Mrz 222019
 
Die ersten Blättchen entrollen sich an einem Strauch. Schöneberg, Natur-Park Südgelände, 21.03.2019

Woher das Leben? Woher diese ungeheuerliche Kraft, mit der dieser Strauch genau gestern, am 21. März 2019 seine Blätter nach dem Scheintod des Winters austreibt? Ich kam nicht umhin, ins Staunen zu versinken, als wäre dies der erste Frühling, den ich erlebte, als wäre dies der letzte Frühling, den ich erlebte.

Ringsum herrscht noch metallene Glätte, Rauhheit – dieser Strauch wagt sich hervor!

Dahinter steckt nicht zuletzt auch das Wunder der Photosynthese. Kohlenstoffdioxid, dieses derzeit so viel gescholtene, so übel beleumundete Molekül, das völlig zu unrecht als „klimaschädlich„, als „Klimakiller“ oder gar als „Klimagift“ oder gar als „Gift“ angeschwärzt und verteufelt wird, ist der Ausgangsstoff dieses Prozesses, der weltweit das gesamte Leben der Tierwelt einschließlich des Menschen trägt und buchstäblich nährt. Durch Photosynthese stieg im Laufe der letzten beiden Milliarden Jahre der Sauerstoffgehalt auf die heutigen 21%, die uns Säugetieren ein ruhiges Ein- und Ausatmen ermöglichen.

Nur etwa 0,038 Volumenprozent der heutigen Erdatmosphäre sind Kohlenstoffdioxid, also Kohlendioxid, das als der entscheidende Feind gilt, den die gesamte Klimapolitik mit wilder Entschlossenheit niederringen will. Denn Messungen haben ergeben, dass der Kohlenstoffgehalt der Luft etwa ebenso schnell steigt wie die mittlere Lufttemperatur. Daraus leiten die meisten ernstzunehmenden Wissenschaftler eine Ursache-Wirkungs-Beziehung ab und erklären den Anstieg des Kohlenstoffgehaltes zum Haupttreiber des derzeit zu beobachtenden Klimawandels. Alle zwischenstaatlichen Klimaschutzabkommen, die gesamte Klimapolitik drehen sich um die Vermeidung des Anstieges des Kohlenstoffgehaltes in der Atmosphäre.

Das überragende Ziel der klimapolitischen Maßnahmen ist die Verhinderung der Zunahme des CO2-Gehaltes in der Luft und damit die erhoffte Begrenzung des Anstiegs der mittleren Lufttemperatur auf 2,0 bzw. besser 1,5° Celsius Grad

Als einer von zahllosen Belegen dafür sei die Stellungnahme der 18.000 deutschsprachigen Scientists for Future angeführt, wo als die eindeutige, ja einzige operative Richtschnur jeder Klimapolitik zum tausendsten oder auch abertausendsten Male die möglichst radikale Absenkung der Kohlendioxidemissionen (und anderer Treibhausgasemissionen) angegeben wird:

Es kommt nun darauf an, die Netto-Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell abzusenken und welt­weit spätestens zwischen 2040 und 2050 auf null zu reduzieren. Eine schnellere Absenkung erhöht hierbei die Wahrscheinlichkeit, 1,5 °C zu erreichen. Die Verbrennung von Kohle sollte bereits 2030 fast vollständig beendet sein, die Verbrennung von Erdöl und Erdgas gleichzeitig reduziert werden, bis alle fossilen Energieträger durch klima­neutrale Energiequellen ersetzt worden sind. Unter Berücksichtigung von globaler Kli­magerechtigkeit müsste in Europa dieser Wandel sogar noch deutlich schneller ablau­fen.

https://www.scientists4future.org/stellungnahme/

Hierzu ist freilich zu sagen, dass CO2 weder giftig noch ein Klimakiller ist. Es gibt selbstverständlich die wandelbare Erdatmosphäre, also Klimawandel der einen oder anderen Art auch ohne Kohlendioxid. Mehr noch: Kohlendioxid ist ein notwendiger Ausgangsstoff für das gesamte heterotrophe Leben, also für alle Lebewesen, die ihre Nahrung nicht durch Photosynthese selbst erzeugen können, darunter wir Menschen.

