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Nur nicht lesen, immer singen! und ein jedes Blatt ist dein


taswir201120091.jpg Mit größter Bewunderung besuchte ich am 17.11. die neue Ausstellung im Martin-Gropius-Bau: taswir. islamische bildwelten und moderne. Es ist eine üppig sprießende, mit Gelehrsamkeit gesättigte, künstlerisch neue Pfade beschreitende Landschaft des Denkens und Fühlens. Auffalllend ist die karge Gegenständlichkeit! Das Ornamentale, Großflächige herrscht vor. Bei einem alten Kodex islamischen Rechts aus dem 13. Jahrhundert fühlte ich mich unwillkürlich an Seiten aus dem jüdischen Talmud erinnert, die ganz ähnlich aufgebaut sind: In der Mitte steht der kanonische Text, darum herum haben verschiedene “Hände”, also verschiedene Schreiber, ihre Deutungsversuche angefügt. So sieht das aus:

kodex17112009003.jpg

Man könnte auch an die “Worte in Freiheit”, die “parolibere” der italienischen Futuristen denken - großzügig, weiträumig über das ganze Blatt ausgeteilte Worte und Fragmente, deren Gesamtsinn sich erst in der Zusammenschau dem Auge erschließt.

Die Ausstellungsmacher haben nicht versäumt, auch unseren Heros des christlich-islamischen Dialogs, den von mir so sehr verehrten Meister Goethe, mit einem Sinnspruch zu würdigen, und zwar im Saal “Picasso und Qur’an”. Qur’an kommt ja von arabisch lesen, rufen rezitieren, so wie das Wort lehren - nach Meinung der Begleittexte aus der Ausstellung - von altdeutsch “löhren” = “laut Krach machen” kommt.

Zum guten Lehren gehört das Rufen, das Sprechen und Vernehmen.  Erst ganz spät wird Lehre und Lernen zur stummen, einsamen Beschäftigung. Ich selbst lese mir immer wieder Texte in allen Sprachen, die mir zu Gebote stehen, laut vor. So habe ich mir nach und nach über viele Jahre hinweg eine gewisse Kenntnis mindestens meiner deutschen Muttersprache durch Lärmen und Rufen erarbeitet.

Auch Hamed Abdel-Samad, der Sohn des ägyptischen Imams, berichtet, dass er vor allem durch das laute Hören und Rufen nach und nach den ganzen Koran auswendig lernte. Eine Schulung, die es ihm ermöglichte, nach und Englisch, Französisch, Deutsch und Japanisch bis zur Beherrschung zu “erlärmen”.

goethe17112009.jpg

Auch Musik ist ein Lärmen und Lehren. Heute stellte ich die vier Lieder zusammen und ließ sie den Lehrern unserer Schule mit folgendem Schreiben zukommen:

 


An das Lehrerkollegium

Fanny-Hensel-Grundschule

 

Kreuzberg, den 20.11.2009

Lieder für das Schulkonzert am 24.11.2009

Liebe Lehrerinnen und Lehrer,

wir freuen uns auf das Konzert am kommenden Dienstag.

Zu Vorbereitung habe ich Ihnen die vier von Fanny und Felix vertonten Lieder abgedruckt, die Ira Potapenko in der Lukaskirche singen wird. Da ich selbst „in alten Zeiten“ jahrelang als Lehrer gearbeitet habe, kam ich nicht umhin, Ihnen einige Vorschläge für den Einsatz im Unterricht hinzuzufügen.

Diese vier Lieder eignen sich hervorragend, um unsere Kinder mit spannenden Bildern und Rätseln zu fesseln, sie zum Erzählen, Schreiben und Malen anzuregen. Nicht zuletzt bieten sie Ansätze für das so häufig verlangte multikulturelle Arbeiten.

Bitte bedenken Sie: Goethe ist wohl derjenige Autor, der am ehesten unseren muslimisch geprägten Kindern und Eltern einen Zutritt zur deutschen Literatur ermöglichen kann. Zögern Sie nicht, aus dem reichen Schatz der Goetheschen Sprüche, Kinder- und Spottgedichte weitere Beispiele für den Deutschunterricht auszuwählen.

Für Fanny Hensel wiederum und ihren Bruder Felix war Goethe ein Fixstern. Ich wage zu behaupten: Wer Goethe nicht kennt, wird auch keinen Zugang zu Fanny Hensel und Felix finden.

 

Mit herzlichem Gruß

 

 

 


Pagenlied

Wenn die Sonne lieblich schiene

aus: „Der wandernde Musikant“

Worte von Joseph von Eichendorff

Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy

 

Wenn die Sonne lieblich schiene
Wie in Welschland lau und blau,
Ging’ ich mit der Mandoline
Durch die überglänzte Au.

In der Nacht dann Liebchen lauschte
An dem Fenster süß verwacht,
Wünschte mir und ihr, uns beiden,
Heimlich eine schöne Nacht.

