Feb 242018
 

Zwei Mal besuchte ich in den vergangenen Wochen die Ausstellung „1917. Revolution. Russland und Europa“, welche im Deutschen Historischen Museum zu Berlin noch bis zum 15. April 2018 ihre Tore geöffnet hält. Der Besuch dieser Ausstellung ist wärmstens zu empfehlen, zeigt er doch die ungebrochene Macht der Bilder, mit denen die Bolschewiki ihre Oktoberrevolution in Szene setzten. Durch eine höchst geschickte Auswahl der Objekte, durch subtile Blickführung, durch behutsam angefügte Kommentare, vor allem aber durch eine meisterhafte Bildregie verstehen es die Ausstellungsmacher, im unvoreingenommenen Betrachter Anteilnahme, Sympathie, ja Begeisterung für die Bolschewiki und ihren Menschheitstraum der klassenlosen Gesellschaft zu erzeugen.

Als überragendes Mittel der Bildsteuerung erweist sich die Entscheidung der Ausstellungsmacher, die Bolschewiki stets als Handelnde, als Schaffende, als gute treibende Kraft der Weltgeschichte darzustellen. Die andere Seite dagegen, also die Gegenspieler der Bolschewiki, werden vor allem durch ihre Opfer gezeigt. Diese Gegner der Bolschewiki sind – ausweislich der Bilder – Faschisten, Antisemiten, böse Kapitalistenknechte, üble Gesellen voller Menschenhass.

Wenn man sich ganz den vielen schönen und bunten Bildern der Revolution und der Sowjetunion hingibt und das Vorwissen, das man vielleicht miitbringt, beiseite legt, verlässt man die Ausstellung mit der fast rhetorisch zu nennenden Frage: „Ja, haben die Bolschewiki denn auch nur einer Fliege ein Haar gekrümmt? Ist denn auch nur ein einziger Mensch durch die Oktoberrevolution zu Schaden gekommen? Sollte dies so sein, dann ist hier zumindest nichts davon zu sehen!“

Ich habe gestern noch einmal einen Rundgang durch die Ausstellung gemacht und musste erstaunt feststellen, was mir schon beim ersten Mal aufgefallen war: alle Opfer, alle Leichen, alle Leichenberge, die in dieser Schau auf Fotos oder als Kunstwerk gezeigt werden, sind der Gegenseite, also den Feinden der Bolschewiki zum Opfer gefallen. Erschossen, ermordet oder hingerichtet durch die zarische Polizei, zum Beispiel hingemetzelt während der Demonstration beim Petersburger Blutsonntag (09.01.1905). Es sind die Terroropfer der „Weißen“ oder auch etwa Gustav Noskes, des Bluthundes von der SPD, gezeigt in der Zeichnung Conrad Felixmüllers aus dem Jahr 1919 sowie auch im Gemälde Max Pechsteins „Beerdigung der Revolutionsopfer“ von 1919.

„Irgendwelche Zweifel, Fragen nach den Fakten?“ Nein, die Kommunisten haben niemanden belästigt, niemanden umgebracht, niemanden vertrieben, zumindest nach den Bildern und Objekten der Ausstellung zu urteilen.

Das DHM erweist sich als idealer Spielboden und Theaterbühne für diese weltgeschichtliche Inszenierung; als überragenden Hauptdarsteller setzt das Museum unter den Linden Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt LENIN in Szene. Ihm huldigt sie uneingeschränkt, ihn bejubelt diese Ausstellung kritiklos mit fünf großen Kunstwerken und vielen Fotos, die von den Ausstellungsmachern monumental und theatralisch vorgeführt werden:

– das Lenin-Denkmal Matwej G. Manisers aus dem Jahr 1925, das den Betrachter bereits in der Vorhalle des DHM gefangen nimmt
– das riesige Monumentalgemälde „Feierliche Eröffnung des II. Kongresses der Komintern“ von Isaak Brodski, das Lenin herrscherlich am 19. Juli 1920 bei der Rede zeigt, in der er die berühmten Worte sprach: „Jawohl, die Sowjettruppen stehen in Warschau! Bald werden wir Deutschland haben!“
– das monumentale Porträt Isaak Brodskis „Großer Oktober“, das Lenin als zukünftigen, leicht skeptischen Weltherrscher vor dem Smolny zeigt
– ein Foto: „Eine Arbeiterfamilie richtet ihre neue Wohnung ein“ (Moskau 1927). Ein Porträt LENINS wird an die Stelle gehängt, wo traditionell Ikonen hingen
– Georg Baselitz: Lenin on the Tribune, ein Bild aus dem Jahr 1999, das Lenin überlebensgroß – wenngleich umgekehrt – auf der Tribüne zeigt
– und schließlich die 2007 entstandene riesige Plastik „Hero, Leader, God“ von Alexander S. Kosolapov, wo Lenin zusammen mit Mickey Mouse und einem christlichen Heiligen verherrlicht wird.