Doch diese Überlegungen sollten uns nicht daran hindern, mit ungeheurer Freude das Erwachen des Frühlings zu preisen!

Sei mir willkommen, Frühling, du lang ersehnter Gast! Dank an den Strauch im Schöneberger Süd-Park, dank an die 0,038 Volumenprozent Kohlenstoffdioxid, dank an die 21 Volumenprozent Sauerstoff, Dank an den Sauerstoff, der in meinen Adern rinnt, während ich hier dies schreibe!

Freude!

 Posted by at 17:20
Mrz 212019
 
Soham El Wardini, Bürgermeisterin von Dakar (Senegal) sendet Zeichen der Ermutigung und der Zuversicht beim Dakar Triathlon 2018

Die Frauen, die Städte sind gefordert und übernehmen die Führung! Botschaft der Bürgermeisterin beim Klimagipfel Paris 2018

Tiefen Eindruck hinterlässt in mir beim Lesen heute die Bürgermeisterin von Dakar, Soham El Wardini. In der italienischen Zeitschrift Donna moderna spricht sie über das Thema Umweltverschmutzung und Klimawandel in der von ihr regierten Stadt. Doch klagt sie nicht, nein, sie packt sofort an, sie lässt es nicht beim Reden bewenden!

Eine der ersten Aktionen ihrer Amtszeit nach der gewonnenen Wahl 2018 war es, einen Millionenbetrag für Besen und Putzmittel auszugeben, diese Besen und Putzmittel an die Bürgerinnen und Bürger zu verteilen und sie zu einer Gemeinschaftsaktion zu überzeugen: „Bisogna ripulire le case, poi interi quartieri“ – „Ein jeder kehre erst vor seiner Tür, und rein wird dann das ganze Stadtquartier!“ In einer ersten Phase geht es erst einmal darum, den ganzen Dreck und Müll vor der Haustür wegzuschaffen. Dazu muss man wissen, dass Dakar nach Mexiko City als die zweitschmutzigste Stadt der Welt gilt. Wild abgelagerter, häufig auch angezündeter Müll ist die Hauptursache der Umweltbelastung in Dakar.

In einer zweiten Phase geht es um Aufklärung, Bildung und Erziehung der Jugendlichen und der Frauen hin zu ökologisch verantwortlichem Handeln. Das Motto lautet: „Pulire è bene, ma non sporcare è meglio.“ „Gut ist es zu putzen, besser ist’s, nichts zu verschmutzen.“

Umweltschutz, Klimaschutz fängt in den Städten an! Soham El Wardini (Dakar), Anne Hidalgo (Paris), Yvonne Aki-Sawyerr (Freetown, Sierra Leone), diese drei mutigen Bürgermeisterinnen, von denen die Donna moderna berichtet, zeigen auf ihre Weise in ihren Städten, dass frau und man etwas tun muss und tun kann! Solche Bürgermeister, solche Politiker, die Zeichen der Hoffnung, des tätigen Gemeinsinns setzen, brauchen wir in der Europäischen Union mehr und mehr! Auch uns in Berlin täte dieser vorbildliche Gemeinsinn gut.

Quelle: Luisa Nannipieri: 3 Sindache paladine dell’ambiente. In: Donna moderna. 6 marzo 2019, p. 40

 Posted by at 21:09
Mrz 192019
 
Blick von der Kipphornaussicht elbeaufwärts Richtung Gelobtbachmühle und Großer Zschirnstein, 17.03.2019

Wir wanderten gerade erst am Wochenende mit offenem Aug, mit weit geblähten Nüstern durch die Wälder des Nationalparks Sächsische Schweiz. Was für eine herrliche Erfrischung, was für eine Labsal für Körper und Seele, welche Wonne brachte uns das Elbsandsteingebirge zu beiden Seiten der Elbe!