Wenn die Sonne lieblich schiene
Wie in Welschland lau und blau,
Ging’ ich mit der Mandoline
Durch die überglänzte Au.

 

 

 

 

 

Aufgaben für die Kinder:

 

Was ist ein wandernder Musikant?

 

Was ist Welschland?

 

Was ist eine Mandoline? Zeichne eine!

 

Stell dir vor, Du wärest so ein wandernder Musikant! Du hättest kein Geld. Du müsstest dir dein ganzes Geld durch Musikmachen verdienen. Irgendwo im Ausland. Wie würdest du dich fühlen? Erzähle! Wohin würdest du wandern?

 

 


Suleika

von Johann Wolfgang von Goethe

aus: West-östlicher Divan

Musik von Fanny Hensel

       

Ach, um deine feuchten Schwingen,
West, wie sehr ich dich beneide!
Denn du kannst ihm Kunde bringen,
Was ich in der Trennung leide.

Die Bewegung deiner Flügel
Weckt im Busen stilles Sehnen;
Blumen, Augen, Wald und Hügel
Stehn bei deinem Hauch in Tränen.

Doch dein mildes sanftes Wehen
Kühlt die wunden Augenlider;
Ach, für Leid müßt ich vergehen,
Hofft ich nicht zu sehn ihn wieder.

Eile denn zu meinem Lieben,
Spreche sanft zu seinem Herzen,
Doch vermeid, ihn zu betrüben,
Und verbirg ihm meine Schmerzen!

Sag ihm, aber sag’s bescheiden:
Seine Liebe sei mein Leben!
Freudiges Gefühl von beiden
Wird mir seine Nähe geben.

 

Aufgaben für die Kinder:

 

Suleika ist ein arabischer Name. Was bedeutet er? Kannst du so gut Arabisch, dass du uns den Namen übersetzen kannst? Kennst du ein Mädchen oder eine Frau, die so heißt? Erzähle uns von ihr!

 

Was glaubst du: Wer singt hier? Ein Mann oder eine Frau?

 

Stell dir vor: Du spürst den Wind wehen. Was erzählt dir der Wind? Schreibe einen kleinen Brief an den Wind!


Hexenlied

von Ludwig Heinrich Christoph Hölty
Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy

Die Schwalbe fliegt,
Der Frühling siegt,
Und spendet uns Blumen zum Kranze!
Bald huschen wir
Leis’ aus der Thür,
Und fliegen zum prächtigen Tanze!

Ein schwarzer Bock,
Ein Besenstock,
Die Ofengabel, der Wocken,
Reißt uns geschwind,
Wie Blitz und Wind,
Durch sausende Lüfte zum Brocken!

Um Belzebub
Tanzt unser Trupp,
Und küsst ihm die dampfenden Hände;
Ein Geisterschwarm
Fasst uns beim Arm,
Und schwinget im Tanzen die Brände!

Und Belzebub
Verheißt dem Trupp
Der Tanzenden Gaben auf Gaben;
Sie sollen schön
In Seide gehn,
Und Töpfe voll Goldes sich graben.

Die Schwalbe fliegt,
Der Frühling siegt,
Und Blumen entblühn um die Wette!
Bald huschen wir
Leis’ aus der Thür,
Und lassen die Männer im Bette!

 

 

Aufgaben für die Kinder zum Hexenlied:

Was glaubst du: Gibt es Hexen? Wo wohnen sie? Erzähle!
Male ein Bild zu diesem Lied!
Was ist ein Wocken? Zeichne einen!
Wer ist Belzebub? Wie heißt Belzebub im Islam?

 

Schilflied

 

von Nikolaus Lenau

 

Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy

 

Auf dem Teich, dem regungslosen,
Weilt des Mondes holder Glanz,
Flechtend seine bleichen Rosen
In des Schilfes grünen Kranz.

Hirsche wandeln dort am Hügel
Blicken in die Nacht empor;
Manchmal regt sich das Geflügel
Träumerisch im tiefen Rohr.

Weinend muss mein Blick sich senken;
Durch die tiefste Seele geht
Mir ein süßes Deingedenken,
Wie ein stilles Nachtgebet.


 

 

 

 

 

 

Aufgaben für die Kinder:

Zeichne die Tiere aus diesem Gedicht.

Zeichne alle Pflanzen aus diesem Gedicht.

Wo gibt es Schilf in der Nähe unserer Schule? Zeige uns das Schilf!

Stell dir vor, du sollst einem Touristen deine Schilflandschaft zeigen. Was sagst du?

Wo gibt es einen Teich?

 

Erzähle!

War Goethe Moslem?


Zu den Liedern von Fanny Hensel, die Irina Potapenko am 24.11. vorsingen wird, gehört auch das Lied der Suleika aus Goethes West-östlichem Divan. Was muss man dazu wissen?