Diese beiden Kunstwerke stehen als machtvolle Schlussakkorde am Ende des Rundgangs. Sie entlassen den Betrachter mit dem Gefühl, der Kommunismus sei doch eigentlich eine gute Sache, nur habe es bisher nicht so richtig geklappt.

Bündig und knapp fasst diesen Eindruck als einziger im Video zu Wort kommender deutscher Politiker schließlich in der Vorhalle der gute Dr. Gregor Gysi in Worte. Er äußert die Hoffnung, es möge nach all den militärisch zerstörten Anläufen zum Sozialismus doch irgendwann zu einem gelingenden Versuch kommen, wo der „freie, wirklich demokratische Sozialismus“ endlich verwirklicht werden könnte.

Und somit hätte Lenin mit seiner 1920 geäußerten Zuversicht doch irgendwie recht behalten: „Bald werden wir Deutschland haben“. Nun, ganz Deutschland haben sie, die Bolschewiki nicht bekommen. Aber das Deutsche Historische Museum haben sie, die Kommunisten unter Führung des nahezu unsterblichen, nahezu vergöttlichten Lenin, mit ihren bezaubernden Bildern, hinreißenden Mythen und phantastischen Märchen zweifellos in ihre Hand bekommen.

Das DHM bietet Fake News vom feinsten. Alternative facts, hier im Deutschen Historischen Museum sind sie alle da. Schöne bunte Welt des Kommunismus! Kommt, staunt, freut euch!

Die Ausstellung ist in all ihrer parteiischen Einseitigkeit großartig. Sie ist toll. Sie beweist die überragende Macht der Bilder. Sie verdient wirklich den Besucherstrom, den sie nach meinen Beobachtungen tatsächlich anzieht. Sie hätte den hier Schreibenden fast zum Bolschewiken und zum Verehrer Lenins gemacht.

Aber auch nur fast.

Das Lenin-Zitat vom 19.07.1920 wird hier wiedergegeben nach:
Hugo Portisch: Hört die Signale. Aufstieg und Fall des Sowjetkommunismus. Mit einem Nachwort zur Taschenbuchausgabe. Mit zahlreichen Schwarzweißfotos. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1993, Seite 151, dazu das entsprechende Foto auf S. 152-154

Objekte hier zitiert nach den Angaben in:
1917. Revolution. Russland und Europa. Katalog. Herausgegeben von Julia Franke, Kristiane Janeke und Arnulf Scriba für das Deutsche Historische Museum. Sandstein Verlag, Dresden 2017

Bild: auch ein großer Mann der Weltgeschichte: die kolossale Statue von Friedrich Engels in Moskau, ul. Prechistenka, eigene Aufnahme des Verfassers vom 07.01.2018

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Feb 162018
 


23. 4. 81 – Palazzo vecchio, Firenze: Lettura su Dante.

Diesen handschriftlichen Eintrag entdecke ich in schwarzer Tinte in meinem reichlich mitgenommenen Exemplar der Commedia des Dante Alighieri. Soeben fand ich das schmucklose Taschenbuch in meinem Billy-Regal. Dante begleitet mich als lo duca mio seit Jugendjahren, genauer: seit ein Lateinlehrer irgendwann uns Buben in der neunten Klasse einfach so die Anfangsverse der Commedia rezitierte. Ich verstand kein Wort, aber ich verstand den Klang, ich verstand instinktiv die Sprachmusik Dantes, ich verstand: das ist Poesie.

Bei meiner ersten Fahrt nach Florenz im Jahr 1981 besuchte ich meine erste Lectura Dantis, erneut verstand ich wenig. Aber ich verstand: Das ist Philologie! Nur durch den öffentlichen Vortrag, die öffentliche Erläuterung eines solchen überragenden Werkes kann sich seine ungeheure Lebendigkeit erweisen.

Genug der Erinnerungen, zurück zu den drängenden Fragen der Jetztzeit! Der Theologe Eckhard Nordhofen wirft 2 Jahrtausenden Übersetzungsgeschichte vor, fast die gesamte Christenheit bete heute das Vaterunser mit einem eingebauten kapitalen Übersetzungsfehler. Die Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ sei falsch und widersinnig übersetzt. Es gehe gerade nicht um das gerade biologisch Lebensnotwendige, sondern um das im höheren Sinne Notwendige, das Hinzukommende, das Überwesentliche, das vom Himmel Fallende – das himmlische Brot: panis supersubstantialis. Die amtlichen Übersetzungen des Vaterunser in den unterschiedlichsten Sprachen (deren einige wir überprüft haben, darunter Russisch) seien grundfalsch. Eine taugliche Übersetzung dürfe nicht „unser tägliches Brot“, sondern müsse in etwa „unser überwesentliches, unser himmlisches Brot“ lauten.

