Calendar
März 2010
M D M D F S S
« Feb    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Ein Bezirk steigt auf: Modellbezirk Radverkehr

28112009.jpg Sehr gute Sitzung des bezirklichen Fahr-Rates gestern im Rathaus Kreuzberg! Besonders freut mich, dass auch eine einfache Bürgerin und die Politik erschienen sind: Fraktionschefin Antje Kapek und BVV-Abgeordnete Paula Riester erweisen dem bezirklichen Radverkehr die Ehre! Gut so, bitte weitersagen, Staffelstab weitertragen!

Nach kurzer Aussprache wählen wir Merja Spott vom BUND einstimmig zur Sprecherin des Fahr-Rates. Eine sehr gute Wahl! Ich kenne Merja seit zwei Jahren, sie bringt sehr viele Erfahrungen in der Gremien- und Öffentlichkeitsarbeit mit und hat für den Radverkehr in unserem Bezirk schon viel bewegt! Gratulation!

Tiefbauamtsleiter Schulz-Hermann erläutert die aktuellen Planungen zur Warschauer Straße. ADFC-Vertreter Wolfram Däumel lobt nach Einsichtnahme die vorgelegten Planunterlagen, macht aber auf mögliche Umsetzungsschwierigkeiten aufmerksam.

Dann darf ich mein Manifest “Modellbezirk Radverkehr” vorstellen. Ich skizziere mit dürren Worten die Grundgedanken, lege aber auch ein bisschen Feuer hinein, zeige gar bunte Fotos von Fahrradbügeln, Stadtlandschaften und Kunstwerken von Kindern. Ich meine: Radverkehr ist eine symbolische Gemeinschaftsaufgabe, der alle Abteilungen zuarbeiten sollen. Es geht um Tugenden wie Fürsorglichkeit, Achtsamkeit, Sparsamkeit. Aber vor allem um Freude am Leben.

Ich entfalte einen Stadtplan des Bezirks auf dem Tisch. Baustadträtin Kalepky, Fraktionschefin Kapek und die Abgeordnete Riester drücken deutliche Unterstützung aus, regen aber Feinabstimmung, Nachbesserung und weitere einzelne Arbeitsschritte an. Bürgerin Annette Ahme, die der Sitzung beiwohnt, schlägt vor, grüne Durchwegungen einzurichten - etwa vom Halleschen Ufer zum Viktoriapark.

Jedenfalls ist ein Stein ins Wasser geworfen. Möge er Wellen schlagen und Kreise ziehen! Wir werden jedenfalls dieses Konzept “Friedrichshain-Kreuzberg - Ein Bezirk steigt auf: Modellbezirk Radverkehr” weiterhin vertreten und möglichst viel Unterstützung zu sammeln versuchen!

“Nicht-deutscher Herkunft” oder “neue Deutsche”?

Na gut, dass man endlich anfängt, die weit fortgeschrittene Sonderung der Schüler nach Herkunft und Religion als Thema zu benennen. Es brennt seit vielen Jahren. In der Grundschule fängt es ja bereits an, und dann zieht es sich weiter bis zum Abitur. Unhaltbar. Es sind für mich alles deutsche Kinder, die auf dieses unser gemeinsames Heimatland - die Bundesrepublik Deutschland - hin erzogen und ausgebildet werden sollten.

Weiterhin abwesend: die Stimme der türkischen und der arabischen Eltern. Wie sehen sie das? Es würde mich interessieren.

Der Tagesspiegel berichtet heute:

Der Klassenkampf wird härter
Immer mehr Gymnasien bilden ihre Klassen offenbar nach ethnischer Herkunft der Schüler, kritisiert Öczan Mutlu. „Es handelt sich dabei längst nicht mehr nur um Ausnahmefälle“, sagte der bildungspolitische Sprecher der Grünen am Dienstag dem Tagesspiegel: „Ich weiß es konkret von vier Gymnasien in verschiedenen Stadtbezirken, weil die Eltern mich angesprochen haben.“

Friedrichshain-Kreuzberg steigt auf: Modellbezirk Radverkehr

16032010003.jpg Noch einmal eine Stunde habe ich herumgebosselt an dem Vorschlag “Modellbezirk Radverkehr”. Den werde ich morgen im Fahr-Rat im Rathaus Kreuzberg vortragen dürfen. Ob es die Mitglieder des Rates zu überzeugen vermag? Zweifel sind angebracht! Zuviele Gewohnheiten werden hier durchbrochen. Darf man denn einfach neue Pfade betreten - auch wenn manches auf Ablehnung stößt? Ich glaube: ja! Man soll sogar!