 

In seinen späten Jahren zeigte Goethe eine starke Sympathie für den Islam, während er zu den christlichen Kirchen lebenslang eine gewisse Zurückhaltung wahrte und manchmal offen über die “Pfaffen” ablästerte.  Das Ich des West-östlichen Divans ist eindeutig muslimisch! Goethe hatte sich in Geist und Buchstaben des Islam hineinversetzt, ja er bezeichnete sich selbst in seinen späten Briefen gelegentlich offen als “Muselmann”.

 

Ich suche gerade die Texte der Lieder für unser Konzert heraus und werde sie den Lehrern der Fanny-Hensel-Schule überreichen. Goethe wäre eigentlich ein idealer Brückenbauer zwischen den orientalischen Kulturen der Türken, der Araber, der Kurden usw. und den abendländischen Kulturen der Deutschen, Franzosen, Polen usw. Leider weiß dies kaum jemand. Oder liest man heute an den Schulen noch Goethe? Wenn nein, wäre das jammerschade. Kennen die Kinder der ersten Klassen heute noch das herrliche “Ein großer Teich war zugefroren”?

 

Welche Gedichte lernen die Kinder heute noch auswendig? Welche Lieder lernen sie noch auswendig?

 

Hier kommt das Gedicht, das Marianne von Willemer schrieb und das Goethe - ohne Nennung der Dichterin - dem West-östlichen Divan einverleibt hat. Fanny Hensel hat es vertont. Dieses Lied steht auf unserem Konzertprogramm.

 


Suleika

       

Ach, um deine feuchten Schwingen,
West, wie sehr ich dich beneide!
Denn du kannst ihm Kunde bringen,
Was ich in der Trennung leide.

Die Bewegung deiner Flügel
Weckt im Busen stilles Sehnen;
Blumen, Augen, Wald und Hügel
Stehn bei deinem Hauch in Tränen.

Doch dein mildes sanftes Wehen
Kühlt die wunden Augenlider;
Ach, für Leid müßt ich vergehen,
Hofft ich nicht zu sehn ihn wieder.

Eile denn zu meinem Lieben,
Spreche sanft zu seinem Herzen,
Doch vermeid, ihn zu betrüben,
Und verbirg ihm meine Schmerzen!

Sag ihm, aber sag’s bescheiden:
Seine Liebe sei mein Leben!
Freudiges Gefühl von beiden
Wird mir seine Nähe geben.

 

 

 

 

Wer war Antonescu? Wer war Horthy?

Kaum ein Deutscher wird mit dem Namen Antonescu etwas anfangen können, den Herta Müller auf S. 299 ihrer “Atemschaukel” nennt. Es war der faschistische Diktator Rumäniens, der den Vorläufer zu linksgerichteten Diktatoren wie etwa Ceausescu abgab. Man könnte sagen: “Alles vorbei, ziehen wir endlich einen Schluss-Strich! Fangen wir doch ganz von vorne an!”

Und doch sollten, ja müssen wir uns mit der Vergangenheit der faschistischen und der kommunistischen Diktaturen der neuen EU-Staaten befassen. In Ungarn, aber auch in den östlichen Bundesländern Deutschlands hat sich eine weit verzweigte totalitäre, rechtsradikale Ideologie gehalten. Während des Kommunismus war sie geächtet, wurde kriminalisiert. Da der Sozialismus  nach und nach jeden Kredit verspielt hatte, wurde es unter Jugendlichen schick, rechtsradikal und nationalistisch zu sein.

Der Sozialismus ging aber listigerweise in den Staaten des Ostblocks ein Bündnis mit dem nationalen Gedanken ein. Alles, was die Erinnerung an eigene Verstrickungen hätte aufrühren können, wurde totgeschwiegen. Die eigene Nation - ob nun Slowakei, Ungarn oder Rumänien - gewann unter dem Sozialismus die Unschuld zurück, indem man die dunklen Flecken verschwieg.

Die Welt, ja selbst die meisten Deutschen glauben bis zum heutigen Tage, nur die Deutschen hätten eine rassistische Vernichtungspolitik gegenüber dem Judentum betrieben. Die Shoah wird ausschließlich auf das Konto der Deutschen geschrieben. Die Deutschen akzeptieren dies willig und wissentlich - aus Unwissenheit. Und doch gab es in den Staaten Ungarn und Rumänien, im besetzten Teil Frankreichs, ja sogar im nicht besetzten Teil Frankreichs, in der Sowjetunion, in der gesamten arabischen Welt in den vierziger Jahren eine aktive, eine keinesfalls erzwungene, sondern aktiv betriebene Verfolgungs- und Entrechtungspolitik gegenüber den Juden und anderen ausgegrenzten Minderheiten, etwa den nationalen Minderheiten innerhalb der eigenen Staatsgrenzen. Diese mündete dann in vielen besetzten und nicht besetzten Ländern in eine aktive Zuarbeit, eine wissentliche Unterstützung der verbrecherischen Ausrottungspolitik der deutschen Nationalsozialisten. Kaum ein Land hat diese Vergangenheit bisher offen zu bewältigen gewagt. Es ist viel einfacher, viel bequemer, die alleinige Schuld an der Katastrophe des Holocaust den Deutschen und nur den Deutschen, am besten nur den Westdeutschen anzulasten!