Andere heutige Theologen und Bibelausleger wiederum – genannt seien hier Gianfranco Ravasi und Joseph Ratzinger – beharren in guter Kenntnis des textkritischen Befundes seit längerem darauf, das „tägliche Brot“ meine zunächst einmal das unmittelbare Lebenstaugliche, allenfalls sekundär mit hineingelegt und mitgedacht auch etwas hohes Hinzutretendes, ein „Epiphänomen“ der Gnade also.

Was hätte wohl Dante zu dem seit Jahrhunderten schwelenden brandaktuellen Zwist gesagt?

Bei seiner öffentlichen Lectura Dantis in Hamburg wies uns am vergangenen Dienstag der Schauspieler, Essayist und Philosoph Franco Ricordi darauf hin, Dante habe die vierte Bitte des Vaterunser eigenwillig übersetzt.

Wie? Nun, lesen wir zunächst noch einmal das griechische Original:

τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον

Dante gibt nun in seiner Umschreibung des Vaterunser in Purgatorio XI,13 diesen Vers Mt 6,11 so wieder:

Dà oggi a noi la cotidiana manna –

also zu deutsch etwa:
Gib heute uns das tägliche Manna

oder als stumpf schließender Endecasillabo con uscita tronca, das heißt mit 10 metrischen Silben:

Gib heute uns das täglich Himmelsbrot

Dante kommt damit dem Übersetzungsvorschlag Nordhofens, das ἄρτον ἐπιούσιον als himmlisches Brot zu übersetzen, erstaunlich nahe. Oder besser: Nordhofen kommt dem Übersetzungsvorschlag Dantes erstaunlich nahe.

Der Befund ist klar: Nicht die ganze Christenheit irrte! Dante hat wie einige andere seiner Zeitgenossen auch mit unerhört kühnem Ausgriff eine jahrhundertelange Übersetzungsquerele beizulegen versucht, die uns bis zu diesem Augenblick beschäftigt. Hat er es geschafft? Die Entscheidung liegt beim Du, sie liegt bei dir, o Bittender!

Ein Blick zurück in Demut ist nie verkehrt, sonst dreht man sich im Kreislauf der ewigen Wiederkehr!

Womit übrigens Dante recht behielte, wenn er sagt (Inf. XI, 13f.) :

Dà oggi a noi la cotidiana manna
sanza la qual per questo aspro deserto
a retro va chi più di gir s’affanna

Wir übersetzen abschließend Dantes drei Verse nunmehr:

Gib heute uns das täglich Himmelsbrot,
Fehlt es daran, so sehr wir uns im Kreis drehn,
Führt rückwärts uns der Weg in Wüstennot.

Dante Alighieri: La Divina Commedia. A cura di Fredi Chiappelli. Grande universale Mursia, 4a edizione, Milano 1976, p. 228-229 (Purgatorio, canto XI vv. 13-15)

Nestle-Aland: Novum testamentum graece, ed. vicesima septima, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1999, Seite 13 [Mt 6,11]

Eckhard Nordhofen: Brot. Ein hapax für jeden Tag. Merkur 72 (824), Januar 2018, S. 86-93

Joseph Ratzinger: „Unser tägliches Brot gib uns heute“, in: derselbe, Jesus von Nazareth. Erster Teil. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2007, hier besonders: S. 185-191

Gianfranco Ravasi: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“ in: derselbe, Fragen und Verstehen. 150 Antworten des Glaubens. Aus dem Italienischen von Gabriele Stein. Mit einem Geleitwort von George Augustin. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2012, S. 289-292

Bild: Die Märzensonne scheint schon wolkenverhangen im winterlichen Februar. Sie wird die Blumenzwiebeln wecken. Aufnahme aus dem Schöneberger Südgelände, 12.02.2018

 Posted by at 12:08
Feb 052018
 

τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον·

Diesen textkritisch gut gesicherten Vers 11 aus Kap. 6 des griechisch verfassten Matthäusevangeliums liest und übersetzt die russisch-orthodoxe Kirche heute so:

хлеб наш насущный дай нам на сей день

Also zu deutsch: Unser dringend nötiges Brot gib für diesen Tag. Was die morgenländischen Christen beten, das beten ähnlich auch die abendländischen Christen. Das Vaterunser weist in dem östlichen und dem westlichen Flügel der europäischen Christenheit an dieser Stelle keinen nennenswerten Unterschied auf. Ich erwähne dies ausdrücklich, weil die orthodoxe Übersetzung des Neuen Testaments gegenüber der westlichen Übersetzungstradition aus einem einfachen, unabweisbaren Grund höhere Dignität beanspruchen kann als die römische Tradition: Kyrill und Method übersetzten im Morgenland direkt aus dem Griechischen ins alte Slawische, während die etlichen bekannten volkssprachlichen Übersetzungen der Bibel im Abendland ab dem hohen Mittelalter bis knapp zu den Zeiten eines Melanchthon, Luther und Erasmus fast ausschließlich aus dem Lateinischen übersetzten, also aus zweiter Hand, aus der Übersetzung des griechischen Originals!

Eine kleine Recherche in alten Textzeugen, wie sie der Nestle-Aland noch in seiner vorletzten, der 27. Auflage zitiert, ergibt, dass die ältesten lateinischen Übersetzungen mit diesem nur hier vorkommenden griechischen Adjektiv ἐπιούσιος größte Schwierigkeiten hatten. Bezeugt sind in den ältesten Codices: cottidianus (täglich), supersubstantialis (Bedeutung nicht zweifelsfrei geklärt), perpetuus (andauernd), necessarius (nötig), veniens (kommend), crastinus (für den morgigen Tag). Es handelt sich um ein seltenes, wahrscheinlich in den vorhandenen griechischen Texten nur hier bezeugtes Wort, ein hapax legomenenon also. Selbst der Liddell-Scott-Jones, dieses mir seit meinem Gräzistik-Studium unerlässliche lexikalische Handwerkszeug, bringt es nur einmal, nämlich hier in dieser vierten Bitte des Vaterunsers.

Der Theologe und Philosoph Eckard Nordhofen vertritt neuerdings die These, diese herkömmliche Übersetzung der vierten Bitte des Vaterunsers sei irreführend. Wir zitieren ihn beispielhaft:

Üblicherweise wird diese vierte Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ so verstanden, dass es darum geht, immer genug zu essen zu haben. Eine gründliche philologische Untersuchung hat aber ergeben, dass diese Lesart, diplomatisch formuliert, „missverständlich“ ist.

Das Brot, von dem Jesus hier spricht, ist so besonders, dass er dafür einen außergewöhnlichen Ausdruck prägt und zwar mit einem Adjektiv, das es im Griechischen, der Sprache der Evangelien, nirgendwo sonst gibt. Man kann zeigen, dass auch im verlorenen aramäischen Urtext ein solcher Neologismus gestanden haben muss. Das Adjektiv ist einzigartig, aber nicht sinnlos. Der Kirchenvater Hieronymus hat es in der Vulgata, der lateinischen Fassung der Bibel, mit „supersubstantialis“ übersetzt. Ein „überwesentliches“ Brot also. Wenn man ohne Zungenbrecher vom „himmlischen Brot“ spricht, kommt man dem Ursprung nahe.

Quelle:
http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/vaterunser-die-versuchung-ist-nicht-das-problem

Vgl. jetzt auch ganz besonders Nordhofens neues Buch: Corpora. Die anarchische Kraft des Monotheismus. Herder, Freiburg 2018; darin das Kapitel X: Die vierte Bitte: das neue Gottesmedium, S. 227-263

Eine 2011 geführte, sehr anregende Diskussion des Adjektivs supersubstantialis findet sich in folgendem Lateinforum:

http://www.latein.at/phpBB/viewtopic.php?f=20&t=33328

Hier werden Bezüge auf Aristoteles und sogar Platon angeführt, die die kühne These Nordhofens zu stützen scheinen.

Quelle:
Nestle-Aland: Novum testamentum graece, ed. vicesima septima, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1999, Seite 13 [kritischer Apparat zu Mt 6,11]

Bild:
ein Blick in das Innere eines Flügels, aufgenommen am gestrigen Tag auf dem Flughafen Tempelhof

 Posted by at 22:15
Jan 302018
 

Trübe Gedanken werden weggewischt durch die strahlende Schönheit des Gesanges. Der Gesang im Hochmeistersaal beseligt mich. Das Schubert-Album für eine Singstimme mit Pianofortebegleitung, kritisch revidirt von Max Friedlaender, das brauch ich nur aufzuschlagen und daraus zu singen und ich merke: Ja. Das ist meine Welt. Das ist unsere Welt. Da bin ich in Gesellschaft des Lebens. Und: Immanuel Kant, Werkausgabe Band VI, herausgegeben von Wilhelm Weischedel in der Akademie-Ausgabe. Meine Nachtlektüre. Jede Zeile Kants unterhält mich, erhellt mich, verleiht mir die Zuversicht: Überall sind Leute, mit denen man vernünftig reden kann.