Und so geht es los:


Friedrichshain-Kreuzberg – ein Bezirk steigt auf

Schaffen wir den Modellbezirk Radverkehr!

Vorschlag von Johannes Hampel für die Sitzung des bezirklichen Fahr-Rates Friedrichshain-Kreuzberg am 17.03.2010

1.       Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erklärt sich durch Beschluss der BVV für die Zeit vom 01.09.2010 bis 31.08.2011 (Zeiten veränderbar) zum Modellbezirk Radverkehr.

2.       Alle Fachbereiche der Kommunalpolitik (namentlich Stadtplanung, Bildung, Sport, Wirtschaft, Ordnungsamt, Gesundheit, Soziales, Jugend, Familie, Schule, Bauen, Wohnen, Immobilienservice) verpflichten sich für die Laufzeit des Programms auf den Modellbezirk Radverkehr.

3.       Die Verantwortung für die Umsetzung des BVV-Beschlusses und die Koordination der Maßnahmen wird einer hierzu geschaffenen Funktion oder der Sprecherin des Fahr-Rates übertragen.

4.       Die Maßnahmen umfassen kostengünstige, leicht umsetzbare Maßnahmen. Der Bezirkshaushalt wird nicht zusätzlich belastet. Kostspielige zusätzliche Tiefbaumaßnahmen in der Radverkehrsplanung werden vermieden.

5.       Der  von der BVV 2006 in Auftrag gegebene frühere „Vertiefungsplan Radverkehr“ wird durch einen anschlussoffenen, periodisch fortzuschreibenden Radverkehrsentwicklungsplan 2011-2015 ersetzt, der neben dem üblichen topographischen Kartenwerk auch Zielvorgaben in Worten enthält.

6.       Der Modellbezirk Radverkehr wird durch ein Signet öffentlichkeitswirksam kommuniziert. Das Signet soll die charakteristische Umrisslinie des Doppelbezirks mit dem „Vorderrad“ Friedrichshain, dem „Hinterrad“ Kreuzberg und dem vorwärtsstrebenden „Kopf“ Stralauer Halbinsel aufgreifen. An allen Straßeneinfahrten in den Bezirk wird ein Schild angebracht, das auch das Signet zeigt:

Friedrichshain-Kreuzberg
 Modellbezirk Radverkehr [Signet]

Oberstes Ziel des Programmjahres:
Gesamthafte Radverkehrsförderung als fachbereichsverklammernder Teil der Bezirkspolitik - aus einem Guss. Enge zeitliche Planung, terminiert, mit Evaluation am Schluss.

Hier das gesamte Dokument zum Nachlesen:

2010_03_17_fahrrat_modellbezirk_radverkehr_hampel.pdf

Verdrängung sozial Schwacher verhindern!

16032010005.jpg Heute holte ich den neuen Reisepass meines Sohnes aus dem Bürgeramt in der Schlesischen Straße ab. Da ich es eilig hatte, fuhr ich auf direktestem Wege mit meinem schnellsten Fahrzeug, dem VSF T300, über die Gitschiner Str. - Skalitzer Str. - bis zur Schlesischen Straße. Wie üblich, fuhr ich auf der Mitte der rechten Fahrspur, um niemanden und auch mich selbst nicht zu gefährden. Ich kam sehr schnell voran. Auf dem Heimweg wurde ich bei der Kolonnenfahrt bei Tempo 30km/h (vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit) durch einen hinter mir dreinzockelnden LKW bedrängt und angehupt. Gebracht hat es ihm nichts. Ich ließ mich nicht aus der Ruhe bringen, pedalierte weiter bei 30 km/h, zeigte ihm nicht meinen Unwillen. Er musste sich genauso in der Kolonne einreihen wie ich auch. Dann kamen wir zur Ampel. Ich wechselte auf den holprigen engen Radweg und ließ alle in Kolonne wartenden LKW und Autos hinter mir. Und tschüß!

Wir Radfahrer haben jederzeit das Recht auf der Fahrbahn zu fahren, solange der Radweg nicht als benutzungspflichtig ausgewiesen ist.

Ich weiß natürlich: Als Radfahrer bin ich ein sozial Schwacher auf der Fahrbahn. Aber ich lasse mich nicht verdrängen!

Ein wichtiges Thema auch der Politik! Bezirksstadtrat Knut Mildner-Spindler schreibt sich ausdrücklich das Verhindern von Verdrängung und die Armutsreduzierung auf seine Fahnen (Bezirksbroschüre). “Verdrängung zu verhindern und Armut zu reduzieren sind große Herausforderungen, besonders für den Verantwortungsbereich Gesundheit, Soziales und Beschäftigung.”