Dem war nicht so. Darüber gilt es zu reden, sonst kommen die Gespenster der Vergangenheit wieder zurück.

Der ungarische Historiker Paul Lendvai schreibt heute in der Morgenpost:

Antisemitismus - In Ungarn müssen sich Juden wieder fürchten - Kultur - Berliner Morgenpost
In einem bemerkenswerten Aufsatz betont der bedeutende ungarische Schriftsteller Ivan Sandor die Gefahr der verspäteten Distanzierung der Rechten von den Rechtsradikalen: Statt der “verschönten Scheinvergangenheit” müsse man deutlich aussprechen, dass vom Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie und nach dem schrecklichen Zwischenspiel der kurzweiligen “Räterepublik” 1919 mit rotem und anschließendem weißem Terror alle rechtsgerichteten ungarischen Regierungen den Weg zum verhängnisvollen Bündnis mit Hitler-Deutschland und damit auch zum ungarischen Holocaust geebnet haben.
Tragödie des Judentums ist Tragödie des Ungartums

Der ungarische Historiker György Ranki hat darauf hingewiesen, dass sich die Juden nirgendwo in Osteuropa mehr mit einer Nation identifiziert haben wie in Ungarn. Deshalb war die Tragödie des Judentums auch eine Tragödie des Ungartums.

Drei Judengesetze1938-1941 zerstörten die Existenz von Hunderttausenden Menschen, und nach dem Einmarsch der Deutschen am 19. März 1944 lief die “Endlösung” auf Hochtouren. Unter Aufsicht Adolf Eichmanns und seiner Schergen hat die ungarische Polizei in knapp sieben Wochen 437.402 Juden in 147 Zügen nach Auschwitz deportiert. Insgesamt 564.000 ungarische Juden wurden, zum Teil auf den Straßen von Budapest, umgebracht. Heute leben schätzungsweise nur noch 80.000 bis 100.000 Juden in Ungarn, überwiegend in Budapest.

Fanny und Felix bei Lukas aus Syrien


Unser nächstes Konzert findet in der St.-Lukas-Kirche statt. Der heilige Lukas stammt der Überlieferung nach aus Antiochia im damaligen Syrien - also aus dem heutigen Antakya in der heutigen Türkei. Wie gut trifft es sich, dass die meisten Kinder unserer Schule aus der Türkei und aus Libanon stammen - dem antiken Syrien! Wenn sie die Lukaskirche besuchen, ist es also eine Art Heimkehr zu den Wurzeln ihrer kulturellen Überlieferung, die weit hinter den Islam zurückreichen.

Folgende Einladung habe ich soeben gebosselt:

 

Eltern der Fanny-Hensel-Grundschule laden ein:

 

 

Das geheimnisvolle Band

 

Fanny Hensel und ihr Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy

 

Konzert mit Werken von Fanny Hensel, Felix Mendelssohn Bartholdy, Mozart und anderen

 

St. Lukas-Kirche

Bernburger Str. 3-5

Berlin-Kreuzberg

 

Dienstag, 24. November 2009, 10.00 Uhr vormittags

 

Es spielen Kinder im Alter ab 4 Jahren

 

sowie:

Irina Potapenko, Alt

Johannes Hampel, Violine

Natalia Christoph, Klavier

Lala Isakowa, Klavier

 

 

Eintritt frei

“Ihr Wichtelmänner!” Macht 1000 Euro! Wegen Beleidigung der Grenztruppen … ?

Noch gut erinnere ich mich an das ungute Gefühl, das mich immer wieder beim Passieren der DDR-Grenzanlagen beschlich. Dennoch behielt ich meine Gedanken über Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl bei allen Kontrollen stets für mich, legte brav meinen Ausweis vor und verhielt mich unauffällig.

Nur ein einziges Mal sind mir gegenüber den Ordnungskräften die Nerven durchgegangen: Das war, als ich bei einem “Tagesbesuchs”-Versuch aus irgendeinem Grund im Jahr 1987 komplett - einschließlich der Brieftasche - durchsucht wurde und mir dann die Einreise über die Übertrittsstelle Friedrichstraße verweigert wurde. “Warum darf ich nicht in die Hauptstadt der DDR?”, fragte ich. “Darüber geben wir keine Auskunft”, hörte ich. Ich schluckte. “Was SEID ihr doch für lächerliche Wichtelmänner!” entfuhr es mir. Ich schimpfte drauf los. Ich war so wütend! Mann! Die DDR-Grenzer ließen stoisch alles an sich abprallen. Dies empfand ich noch einmal als demütigend. Nicht einmal beleidigen konnte ich sie also. Darüber wurde ich noch wütender.