Besonders gefreut hat mich, dass man auf Schritt und Tritt mit den Sachsen so gut ins Gespräch kommt und dass das Elbsandsteingebirge mittlerweile Wanderer und Erholungssuchende aus aller Welt anzieht. Insbesondere Israelis und Amerikaner haben das Bundesland Sachsen für sich entdeckt. Oft fliegen sie über den Flughafen Prag nach Europa und steigen dann in den Zug von Böhmen nach Sachsen. Sie genießen hier am Ufer der Elbe in hellen Scharen die sächsische Gastlichkeit und die überwältigenden Eindrücke der wild zerklüfteten Bergwelt. Es muss nicht immer Georgien oder der Yellowstone-Nationalpark sein!

Blick vom Fremdenweg auf die Winterbergspitzen, 17.03.2019


Und wieder haben wir herrliche Beobachtungen zum unfassbar klugen Anpassungsgeschehen des Waldes in Zeiten des Klimawandels anstellen können. Unsere Wälder entwickeln sich – teils aus eigenem, naturhaftem Wirken, durch Selektion und Adaptation also, teils durch gezielte forstliche Eingriffe – hin zu widerstandsfähigeren, an die gerade ablaufenden und die bevorstehenden Klimaänderungen besser angepasste Systeme.

Alte Fichte im Lattengrund, ca. 90 Jahre alt, vor wenigen Tagen durch Starkwind gestürzt, 16.03.2019

Unter anderem wird klar, welche Baumarten wo hingehören! Der Wind wirft viele Flachwurzler wie etwa die Fichte erbarmungslos um, während eng zueinander stehende, schlanke Buchen ohne breitausladende Krone offenbar ausgezeichnet an starke Stürme und an vorübergehenden Wassermangel in besonders heißen Dürreperioden angepasst sind. Sehr gut zu beobachten auf dem Großen und Kleinen Winterberg im Nationalpark Sächsische Schweiz bei Schmilka!

Bestand jüngerer Buchen am Großen Winterberg bei Schmilka, 16.03.2019

Während die zunehmenden Starkwindereignisse an einigen Stellen gerade die ältesten, mächtigsten Fichten umgeworfen haben, zeigen die jüngeren und mittelgroßen Laubbäume, insbesondere die zarten Birken und die schlanken Buchen keinerlei Schäden; im Gegenteil, sie scheinen für ihre Art Lebensraum zu gewinnen, den bisher die oftmals vom Menschen eingebrachten, schnellwüchsigen und zu Nutzungszwecken geförderten Nadelhölzer monokulturell in Beschlag genommen hatten.

Die Natur, und wir sind ja ein Teil von ihr!, spielt ihr Millionen Jahre altes Spiel immer weiter, sie steckt vieles weg, was unsere Fassungskraft übersteigt! Entstehen, Werden, Vergehen, Wandel, Anpassen, Aktion und Reaktion, das sind einige der Grundmechanismen, denen wir hier im Nationalpark Sächsische Schweiz zusehen konnten, wie man den Atemzügen eines schlafenden Riesen lauscht!

 Posted by at 18:10
Mrz 132019
 

PFLICHT! Dieses Wort hat keinen guten Klang bei uns in Deutschland, ja manche würden den Gedanken der Pflicht am liebsten beerdigen.  Dafür sei ein zufälliges Beispiel angeführt: 

Immer wieder berichten uns Polizisten, Schulhelfer und Sozialarbeiter, dass Schulversäumnisse oft der Einstieg in kriminelle Karrieren sind. Schüler mit mehr als 40 Fehltagen, also Tagen unentschuldigten Fernbleibens vom Unterricht, sind keine Seltenheit bei den Intensivtätern.

https://www.lr-online.de/lausitz/guben/junge-intensivtaeter-im-justizvisier_aid-3361583

Daneben habe ich sehr oft miterlebt, wie Eltern ihre Kinder einen Tag oder mehrere Tage vor dem Ferienbeginn von der Schule nehmen, um noch einen günstigeren Flug zum Ferienziel zu ergattern. 

„Und warum besuchst du nicht die Schule?“ – „Keine Lust!“, „In den letzten Tagen vor den Ferien wird nichts mehr gelernt!“, schallt es mir dann entgegen. 