Seitwärts des Überdachs Schatten vor der Rentenversicherung am Fehrbelliner Platz zieht dich an. Ich kehre ein bei der BIO COMPANY: in der Gesellschaft des Lebens.
In den Regalen an den Tischen in der BIO COMPANY liegen Bücher. Ich greife mir einen Band von Ernst Wiechert heraus: Der Totenwald, in einer sorgfältig verarbeiteten Ausgabe des Aufbau-Verlages, erschienen noch zu DDR-Zeiten. Mich berühren die klaren, schmerzhaften Beobachtungen, die er als Häftling im KZ Buchenwald angefertigt hat. Wichtigkeit des Körpers, Unhintergehbarkeit des leiblichen Daseins!

Essen, Trinken, Plaudern, Lauschen. Das ist es! Den Toten schulde ich nichts. Sie sind hinübergegangen. Dem Leben sind wir verpflichtet. Den Lebenden bin ich verpflichtet. „I vivi sono più esigenti“, die Lebenden verlangen mehr von uns. Also bitte. Primo Levi hat recht. Wählt das Leben!

Ich bitte um Leben.

 Posted by at 19:58
Jan 292018
 

WIR TÄTER schulden es den Toten, unter diesem stöhnend machtvollen Satz veröffentlicht heute der namhafte, 1964 geborene deutsche Journalist Kai Diekmann im Tagesspiegel seine Betrachtung über die absolute Pflicht des Holocaust-Gedenkens. Wir Deutschen sind TÄTERVOLK, also Verbrechervolk, so wird es uns durch Diekmann und viele andere Deutsche unerbittlich eingehämmert.

Dies wirft Fragen auf! Sind beispielsweise auch die deutschen Politiker Annedore Leber und Hans Böckler, der deutsche Theologe Dietrich Bonhoeffer, die deutschen Studenten Hans und Sophie Scholl Tätervolk? Sie waren zweifellos Deutsche, sie sind nicht im Holocaust umgekommen, sie haben die Jahre 1933-1945 zum Teil überlebt. Aber sind sie deswegen schuldig?

Richtig: Das Hans-Böckler-Denkmal im Hans-Böckler-Park in Berlin-Kreuzberg ist besudelt und entstellt. Es stimmt: Der Annedore-Leber-Gedenkort in Berlin-Schöneberg ist verlottert, verlassen, verschmiert. Das ja. Aber sind diese beiden Deutschen, die die Nazi-Zeit in Deutschland überlebten, deshalb ebenfalls automatisch, also durch bloße Herkunft, TÄTERVOLK oder VERBRECHERVOLK?

Der 1956 geborene Politiker, Moderator und Jurist Michel Friedman ist ebenfalls Deutscher, ohne Wenn und Aber. Kai Diekmann ist ebenfalls Deutscher. Sind sie beide ebenfalls TÄTERVOLK, wie es Diekmann behauptet?

Ich meine: Der Ausdruck TÄTERVOLK ist höchst problematisch. Denn er schreibt einem und nur einem Volk (Volk? Was ist das?) insgesamt die Urheberschaft an einem ganz bestimmten einzelnen Verbrechen, eben dem Holocaust (ein einzelnes Verbrechen – oder viele Verbrechen?) zu. Nicht dieser oder jener Mörder wäre schuld am Verbrechen, sondern dieses eine Volk, und nur dieses einzelne Volk in seiner Gesamtheit. Nicht Menschen handeln hier und laden Schuld auf sich, sondern ganze Völker. Damit jedoch ist der Ausdruck „Tätervolk“ in gewisser Weise Ausfluss völkischen Denkens; er ist zweitens auch rassistisch, denn er schreibt in diskriminierender Art einer bestimmten Personengruppe, also DEN DEUTSCHEN, das Eigenschaftsmerkmal „Täter“, also „Verbrecher“ zu. Er ist kollektivistisch, denn er leugnet ab, dass der einzelne Mensch auch unter widrigsten Umständen einen gewissen Entscheidungsspielraum hatte und hat. Er schreibt schließlich dem HOLOCAUST eine mythisch überhöhte, zeitlose, nur noch pseudoreligiös zu nennende Macht zu. Nicht zuletzt schließt die Rede von den Deutschen als dem Tätervolk alle Deutschen jüdischer Abkunft aus dem deutschen Volk aus, so wie die Nazis dies taten. Dies halte ich erneut für höchst problematisch. Denn es lässt sich heute wie damals nicht bestreiten, dass die damals (1933) etwa 500.000 im Deutschen Reich lebenden Deutschen, die ab 1933 durch den Staat und seine Organe als Juden ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt, gepeinigt und schließlich – soweit sie noch in ihrem Heimatland verblieben waren – in der Mehrzahl ermordet wurden, sowohl rechtlich wie auch ihrem eigenen Selbstverständnis nach Deutsche waren.