Soeben  lese ich, was die Beleidigung “Wichtelmann” nach heutigem Recht kostet: 1000 Euro! So führt es der in der Morgenpost wiedergegebene Bußgeldkatalog auf.

Ich finde das zu hart.

Was ist denn soo schlimm daran, wenn man jemanden einen Wichtelmann nennt? Wir schauen häufig im Kika die sehr schöne Verfilmung von Nils Holgersson an, jeden Tag um 19.00 Uhr. Auch Nils empfindet es als Beleidigung, wenn er als Wichtelmann bezeichnet wird. Denn er ist in Wahrheit ein verzauberter Mensch.

Oft habe ich mir gewünscht, mit jenen Grenzern zusammenzutreffen, die ich damals als “Wichtelmänner” bezeichnete. Ich würde sie fragen, wie sie das empfunden haben. Und ich würde sie wegen meiner damaligen Beleidigungen um Verzeihung bitten. Waren die Grenzer auch verzauberte Menschen?

1000 Euro werde ich aber nicht bezahlen. DAS finde ich viel zu hoch!

Lest hier den Katalog der Bußgelder in der Morgenpost:

ADAC-Bericht - Jeder zweite Radfahrer gefährdet sich und andere - Motor - Berliner Morgenpost

Mauerfall geht weiter: Sprechen über das, was gewesen ist!

dsc_7248.JPG Den Reden und Ansprachen zu 20 Jahren Mauerfall habe ich mit höchster Aufmerksamkeit gelauscht. Die Tonlage, oder die “Tonalität”, wie manche sagen, war doch recht unterschiedlich, je nachdem, aus welchem Land die Redner stammten. Spricht man mit einfachen Menschen aus dem Volk, wird man diese Beobachtung auf Schritt und Tritt bestätigt finden. Ein Russe hat nun einmal einen anderen Blickwinkel auf den Mauerfall als ein Franzose oder ein Pole. Für Franzosen stehen Ideale wie Liberté oder Solidarité im Vordergrund, für die Russen hingegen ist das Faktum der Aussöhnung zwischen den beiden Völkern, den Russen und den Deutschen, viel wichtiger: der Fall der Mauer ermöglicht endlich das, was die Russen seit jeher wünschen - nämlich eine lebendige, bewusst gepflegte Freundschaft der Länder Russland und Deutschland.  Für die Polen steht die Wiedergewinnung der nationalen Identität im Vordergrund, nachdem die als Fremdherrschaft empfundene Macht des Kommunismus gebrochen ist. Geblieben jedoch ist in Polen ein gewisses Misstrauen gegenüber der “hohen Politik”.

Wir verallgemeinern hier - aber es gibt nun einmal in allen Ländern Europas gewisse allgemeine Grundhaltungen, die auf die Mehrheit der Bevölkerung zutreffen. Zum Beispiel sind die Franzosen und die Polen und die Russen stolz auf ihr Land, die meisten Deutschen sind es nicht. Linke Deutsche sind gegen Atomkraftwerke, linke Israelis sind für Atomkraftwerke usw. usw. Die Deutschen sind eher für Umweltschutz, die Polen sind eher für Wirtschaftswachstum usw.usw. Solche Dinge sollte man wissen.

Wichtig ist es, diese allgemeinen Unterschiede wahrzunehmen. Nur so werden wir im Laufe der Jahrzehnte zu einem gemeinsamen europäischen Geschichtsbild kommen.

Das heutige Bild zeigt den hier bloggenden deutschen Unterschichtler im lockeren Geplauder mit zwei Russinnen: der Pianistin Natalia Christoph und der Sängerin Irina Potapenko. Den Hintergrund bilden Gemälde aus der Schule des Sozialistischen Realismus, derzeit zu sehen in der Galerie Jeschke van Vliet in Berlin-Mitte.

Es sind Bilder aus einer Zeit, über die wir weiterhin das Gespräch suchen müssen. Auf den Mauerfall folgen die Mauerabrissgespräche.

Mauerfall im Kleinen anpacken! (2)

mauer11112009001.jpg Der Gedenktag 9. November brachte mir eine Fülle von Offenbarungen. Die erste, die wichtigste: der Mauerfall geht weiter! Freiheit muss stets weiter erkämpft und verteidigt werden.