Fazit: Die staatliche Schulpflicht wird von vielen Kindern und Eltern nicht anerkannt, sondern nach Gutdünken ausgesetzt.  Auch die „Schulstreiks für das Klima“, von der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten erst vor wenigen Tagen einhellig gelobt und ermuntert, hauen in diese Kerbe. Denn selbstverständlich ist es unerheblich, aus welchen Gründen schulpflichtige Kinder beschließen, der Schule fernzubleiben – ob es nun um den Kampf für den Beginn einer Politik gegen den Klimawandel oder das Ergattern eines billigeren Ferienfluges geht, in allen diesen Fällen trifft das Kind eine Entscheidung, die gegen die gesetzliche Pflicht des Schulbesuches verstößt.  

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/fridays-for-future-steinmeier-lobt-schuelerdemos-100.html

Ich selber meine übrigens, dass die Schulpflicht grundsätzlich immer gilt, von Fällen ernsthafter Erkrankung und dringender persönlicher Angelegenheiten wie etwa der Beerdigung eines Familienangehörigen abgesehen. Die überwiegende Mehrheit der Eltern und Lehrer dürfte diesen Strandpunkt teilen.

Wir müssen jedoch anerkennen, dass viele Kinder und auch einige Politiker wie etwa die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident diese Meinung vom überragenden Rang der Schulpflicht nicht teilen. Viele Kinder und auch einige Politiker halten den Kampf dafür, dass die Politik endlich etwas gegen den Klimawandel zu tun beginnt, offenbar für ein so hohes Rechtsgut, dass er die Verletzung der Schulpflicht rechtfertigt.

https://www.sueddeutsche.de/politik/merkel-schueler-streiks-klima-fridays-for-future-1.4352065

Und wenn selbst die Bundeskanzlerin und der deutsche Bundespräsident die schulstreikenden, den Unterricht versäumenden Kinder unterstützen und loben, dann hat selbst der Kaiser sein Recht verloren.  „Ich gebe es auf! Es hat ja doch keinen Sinn, auf die Schulpflicht zu drängen“, werden sich jetzt viele Polizisten, Sozialarbeiter, Lehrer und Bewährungshelfer denken, wenn  sie das Lob des Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin für streikende Schüler hören. 

Der Beweis ist hiermit erbracht: Das Wort Pflicht hat keinen guten Klang bei uns in Deutschland! 

Dafür sei noch ein weiterer Beleg angeführt:

Immer wieder berichten mir Flüchtlingshelfer*innen und gastfreundliche Wohnungsgeber*innen, dass die bei ihnen wohnenden Geflüchteten keinerlei Pflichten anerkennen wollten, weder die Pflicht, Deutsch- und Integrationskurse zu besuchen, noch die Pflicht, sich um die Integration zu kümmern, oder die Pflicht, sich zu einer und nur einer Identität zu bekennen. Viele Geflüchtete scheinen nach diesen, meiner Meinung nach glaubwürdigen Berichten in der Tat virtuos mehrere Identitäten zu bespielen, tauchen mal hier, mal dort auf, besetzen mehrere Schlafplätze zugleich und streichen auch die gesamten Sozialleistungen für mehrere Identitäten ein. Überragende, virtuose Beispiele für dieses offenbar weitverbreitete Verhalten sind der europaweit berühmte, mittlerweile verstorbene Geflüchtete Anis Amri, der Mann vom Breitscheidplatz. Aber auch der geflüchtete Bilal Ben Ammar, ein Berliner Weggefährte Anis Amris scheint ein Meister in diesem Jonglieren mit zahlreichen, bis zu 14  Identitäten gewesen zu sein.

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/aufenthaltsort-amri-freund-ben-ammar-ist-in-tunesien-unbekannt-16085829.html

Der Staat lässt dies sehenden Auges zu, die Unterkunftgeber*innen oder auch Heimbetreiber*innen bemerken dies Mehrfachspiel zwar häufig, doch sehen sie keinen Anlass dies zu melden, könnte die Meldung doch zur Streichung der dringend benötigten Zahlungen des Staates für die Quartiergeber der Geflüchteten nach sich ziehen.