Na bitte!  Dann fangen wir doch mal gleich im Straßenverkehr damit an! Und für die Gesundheit habe ich heute schon genug getan, denn ich bin 40 Minuten bei etwa 30 km/h durch Kreuzbergs beliebteste Auto-Rennpiste gefahren, wobei ich sämtliche Verkehrsregeln und Vorschriften einhielt, niemanden gefährdete, belästigte, beleidigte oder behinderte.

Gut für den Kreislauf, gut für das Nervenkostüm, gut für das Selbstwertgefühl!

Foto: Beginn der Skalitzer Straße, von der Schlesischen Straße her gesehen. Aufgenommen heute.

Quelle:
Friedrichshain-Kreuzberg. Ein Bezirk mit vielen Gesichtern. 2009/2010. Herausgegeben vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, hier: S.77

apercu Verlagsgesellschaft

Fürsorgliche Radfahrer

bb_fh-kb_2009-2010_gross.jpg Rechtzeitig vor der Sitzung des bezirklichen Fahr-Rates Friedrichshain-Kreuzberg morgen, 17 Uhr, blättere ich unsere neue Bezirksbroschüre durch. Das Thema der Aufmerksamkeit und Fürsorge füreinander beschäftigt mich weiterhin. Was die Schildkröten können, das können wir Menschen doch auch, denke ich!

Wie oft hörte ich: “Ich kannte diesen Freund als coolen Kumpel, aber sobald er am Steuer des Autos saß, schimpfte er wie ein Rohrspatz, wenn sich mal eine Fußgängerin ein bisschen mehr Zeit ließ.”

Ich lese die “Statements” des Bezirksbürgermeisters Dr. Schulz und der fünf anderen Bezirksstadträte durch. Was sagen sie über Aufmerksamkeit und Fürsorge? Haben sie so etwas überhaupt auf dem Schirm? Und - ich werde fündig!

Die Baustadträtin Jutta Kalepky etwa schreibt (S. 43): “Wichtig ist auch, die angemessene Geschwindigkeit für alle zu finden, im Sinne der Aufmerksamkeit und Fürsorge füreinander. Und den sinnvollen Einsatz des Fahrrads für die kurzen Wege durch Prüfung und Verbesserung der Radwege zu unterstützen und gemeinsam mit der Senatsverwaltung neue Radfahrstreifen einzurichten.”

Fürsorge füreinander als Aufgabe der Tiefbaumaßnahmen und der Verkehrslenkung? Das finde ich gut. Denn daran fehlt es allzu oft. Und gerade beim Fahrradfahren kann und soll man diese Tugenden ausüben.  Beim Autofahren wird es schwieriger, weil man meistens zu stark mit der Bedienung der Gerätschaft befasst ist und keine Aufmerksamkeit für andere hat, von Fürsorge ganz zu schweigen.

Fürsorgliche Schildkröten - die Republik der Aufsteiger

app_full_proxyphp.jpgEin verblüffendes Schauspiel erlebten wir vorgestern bei unserem Besuch im Berliner Zoologischen Garten (dieses Blog berichtete). Im Aquarium beobachteten wir, wie mehrere Schlangenhalsschildkröten sich um eine sichtlich erschöpfte oder erkrankte Artgenossin kümmerten. Oder zu kümmern schienen? Wir können uns das merkwürdige Verhalten der Wasserbewohnerinnen nur so erklären, dass ein leidendes Mitglied der Gemeinschaft Hilfe zur Selbsthilfe bekam. Dass Schildkröten einander Fürsorge und Aufstiegshilfe gewähren, erstaunte uns bis zum Entzücken.

Die kranke Schildkröte war offenbar nicht imstande, selbständig aufzutauchen. Sie musste durch Streicheln, Locken, Beschwören und Schubsen ermuntert werden, ehe sie dann gewissermanßen erwachte und mit eigenen Kräften emportauchte, um die überlebensnotwendige Luft einzuatmen.

Schaut euch die Szene auf Youtube an, ich habe sie gefilmt. Was sagt wohl der Berliner Zoo dazu? Haben wir mit unseren Deutungen recht?

Was für ein Wunder!

YouTube - Kanal von JohannesHampel

Verheerende Symbolik

In der Klasse meines Sohnes sind von … Schülern etwa … nichtdeutscher Herkunftssprache - das habe ich oft und oft in diesem Blog geschrieben, so oft, dass es mich schon langweilt. Na und?

Dass jetzt ein Vater seinen Namen in der Zeitung nicht zu nennen wagt, ist ebenso schlecht wie die Tatsache der Trennung an sich. Ich halte das für eine verheerende Symbolik.