Das versuche ich im Klitzekleinen, in meinem winzigen Umkreis, fernab der großen, der ernsten, der richtigen Weltpolitik. Ich bin ja nur ein nichtssagender Miniaturpolitiker im klitzekleinen Kreuzberg. Ich werde dennoch mein stetes Eintreten für die gemeinsame staatliche Grundschule fortsetzen. Ich werde weiterhin dafür werben, dass die linken, die grünen, die roten, die gelben und die schwarzen Deutschen ihre Kinder zu uns Migranten, Ausländern und Unterschichtlern in die staatliche Grundschule schicken. Das ist die große Barriere, die die deutschen bildungsbewussten Eltern mit allerlei listigen Vorwänden errichtet haben. Es herrscht eine unsichtbare Mauer in unseren Unterschichtquartieren - die guten Deutschen sondern sich mit allerlei Vorwänden und Ausreden ab. Das halte ich für gefährlich. An der Abtragung der Mauer zwischen den guten deutschen Bildungsbürgern und uns Migranten und uns Unterschichtlern werde ich beharrlich weiterarbeiten. Egal ob andere Väter und Mütter  meinen Standpunkt teilen oder nicht.

Das aktuelle TIME Magazine (16. November) bringt auf S. 38 einen hellsichtigen Bericht über unsere Zukunft. Uns in Kreuzberg, Wedding, Neukölln blüht - wenn wir nichts tun - dasselbe, wie es Detroit 1967 erlebt hat: Rassenunruhen brachen aus, 43 Menschen wurden getötet - danach zogen die weißen Amerikaner fluchtartig aus den Innenstadtbezirken weg. Die Bevölkerungszahl ging um 50% zurück. 47% der Bevölkerung in den Innenstadtbezirken sind funktionale Analphabeten. Nur die katholische Jesuit High School and Academy trotzt dem Sturmwind, bildet unermüdlich weiter die Ghetto-Kids für College und Hochschule aus. 99% der Kinder verlassen die Schule mit einem Abschluss, der sie zu weiteren Studien befähigt. Ein Lichtblick!

In a city where 47% of adults are functionally illiterate and only 25% of high school freshmen make it to graduation, U of D is the chute through which bright young men can get to college. The school boasts a near perfect graduation rate and sends 99% of its graduates on to higher education.

Dem grünen Newsletter Frieke entnehme ich lachenden und weinenden Auges: Die Bezirksgrünen haben einen flammenden Antrag gegen den bösen Herrn Sarrazin in die BVV eingebracht. Sie zeihen ihn des abgefeimtesten Rassismus. Lest und genießt einen Abschnitt daraus:

Sarrazins Pöbeleien sind kein „Tabubruch“, sondern mobilisieren eine Mentalität der Ausgrenzung und die Suche nach „schuldigen Kollektiven“.

Die Folgen erleben wir vor Ort: Die Ängste und Einschüchterungen, die großen Verunsicherungen, die viele MigrantInnen empfinden und mit denen sie fertig werden müssen, tragen zur Zerstörung eines ohnehin erst langsam gewachsenen Vertrauens in die politische und alltägliche Kultur unseres Landes bei. Die Berliner Soziologin Nevim Cil hat in ihrer Studie über die „Topografie des Außenseiters“ gezeigt, wie sehr sich etwa in der Generation der in den 1980er Jahren geborenen TürkInnen ohnehin die Enttäuschungen über mangelnde Teilhabechancen und schlechte Aussichten auf Erwerbsarbeit verfestigt haben.
Infolge anhaltender Diskriminierungen misstrauischer geworden, ziehen sich viele resigniert zurück.

Na prima! Ei wie treuherzig, ei wie gutmütig! Ein Beweis, dass die Grünen mal wieder auf der richtigen Seite stehen! Es ist so leicht abzulästern! Sarrazin ist ein guter, ein vortrefflicher Sündenbock.

Aber wo sind die Kinder all derer, die auf der richtigen Seite stehen? Warum hat der grüne Bezirksbürgermeister seine Kinder nicht zu uns in die Unterschichtschule geschickt? Warum schicken die schicken Bezirkspolitiker ihre Kinder nicht zu uns Unterschichtlern?

Heute habe ich mit einigen Musikern ein Konzert für unsere Unterschichtschule vereinbart. Es findet statt am  24.11.2009 um 10 Uhr in der St.-Lukas-Kirche in Kreuzberg, einen Steinwurf von unserer Schule entfernt. Thema: Zum Geburtstag von Fanny Hensel. Darauf freue ich mich. Sehr sogar!

Der Kampf gegen die Mauern geht weiter! Venceremos!

Das Bild zeigt Reste der Berliner Mauer auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs, aufgenommen heute.

Mauerfall im Kleinen anpacken!

mauerfall.jpg Diesen großartigen Tag begann ich mit einer Feier in der Fanny-Hensel-Grundschule. Eine Baumpflanzung war genau für den heutigen Tag angesetzt. Die Bürgerstiftung Berlin und der Sponsor Boeing hatten Hand in Hand mit der Schule gearbeitet. Ein Feldahorn wurde eingesetzt. Ein Modell der Berliner Mauer war aus Kartons nachgebaut.