Es ist das große Verdienst der Journalistin Silvia Perdoni und des Berliner Tagesspiegels, am 11.03.2019 diese offenbar weitverbreitete virtuose Praxis der Fehlbelegungszahlungen am Beispiel der Schmidt-Knobelsdorff-Kaserne deutlich angesprochen zu haben: 

https://www.tagesspiegel.de/berlin/schmidt-knobelsdorf-kaserne-in-berlin-spandau-vorwurf-gegen-heimbetreiber-fluechtlinge-als-karteileichen-gefuehrt/24085696.html?

 Posted by at 15:46
Mrz 022019
 


ἐπηρώτα αὐτούς· τί ἐν τῇ ὁδῷ διελογίζεσθε; πρὸς ἀλλήλους γὰρ διελέχθησαν ἐν τῇ ὁδῷ τίς μείζων

„Er fragte sie: worüber habt ihr euch unterwegs auseinandergesetzt? Sie hatten sich nämlich auseindergesetzt, wer größer ist.“

Nun, an einem Stehtisch lauschte ich kürzlich, genüßlich eine Focaccia kauend, einer gelehrten Unterhaltung zweier Kunstfreunde. Das Thema lautete: Wer ist größer, Mantegna oder Bellini?

Diese Frage – „Wer ist größer?“ ist wohl alt, sehr alt. Der Evangelist Marcus, aus dem wir eingangs zitierten, hat uns ein hübsches kleines Gespräch mehrerer Wanderer überliefert. Er rahmt dieses Gespräch sehr passend ein in eine Rahmenhandlung. Framing, also Rahmung, nennt sich das heute bekanntlich, obwohl die Sache alt ist und schon einen Bart hat. Ich selber weiß die Antwort auf die Frage nicht, wer von den beiden der größere ist, Mantegna oder Bellini. Sehr wohl aber haben wir Hinweise darauf, was die Menschen meinen, wenn sie sagen: Dieser oder jener war ein großer Mann.

Was ist das eigentlich, ein großer Maler, ein großer Mann, ein großer Mensch? Die soeben glanzvoll eröffnete Ausstellung „Mantegna und Bellini“ bietet reichlich Gelegenheit, über diese Frage nachzudenken.

Wer ist ein großer Mann? Gaius Julius Caesar? Ja! Nach allem, was wir wissen, galt Gaius Julius Caesar als der größte Mann unter allen Lebenden seiner Zeit. Nicht zufällig wurde er als einer der wenigen Menschen zu Lebzeiten bereits durch Senatsbeschluss zum Gott erklärt. Wir haben steinerne Belege dafür spätestens seit seinem Sieg bei Thapsus im Jahr 46 vor Christus. Inschriften nennen ihn MP·C·IVLIVS·CAESAR·DIVVS: Imperator Gaius Iulius Caesar Divus.

So haben wir eine erste eindeutige Antwort auf die Frage, wer ein großer Mann ist: Gaius Julius Caesar ist in mancherlei Hinsicht der größte Mensch seiner Zeit gewesen. Dafür haben wir zahlreiche Zeugnisse.
Dass an der Größe Caesars keine Zweifel bestehen konnten und können, kann als ausgemacht gelten. Darüber braucht man nicht zu diskutieren. Eine andere Frage ist, ob der Evangelist Marcus dem so zustimmen würde. Gewusst hat er es sicher, dass die Menschen weltweit so denken.

Und so sahen ihn, so hörten, sie verehrten die Römer mit Trompeten diesen großen, den größten Mann seiner Zeit: mit pausbäckigen Musikanten, dickbauchigen Krügen, schmetterndem Schall, wogendem Gedränge:

„Divo Julio Caesari“. Holzschnitt von Andrea Andreani nach der Bilderserie von Mantegna: „Der Triumphzug Caesars“. Kupferstichkabinett Berlin. Derzeit zu sehen in der Gemäldegalerie Berlin in der Ausstellung „Mantegna und Bellini“.