Ich finde: Wir sollten auf derartige ohrenbetäubend-tosende Wörter wie „Tätervolk“ verzichten.

Wer kann die Last des Holocaust tragen unter uns Deutschen? Ich, du, er, wir alle? Man möchte einem Kai Diekmann zurufen: Gib’s auf!

Er, der Holocaust ist zu schwer, als dass man in diesem Bewußtsein weiterleben könnte, wenn man sich heute als Täter dieses einen einzigen Verbrechens sähe. Er ist zu schwer, als dass wir ihn aufheben, tragen und ertragen könnten. Im Grunde bliebe uns nur noch der Suizid eines Volkes übrig, wenn man diese ewig lastende Bezeichnung Tätervolk ernst nähme.

Denn:
Der ist eyn narr der tragen will
Das jm vffheben ist zu vil.

So sagt es Sebastian Brant, ebenfalls ein Deutscher, ebenfalls ein Angehöriger des „Tätervolkes“, in seinem Narrenschiff.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/zum-holocaust-gedenktag-wir-taeter-schulden-es-den-toten/20898480.html

Zitatnachweis:
Sebastian Brant: Das Narrenschiff. Studienausgabe. Mit allen 114 Holzschnitten des Drucks Basel 1494. Herausgegeben von Joachim Knape. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2005, S. 188

 Posted by at 21:51
Jan 262018
 

Was ist der Unterschied zwischen einer Gedenkstätte und einem Denkmal? Nun, ein Blick auf die Schöneberger Annedore-Leber-Gedenkstätte mag dies verdeutlichen: Hier, in dieser Kohlenhandlung, an diesem Ort trafen sich namhafte Mitglieder des deutschen Widerstandes. Sie, diese Deutschen, wollten den Krieg beenden, sie wollten Hitler stürzen, sie kämpften konspirativ gegen die verbrecherische Regierung der Nationalsozialisten. Mitglieder des Kreisauer Kreises, Annedore Leber, Julius Leber, Vertreter des sozialdemokratischen deutschen Widerstandes, des kommunistischen deutschen Widerstandes, des christlichen, des bürgerlichen und des adligen deutschen Widerstandes kannten und nutzten diese Kohlenhandlung. Ernst von Harnack, Ludwig Schwamb, Helmut James Graf von Moltke, Peter Graf Yorck von Wartenburg, Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörten zum weiteren Umfeld der deutschen Männer und Frauen, die hier aus und ein gingen. Auch wenn die meisten dieser Deutschen heute vergessen sind, würden sie sich als mögliche Vorbilder für die deutsche Jugend eignen.

Gedenkstätten wie etwa diese Annedore-Leber-Gedenkstätte stehen und entstehen an den Orten des Geschehens. Sie erinnern an das, was hier „einst geschah“. Dass alle Bauwerke „echt“ sind, wird dabei nicht verlangt. So finden sich in zahlreichen KZ-Gedenkstätten kaum noch originale Ausstattungsstücke; Hütten, Baracken, Zäune und Stacheldraht sind häufig nachgebaut oder rekonstruiert. Dennoch hat sich eine blühende KZ-Gedenkstättenlandschaft entfaltet; diese häufig nachgebauten KZs innerhalb und außerhalb Deutschlands sind heute der Stolz der deutschen Erinnerungskultur. Sie dienen der Abschreckung und der Bestätigung dessen, was „wir immer schon geahnt haben“. Die deutsche Jugend wird an ihnen zu intensiven Gefühlen der Scham und der Verachtung erzogen: „Schaut her, so schlimm sind wir Deutschen gewesen!“, lautet der Cantus firmus. Man verlässt diese Orte mit dem Gefühl, dem Verbrechen selbst ins deutsche Antlitz geblickt zu haben.

Anders dagegen das Denkmal! Denkmäler sind losgelöst von dem Ort, an dem sie stehen. Das Holocaustdenkmal, so stolz man in Deutschland auch auf es sein mag, steht nicht am historischen Ort. Weder wurde an diesem Ort einer der vielen Beschlüsse zu den zahlreichen Massenmorden gefasst, noch wurden sie hier ausgeführt. Und dennoch, gerade deswegen ist es tipp topp in Schuss gehalten. Es bündelt und konzentriert den Kern deutschen Geschichtsdenkens auf einzigartige Weise. Es zieht die Massen an, es ist zu Recht eine Touristenattraktion ersten Ranges.