Zuvor gab es Musik und Ansprachen. Mein Sohn spielte das Hirtenlied von Mozart. Ich sprach mit Lehrern, Sponsoren und Schülern. Ich war stolz auf die Schule. An dieser Schule wirken alle zusammen, um die neue Gesellschaft Deutschlands wachsen zu lassen.

In wenigen Augenblicken werden die Dominosteine am Brandenburger Tor stürzen. Mit dabei: Ein Stein, den die Kinder der Fanny-Hensel-Grundschule bemalt haben!

Ich freue mich sehr!

Radelnder Bürgermeister Londons kämpft für mehr Innere Sicherheit

 blucherstrase.jpg Unser Bild zeigt einen herrlichen neu asphaltierten Radweg in der Kreuzberger Blücherstraße: breit, eben, deutlich abgesetzt vom Fußweg. Toll!

Der Radverkehr verbessert das Zusammenleben in den Großstädten. Da man sich nicht in den Autos, den fahrenden Blechgehäusen verbarrikadiert, entsteht jene spezifische Nähe, die seit Jahrtausenden den Zauber der Stadt begründet. Die Anonymität wird verringert, die Menschen fühlen sich sicherer. So leistet also der Radverkehr auch einen Beitrag zu mehr subjektiver Sicherheit auf den Straßen, zu einem urbaneren Gemeinschaftsleben. Ganz abgesehen davon, dass die objektive Unfallgefahr mit jedem nichtgefahrenen Autokilometer abnimmt. Jeder Verzicht auf den PKW erhöht die Sicherheit der Bürger! Denn Jahr für Jahr sterben weit mehr Menschen durch den PKW-Verkehr als durch Mord oder Totschlag.

Jede Partei, die sich das Thema Innere Sicherheit auf die Fahnen schreibt, muss für eine Stärkung des Radverkehrs eintreten.

Schon seit vielen Monaten begleiten wir mit Sympathie den Londoner Bürgermeister Boris Johnson. Durch sein unerschrockenes Eintreten für den Radverkehr und durch seine unangepasste wehende blonde Mähne hat er sich die Sympathien vieler Wähler errungen.  Jetzt hat er sogar - vom Dienst nachhause radelnd - drei Übeltäter, die eine Frau überfielen, in die Flucht geschlagen! Ein echter Ritter, ein Kavalier der Straße! Ob ihn die Gerettete beim nächsten Mal wählen wird? Ein häßlicher Fleck auf der weißen Weste des Ritters könnte sie daran hindern: Er ist ja kein Mitglied der Labour Party, sondern Mitglied der äußerst uncoolen Konservativen. Egal. Die Londoner müssen sich über manche Vorurteile hinwegsetzen lernen. Die Mauern der Vorurteile schmelzen dahin wie das grönländische Gletschereis im Treibhauseffekt. Dies zu sagen, muss am 20. Jahrestag des Mauerfalls erlaubt sein.

Le Figaro - International : La nuit où le maire de Londres est devenu un héros
Son appel à l’aide est entendu par un cycliste qui passe par là : le maire de Londres. Plus connu pour sa tignasse blonde, ses tenues débraillées et ses nombreuses gaffes que pour ses talents de pugiliste, Boris Johnson n’hésite pas une seconde. Il fonce sur les trois assaillantes, se saisit de la barre en fer qu’elles ont lâchée et, profitant de sa stature imposante, les met rapidement en fuite avant de les poursuivre sur son vélo. Puis, fort galamment, il revient sur le lieu de l’agression pour raccompagner la jeune femme chez elle. Boris Johnson «a été pour moi un chevalier servant sur son vélo étincelant », a raconté le lendemain Franny Armstrong.

“Bedienung! Bitte zahlen Sie!”

Gerne lese ich immer wieder ausgewählte Abschnitte aus dem Schatzkästlein der deutschen Literatur. Heute z.B. das erste Kapitel aus Gottfried Kellers “Grünem Heinrich”. In dem Abschiedsgespräch zwischen Heinrich Lee und seiner Mutter springen mich geradezu modellhaft das Anspruchsdenken der nachwachsenden und das Tüchtigkeitsdenken der älteren Generation an. Wir hören die Mutter:

“Und daß du mir nur das Weißzeug und dergleichen mehr estimierst als bisher und nichts verzettelst! Denn bedenke, daß du von nun an für jedes Fetzchen, das dir abgeht, bares Geld in die Hand nehmen mußt und es doch nicht so gut bekömmst als ich es verfertigt habe.”

Dem erwidert der Sohn: “Wenn man in der Fremde ist und sich eine ordentliche Wohnung mieten muß, so bekommt man die Bedienung mit in den Kauf.”

Hier höre ich die Stimme der heutigen Anspruchsdenker heraus: “Bedienung! Bitte zahlen Sie! Alles zusammen!”.

