Sowjetunion keine Religion oder Kultur, sondern eine Volkszugehörigkeit, ein ethnisches Attribut – so wie Russe, Georgier oder Armenier. Die Sowjetunion arbeitete seit dem 1917 inszenierten  Putsch der Bolschewisten, also seit der sogenannten “Oktoberrevolution”, gezielt auf die Überwindung, Zurückdrängung, Auslöschung der Religionen hin. Religionen wie etwa Christentum, Islam oder Judentum sollten in der Öffentlichkeit und der Politik keinerlei Rolle mehr spielen dürfen. Trotzkij, der nicht verbarg, ethnisch von jüdischen Eltern abzustammen, der sich aber als “nicht-jüdischer Jude” oder als “atheistischer Jude” bekannte, ist die geradezu idealtypische Personifikation dieser Grundeinstellung.

Der Bezug der Passportjuden zum Judentum besteht heute überwiegend darin, dass sie wissen, von jüdischen Eltern abzustammen. Die Religion Israels spielt hingegen  in der Lebenspraxis fast keine Rolle. Von mehr oder minder erheblicher, oft überragender Bedeutung aber ist das Bewusstsein, von Juden abzustammen und selbst auch Jude zu sein. Aber worin nun das Judesein jenseits der Abstammung und jenseits der – meist unklaren – Zugehörigkeit zum jüdischen Volk liegt, darauf wird man meist keine klare Antwort erhalten. Die jüdische Religion, der jüdische Glaube ist in den Augen der “Passportjuden” kein Kriterium. Allerdings scheint nach der Mehrheitsmeinung  der Rabbiner das Judesein durch den erklärten  Übertritt zu einer anderen Religion, etwa zum Islam oder zum Christentum, verloren zu gehen.

Diese zugegebenermaßen unwissenschaftlichen Definitionen scheinen mir nötig zu sein, um die in Europa derzeit höchst lebhaft geführten religionspolitischen Debatten zu verstehen.

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Apr 182016
 

20160416_125453[1]… aus dem von dir vertretenen Reich?” So fragte Gottfried Benn in seinem Gedicht “Einsamer nie —“, und so fragt mancher Freizeitwerker sich.

Nun, hier kommen meine Siegsbeweise! Vorgestern habe ich unter den Fittichen der SPD Schöneberg und der BSR  an einer BSR-Platzputz-Aktion “Kehrenbürger” teilgenommen und zwei Müllsäcke in gut einer  Stunde gefüllt. Darauf bin ich stolz! Ich darf mich zusammen mit einem guten Dutzend anderer freiwillig kehrender Bürger Kehrenbürger nennen und weiterhin stolz die zur Verfügung gestellten Handschuhe tragen. So wie hier oben sah die Ebersstraße nach unserer Aktion aus!

Und so sah es vorher aus:

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Kehrenbürger ist eine gute Sache: die BSR stellt Initiativen, Verbänden, Parteien, Firmen gern ihr Wissen und ihre Werkzeuge wie etwa Kehrbesen und Müllsäcke zur Verfügung und transportiert die Jagdbeute auch ab.  Die SPD Schöneberg konnte sich erfolgreich als Ausmisterpartei darstellen, wir kreuzbraven einfachen Bürger sind froh, dass endlich mal jemand unseren Eifer abruft. Also ran, FDP, Linke, CDU, AfD, Grüne, lasst euch doch nicht von der Schöneberger SPD lumpen, werdet ebenfalls Berliner Ausmisterparteien! Ruft die Bürger zum kräftigen Schaffen auf! Der Ausmister-Wahlkampf ruft schon!

http://www.kehrenbürger.de/index.php

Unser Revier war der Park vor dem Gasometer und die Ebersstraße, und zwar von der Freifläche vor der Teltow-Schule an bis zur Herbertstraße. Das Motto Goethes lautet:
“Ein jeder kehre vor seiner eignen Tür
Und rein ist bald das Stadtquartier!”