Das 12-KZ-Erinnerungsschild am Schöneberger Kaiser-Wilhelm-Platz ist ebenfalls keine Gedenkstätte, sondern ein Denkmal – ein Erinnerungszeichen an die genau 12 deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager, die „wir nie vergessen dürfen“. Derartige Denkmäler der Erinnerungskultur stehen vielfach verteilt im Berliner Stadtraum; sie bilden das Rückgrat der weltberühmten deutschen Vergangenheitsbewältigungserinnerungskultur.

Sie bilden deutsche Identität wie nichts anderes sonst ab. Sie sind der Kern der deutschen Kultur der Jetztzeit.

Das Bild zeigt die Annedore-Leber-Gedenkstätte am 17. Januar 2018, Ort: Berlin-Schöneberg, Torgauer Straße, Annedore-Leber-Park
Das Video zeigt den Zustand der Annedore-Leber-Gedenkstätte am 17. Januar 2018.

 Posted by at 16:23

Traurige Betroffenheit

 Fahrrad, Schöneberg  Kommentare deaktiviert für Traurige Betroffenheit
Jan 252018
 

Düstere Meldung im Morgennebel. Gerade bei mir um die Ecke verlor gestern eine Fahrradfahrerin ihr Leben. Wie so oft bei anderen Unfällen, wurde auch hier die Radfahrerin durch einen rechtsabbiegenden LKW erfasst, während sie selbst rechts von ihm geradeaus weiterfahren wollte. Die Stelle fahre ich selbst sehr oft. Ein mulmiges Gefühl verstärkt sich. Wir sind gewarnt und traurig. Hier einige Fotos von dieser Stelle, aufgenommen heute, Ecke Kolonnenstraße/Hauptstraße.

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Das Kreuz Wladimirs überragt sie alle

 Jesus Christus, Russisches  Kommentare deaktiviert für Das Kreuz Wladimirs überragt sie alle
Jan 202018
 

Zu den erstaunlichsten Erscheinungen des heutigen Russland gehört zweifellos die hohe Wertschätzung des christlichen Glaubens bei den Trägern der staatlichen Gewalt und zunehmend auch bei der Bevölkerung Russlands. Der Marxismus-Leninismus, der noch bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts vielbelächelter Pflichtstoff an Schulen und Universitäten der Sowjetunion war, ist nunmehr ein Museumsstück geworden.

Russland wendet sich wieder seinen älteren Traditionen zu, es erkennt die identitätsbildende Kraft der Orthodoxie an, es sucht aber auch in zahllosen Bekehrungs- und Wandlungsgeschichten einen höchstpersönlichen Zugang zu der über 70 Jahre lang verfemten christlichen Religion.

Ein langer Spaziergang führte uns am 8. Januar dieses Jahres vom berühmten Neujungfrauenkloster, das ohne Fehl und Tadel restauriert worden ist, über neuangelegte, mit breiten Natursteinplatten versehene Gehwege bis zum Kreml. Ich staunte über die Parkraumbewirtschaftung, die Fahrradständer, die russisch-englisch-sprachigen Inofotafeln, die den Touristen wertvolle Hinweise liefern.

Wir näherten uns dem Kreml. Da im Nebel dämmerte plötzlich hochaufragend ein Kreuz empor. Gebieterisch, mahnend hochgereckt von einer über 10 Meter hohen Gestalt! Einem Mönch? Einem Heiligen?

Ich schickte meinen jungen ortskundigen Stadtführer los, er entzifferte die Inschrift: Es war Влади́мир, der Großfürst Wladimir der Erste von Kiew, die Statue des Fürsten Володимѣръ, wie er alt-ostslawisch geschrieben wurde, vor den Toren des Moskauer Kreml!

Zwar war die Errichtung der Statue ursprünglich 2015 an anderem Ort vorgesehen, nämlich auf den berühmten Sperlingsbergen, doch Einwände der Bürgergesellschaft und der Geologen verhinderten dies, da der Untergrund eine so mächtige Statue nicht getragen hätte. Auch die UNESCO verlangte, die Abmessungen der Statue zu verringern, da sonst der Kreml seines Status als UNESCO-Weltkulturerbe verlustig gegangen wäre. Die moderne Heiligenstatue hätte das Gesamtbild gestört.

Die Kritik wurde beherzigt. Und seit 2017 weist nun der heilige Wladimir, dessen Gedenktag sowohl bei den Katholiken wie bei den Orthodoxen der 15. Juli ist, den neuen Elektrobussen und all den wuselnden Uber-Taxis den Weg.

Sein Kreuz überragt alles.