Eine wahre Orgie von Anspruchsdenken brach in den letzten Tagen aus Anlass des abgesagten Magna-Deals über Deutschland herein. Ministerpräsidenten, Gewerkschafter, Politiker aller Parteien überboten sich in Äußerungen ihrer Empörung über die Entscheidung des amerikanischen Mutterunternehmens, den durch die deutsche Politik mühsam eingefädelten Vertrag über eine Beteiligung des Autozulieferers Magna zu zerreißen.  In die Wut darüber, dass die deutsche Politik sich an der Nase hat herumführen lassen, mischt sich eine geradezu kindische Trotzreaktion führender Politiker: “Das dürft ihr uns nicht antun! Wir haben einen Anspruch darauf, dass …! Wir erwarten, dass …” Rütli-Schwüre der Geschlossenheit werden feierlich abgelegt. “Wir lassen uns von den treulosen amerikanischen Unternehmern nicht auseinanderdividieren!”

Man lese doch die Presse über die überbordenden Reaktionen der Ministerpräsidenten und des neuen Bundeswirtschaftsministers! Zum Beispiel den folgenden, Spiegel online entnommenen Abschnitt:

“Wir haben vereinbart, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen gemeinsam alles tun wollen, um die Arbeitsplätze zu erhalten und die Standorte zu stabilisieren”, so Rüttgers, in dessen Bundesland das Opel-Werk in Bochum liegt. GM müsse schnell ein Konzept vorlegen, sonst sei Hilfe nicht möglich. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte: “Wir sind uns einig, dass GM jetzt liefern muss.”

Man wird erkennen: Die führende politische Klasse Deutschlands - also die neue Bundesregierung und die amtierenden Minsterpräsidenten der vier betroffenen Bundesländer -  bedienen weiterhin die Erwartung der Söhne und Töchter des Volkes, die Konzernmutter und die mütterlich-fürsorgliche Regierung müsse es ihnen schon recht machen. Eine verhängnisvolle Fehlentwicklung, wie ich meine! Ein wechselseitig sich verstärkendes, geradezu wahnhaftes Gespinst aus Ansprüchen, Erwartungen, bitteren Enttäuschungen an der Realität und geradezu verschwörerischer Beibehaltung der fürsorglichen Belagerung des weltumspannenden GM-Konzerns. Götzenhaft wird die Formel “Wir sind alle Opel” auf die Fahnen geschrieben. Grundsätze wie Eigenverantwortung, Freiheit, Selbstbestimmung bleiben auf der Strecke.

Das Wort “Freiheit”, dieser 500-Euro-Schein der großen Reden, harrt weiterhin der Umsetzung in die kleine klingende Münze der politischen Alltagspraxis. Freiheit bedeutet selbstverständlich auch Freiheit zum Scheitern! Ich bin fest überzeugt: Die Politik darf sich niemals vermessen, den Bürgern und auch den Firmen die Erfahrung des Scheiterns und der Erfolglosigkeit ersparen zu wollen.

Die neue Bundesregierung, die ausweislich des Koalitionsvertrages leider erneut Wohlstandserhaltung als das zentrale Motiv staatlichen Handelns festgeschrieben hat, täuscht sich offenkundig in dem, was eine Regierung von den Unternehmen erwarten und verlangen darf, was sie den Bürgern zumuten und versprechen darf.

Ich meine: Die Regierungen müssen sich grundsätzlich - von ganz wenigen handverlesenen Ausnahmen abgesehen, zu denen Opel sicher nicht gehört - aus dem Wohl und Wehe einzelner Unternehmen heraushalten. Sonst entsteht eine ungesunde Verquickung aus wirtschaftlichen Teilinteressen, Wahlinteressen der Politiker und Anspruchshaltungen der Bürger. Es sei warnend daran erinnert, dass in Italien in den 80er Jahren der Staat, also die Politiker, direkt ein Drittel der Volkswirtschaft kontrollierte! Mit verheerenden Folgen, mit blühender Korruption, Kriminalität und Klientelwirtschaft.

Zitat aus Spiegel online:
Falls öffentliche Mittel fließen, sollte die Politik über einen stärkeren staatlichen Einfluss nachdenken: “Wenn der Staat Hilfen gewährt, wäre er gut beraten, als Gegenleistung Mitsprache in dem neuen Opel-Konzern zu verlangen”, sagte Huber dem Bericht zufolge.

Die Politiker aus Bund und Ländern sollten nunmehr die eigenen kapitalen Fehler, die eigenen folgenschweren Missgriffe offen eingestehen und nicht noch unser schlechtes Geld unserem guten Geld hinterherwerfen.

Es wird irgendwann einmal niemanden geben, der uns bedient, außer vielleicht unseren Enkeln und deren Kindern.

Leseempfehlung:
Gottfried Keller: Der grüne Heinrich. Roman. Erster Band, erstes Kapitel. Wilhelm Goldmann Verlag, München 1982, hier S. 17