Hier kommt unser Befund:

  1. Gehwege und Grünstreifen waren vor allem mit folgenden Müllarten übersät: Getränkepackungen aus Kunststoff und Pappe (Spitzenreiter!), sonstige Verpackungen, 1 alter Kühlschrank neben dem Bürgersteig, Bauschutt, benutzte Hygieneartikel.
  2. Statistisch stellen Zigarettenkippen die häufigste Verschmutzungsart dar. Bewohner und Passanten schnippen gleichermaßen überall in Berlin bedenkenlos zu Ende gerauchte Zigaretten auf die Straße.
  3. Hundekot stellt erstaunlicherweise in Schöneberg kein nennenswertes Problem mehr dar. Die vor wenigen Jahren eingeführte Hundekot-Beseitigungspflicht wird durch Hundehalter weitestgehend eingehalten.
  4. Ein Sonderproblem stellte der wilde Autoparkplatz am Ende der Ebersstraße direkt neben dem Hofgelände der Teltow-Schule dar. Hier fand ich immerhin etwa ein Drittel meiner gesamten Müllausbeute, darunter eine blutverschmierte Monatsbinde, Bauschutt,  einen alten Teppich. Man könnte von einer echten Mikro-Müllkippe sprechen!
  5. Besonders stark vermüllt mit Sperrmüll und Verpackungsmüll war und ist auch weiterhin die komplett umzäunte, nicht zugängliche Naturanlage längs der Gleise an der Ebersstraße.
  6. Unüberwindbare Grenzen des kehrenbürgerlichen Einsatzes sind: a) Zigarettenstummel. Die sind nicht mehr zu zählen. Händisch nicht zu schaffen! b) Der alte Kühlschrank. Er ist schlicht zu schwer. c) Bauschutt am Ende der Ebersstraße auf dem wilden Parkplatz d) Sperrmüll in der komplett umzäunten Naturfläche längs der ehemals genutzten Gleise. Hier muss man einfach sagen: Die Kräfte der einzelnen sind beschränkt. Der Bürger kann allein  nicht alles schaffen.
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Diese Fotodokumentation zeigt den Zustand vom vergangenen Samstag:
Ein Blick in das umzäunte Naturareal (unerreichbar für uns)  – die Ausbeute eines einzelnen Kehrenbürgers aus 1 Stunde – benutzte Arbeitshandschuhe – der Kühlschrank in der Ebersstraße, an dem wir uns die Zähne ausgebissen hätten und von dem wir die Hände ließen
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 Posted by at 10:25

Spinoza oder Leibniz? oder: Hat Baum 2854 eine Seele?

 Einzigartigkeiten  Comments Off on Spinoza oder Leibniz? oder: Hat Baum 2854 eine Seele?
Apr 172016
 

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“Ich glaube an den Gott Spinozas. Ich glaube nicht an einen Gott, der sich für das interessiert, was die Menschen tun oder lassen.”

So wird’s von Albert Einstein überliefert, den ein New Yorker Rabbi einst fragte, ob er an Gott glaube. Einsteins Antwort kam mir heute in den Sinn, als ich träge auf dem Berg Insulaner neben der Wilhelm-Förster-Sternwarte auf einer Holzbank im Sonnenschein lag und ruhte. Meine genaue Position: rücklings auf Holzbank, 13°21′ 11″ östliche Länge 52°27’32” nördliche Breite, 78,40 m über NN.

Und gleich neben mir der Baum Nr. 2854, noch unbelaubt. Erste Knospen hatte er aber schon vorsichtig austreiben lassen. “Vorsichtig”? Kann ein Baum vorsichtig sein? Das würde ein beseeltes, belebtes Weltbild voraussetzen. Wir meinen also, die Empfindungen eines Baumes nachfühlen zu können? Aber das ist doch unwissenschaftlich!

Dennoch, ich kam nicht umhin, dem Baum Nr. 2854 ein vorsichtiges, katzenartiges Sich-Recken und Sich-Strecken zuzuschreiben. Leibniz würde vom “Nisus” des Baumes Nr. 2854 sprechen, vom Drang aller Wesen alles einzelnen Seienden, Lebenslust und Raum zu gewinnen, von einer Art göttlichen Grundkraft, die in der gesamten Kette des Seins wirke. “Weltseele, komm uns zu durchdringen”, wird Goethe dichten.

Baruch de Spinzoza würde müde lächelnd abwinken: “Alles nur Einbildung einer beseelten Welt, o carissime Godefride Guilielme! Sese illudis figmentis imaginationis tuae! Id est humanum, nimis humanum – at maxime absurdum!

Einstein? Würde sich sein Teil dazu denken, wenn er zwischen Spinoza und Leibniz säße. Er stand wohl eher auf Seiten Spinozas. Und doch … wer weiß …? Einstein spielte doch leidenschaftlich gern Geige … ein hölzernes, beseeltes Instrument, mit einer anima,  wie der hölzerne Stimmstock auf Italienisch heißt, gemacht aus dem Holz von Bäumen … wer weiß?

Daten zur Bilddatei:

Ort: 13°21′ 11″ östliche Länge 52°27’32” nördliche Breite, 78,40 m über NN.

Zeit: 2016_04_17_ 16:35

 Posted by at 20:56