 Posted by at 18:53

Neue Zeiten im Gorki-Park

 Freude, Russisches  Kommentare deaktiviert für Neue Zeiten im Gorki-Park
Jan 192018
 


Moskau verändert sich! Neu angelegte Radwege führen an der Moskwa entlang, bunte Kinder nutzen sie mit ihren Einrädern. Der Gorki-Park lädt zum Flanieren ein. Bei milden 2 Grad plus erschließen wir uns den neugestalteten städtischen Raum. Alles wirkt jetzt offener, einladender, bunter, als ich es in Erinnerung hatte.

Abends drehen wir einige Runden auf unseren Schlittschuhen. Ruhiges Sich-Treibenlassen auf Kufen, es gibt keine Aggressionen, keine Rempler, keine traurigen Gesichter. Alles winkt, alles lächelt. Im Hintergrund ertönt Soulmusik in englischer Sprache. Zuletzt entdecken wir eine Dönerbude, bei der wir Halt machen. Der Chef des Dönerladens stammt aus Berlin und betreibt hier diesen Imbiss. Es schmeckt uns gut.

Bild: Eislaufen im Gorki-Park Moskau, 05.01.2018

 Posted by at 23:08

Ἐν ἀρχῇ ἦν ὁ λόγος: יְהִ֣י אֹ֑ור – Am Anfang war das Wort: Es werde Licht

 Hebraica, Novum Testamentum graece, Religionen, Russisches, Singen, Versöhnung  Kommentare deaktiviert für Ἐν ἀρχῇ ἦν ὁ λόγος: יְהִ֣י אֹ֑ור – Am Anfang war das Wort: Es werde Licht
Jan 132018
 

„Ich habe mir immer gedacht, wäre die alttestamentliche Behauptung Im Anfang war das Wort buchstäblich wahr, dann müßte dieses Wort ein gesungenes Wort gewesen sein… Können Sie sich vorstellen, daß Gott „Es werde Licht“ so ganz einfach vor sich hingesagt hat, so wie man Kaffee bestellt? Selbst in der Originalsprache: יְהִ֣י אֹ֑ור? Ich hatte stets die Phantasievorstellung, daß Gott die beiden flammenden Worte Y’HI-O-O-OR gesungen haben muß. Das mag der tatsächliche Schöpfungsakt gewesen sein. Musik mochte Licht hervorgebracht haben.“

Einer der großen Musik-Erzieher des 20. Jahrhunderts, Leonard Bernstein, ist zugleich auch ein bedeutender Anreger, ein Versöhner und Verbinder der beiden Bundesbücher der christlichen Religion, nämlich der hebräischen Bibel und des christlichen Neuen Testaments.

Das Johannes-Evangelium, der entscheidende, der krönende Abschluss der 27 neutestamentlichen Schriften beginnt bekanntlich mit dem Wort: Ἐν ἀρχῇ ἦν ὁ λόγος, καὶ ὁ λόγος ἦν πρὸς τὸν θεόν, d.i. zu deutsch: „Im Anfang war das Wort und das Wort war zu Gott.“

Bernstein – dieser Name klingt so typisch deutsch, so typisch aschkenasisch, so typisch jüdisch – schreibt nun diesen Beginn des Johannesevangeliums ohne weitere Erklärung dem Alten Testament zu, also der hebräischen Bibel. Eine kühne Tat, die der amerikanische Dirigent mitteleuropäisch-jüdischer Herkunft hier vollbringt! Er denkt, nein er singt den Anfang der hebräischen Bibel und den Beginn des vierten Evangeliums zusammen. Eine ungeahnte Harmonie erklingt, eine Harmonie des jüdischen und des christlichen Bundesgedankens! Die Alte Bundesbuchsammlung (das AT) und die Neue Bundesbuchsammlung (das NT) werden unlösbar ineinandergeflochten.

Wir dürfen in der Nachfolge Leonard Bernsteins etwas Ähnliches wagen – die Harmonie der hebräischen und der griechischen Bibel, indem wir folgenden zweisprachigen Spruch niederschreiben:

Am Anfang war des gesungene Wort: Es werde Licht!

In der hebräisch-griechischen Fassung mochte der Verfasser des vierten Evangeliums tatsächlich so etwas gesummt und gesungen haben wie dies hier:

Ἐν ἀρχῇ ἦν ὁ λόγος יְהִ֣י אֹ֑ור

Und dieses Jahr möge das Jahr des Gesanges der Versöhnung werden!

Zitat:
Leonard Bernstein: Worte wie Musik. Herausgegeben und eingeleitet von Harald Schützeichel. Herder Verlag, Freiburg, Basel, Wien 1992, S. 47

Bild:
Blick von der Krim-Brücke auf den Fluss Moskwa, Bezirk Chamovniki, Moskau, aufgenommen vom hier Schreibenden am 05. Januar 2018

 Posted by at 12:48