Gymnasialklassen nach Herkunft sortiert: Integration ist eine Klasse für sich - taz.de
In der Klasse seines Sohnes seien von etwa 30 SchülerInnen 23 “nichtdeutscher Herkunftssprache”, berichtet ein betroffener Vater der taz. Seinen Namen will er aus Angst vor negativen Folgen für sein Kind lieber nicht in der Zeitung lesen. In den Parallelklassen gebe es dagegen nur zwischen fünf und neun SchülerInnen mit Migrationshintergrund: “Wie sollen die Kinder untereinander in Kontakt kommen, wenn man alle muslimischen Kinder in eine Klasse steckt?” Er fürchte weniger die bildungsbezogenen Folgen solcher Trennung als deren “Symbolik”, sagt der Mann: “Die Kinder sprechen ja alle gut deutsch, viele haben keine andere Muttersprache gelernt. Aber für uns lautet die Botschaft: Ihr gehört nicht dazu.”

Gymnasialklassen nach Herkunft sortiert

Die taz berichtet heute:

Gymnasialklassen nach Herkunft sortiert: Integration ist eine Klasse für sich - taz.de
Berliner Gymnasien sortieren ihre Schüler nach ethnischer Herkunft und Religionszugehörigkeit in getrennten Klassen. Dies geht aus der Antwort auf eine kleine Anfrage des bildungspolitischen Sprechers der Grünen, Özcan Mutlu, hervor. Begründet wird das Verfahren mit einer leichteren Organisation der Stundenpläne; die Klassen könnten so geschlossen am Religionsunterricht teilnehmen.

Ich halte das für traurig. Noch einmal erweist sich, dass die Sonderung der Schüler nach muslimisch und nicht-muslimisch in vollem Gange ist. Das sehen wir ja auch an Kreuzbergs Grundschulen.

Ethnische Trennung an Gymnasien ist schockierend: Integrationsverweigerer sind deutsch - taz.de

Ethnische Trennung an Gymnasien ist schockierend: Integrationsverweigerer sind deutsch - taz.de
So schreibt eine Leserin:

“Wenn die TAZ mal einen wirklich neuen und interessanten Artikel zu Thema schreiben möchte, dann kann sie doch mal untersuchen wie viele der Befürworter von integrativen Klassen, das auch bei ihren eigenen Kindern umsetzen. Bei wenigen Themen habe ich in meinem Bekanntenkreis so viele Heuchler erlebt.”

“Fernsehen einfach verbieten!”

Das war der Ratschlag einiger Mütter, mit denen ich mich kürzlich über das Problem des exzessiven Fernsehkonsums bei Kindern unterhielt.

Das wage ich nicht einmal zu denken, geschweige denn zu sagen! Ich halte es für besser, wenn die Eltern Alternativen anbieten: Allein eine Fahrt mit dem Fahrrad kann so viele Anregungen bieten. Gestern fuhren wir mit den Rädern in den Zoo. Im Tiergarten-Park traten wir ächzend in die Pedale: Die Wege waren durchgeweicht. Dort im Zoo fing es heftig zu schneien an, als wir gerade am Löwenhaus vorbeikamen. Das sollte Afrika sein? Auf dem Rückweg strampelten wir uns redlich ab. Wir wurden durchnässt, es war sehr mühsam in die Pedale zu treten. Dann spritzte uns noch ein Auto von Kopf bis Fuß voll. SO WAS ABER AUCH!

Dennoch lege ich größten Wert darauf, meinen Kindern diese Zumutungen der Mühsal nicht aus dem Weg zu räumen. Auch die Widrigkeit bereichert unsere Sinneserfahrung!

Jedes vierte Kind in Berlin bekommt eine Therapie
„Wir stehen vor einem enormen Problem“, sagte am Montag der Sprecher der Berliner Kinder- und Jugendärzte, Ulrich Fegeler. Ursache ist aus seiner Sicht „die erschreckende Anregungs- und Erfahrungsarmut in vielen, vor allem sozial schwachen Familien“. Dies bestätigt auch der Beauftragte des Kinderärzteverbandes für den öffentlichen Gesundheitsdienst, Thomas Abel. Aus Bequemlichkeit werde Kindern oft viel zu wenig erzählt, es fehlten Unterhaltungen, Spiele und gemeinsame Aktivitäten wie Basteln oder Ausflüge, bei denen der Nachwuchs Fingerfertigkeit, körperliches Geschick, sprachliche und kognitive Fähigkeiten schule. „Stattdessen erschlaffen die Kinder vor dem Fernseher und der Playstation“, sagte Abel, der für den kinderärztlichen Dienst des Bezirks Mitte arbeitet. Alle Sinne würden „viel zu wenig gefordert“, ursprüngliche Erfahrungen nicht mehr ermöglicht.