Das griechische Zitat zu Beginn dieser Betrachtung haben wir dem Evangelium des Markus entnommen (Mk 9,34).

https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/mantegna-und-bellini.html

 Posted by at 00:19

Mieten in Berlin billiger als in Erlangen, Nürnberg, Ravensburg, aber teurer als in Schwerin und Erfurt!

 Mieten, Populismus, Zählen  Kommentare deaktiviert für Mieten in Berlin billiger als in Erlangen, Nürnberg, Ravensburg, aber teurer als in Schwerin und Erfurt!
Feb 202019
 
„Deutsche Wohnen & Co enteignen!“ Zettelaushang, gesehen in Berlin-Schöneberg am 23.02.2019

https://www.f-und-b.de/beitrag/fb-mietspiegelindex-2018-veroeffentlicht.html

Leicht unterhalb der Durchschnittsmieten aller deutschen Regionen liegen die Mieten in Berlin-Ost, leicht oberhalb in Berlin-West. In ganz Berlin liegen die Mieten also im Durchschnitt von ganz Deutschland. Dies geht aus dem neuesten Mietspiegelindex der Instituts F+B hervor. Unbeirrt von derartigen harten statistischen Wahrheiten fordern zwei der drei Fraktionen, die den regierenden Berliner Senat stützen, nämlich die Linke und die Grünen, für Berlin die Enteignung großer Wohnungsunternehmen wie etwa der Deutsche Wohnen.

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/debatte-um-deutsche-wohnen–rot-rot-gruene-koalition-streitet-ueber-enteignung-32054392

Hmmm… diese Forderung nach Enteignung einiger von der Politik ausgewählter Vermieter ist doch wohl recht und billig, oder etwa nur billig?

Wo kämen wir hin, wenn die Durchschnittsmieten in ganz Berlin, der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, auf das Niveau von Städten wie Ravensburg, Erlangen, Nürnberg oder gar Dachau anstiegen!

Ich meine: Die Forderungen nach Enteignungen, das ständige Rufen nach „bezahlbarem Wohnraum“ ist ein Ausdruck des in der Berliner Politik seit vielen Jahrzehnten blühenden Populismus. Man stellt irgendwelche Forderungen in den Raum und hofft darauf, dass das gemeine Volk (der Populus) einen dafür mit Stimmen in der Wahlurne belohnt.

Gerechnet wird nicht, hingeschaut wird nicht. Aber für die Parteien Berlins zahlt es sich seit Jahrzehnten offenkundig aus.

 Posted by at 17:23

Lauschend im Niedwald

 Gedächtniskultur, Natur  Kommentare deaktiviert für Lauschend im Niedwald
Feb 132019
 
Im Niedwald. Aufnahme vom 13.02.2019

Recht heimlich ist mir’s im Niedwald. Über die Jahrtausende hat er sich gebildet, hier, wo mich vorgestern bei der Ankunft der Habicht mit seinem lauttönenden Ruf begrüßte. Beiderseits der Altarme der Nidda erstreckte er sich, hier zu meinen Füßen, wo Hainbuche, Ahorn, Wildkirsche, Esche, ja vereinzelt auch noch bis zu 250 Jahre alte Stieleichen aufragen. O wie dunkel ist’s hier in der finsteren Nacht gestern gewesen. Wie gern röche ich hier im Frühjahr den Bärlauch, der als weißer Blütenteppich den Boden bedeckte und mit leichtem Knoblauchgeruch die Luft erfüllte wie damals, als wir die wilden Pentlands bei Edinburgh durchstreiften!

Horch hinein in die Zeitentiefe! Hier an der Via regia sicherte einst berittenes Geleit vor Überfällen durch die Straßenräuber. Diese Straße hier verband damals den Bischofssitz Mainz mit Fulda und Hersfeld, den bedeutenden Abteien, und führte Berittene auf Heerfahrt, Krämer, Marketender weiter nach Eisenach und Erfurt, den Städten, die ich bei der Herfahrt mit dem ICE-Zug kurz grüßte.

Bei Leisenwald im Vogelsberg ist heute noch ein Verbotsstein erhalten, der es „bei fünff Gulden Straff“ verbot, die Straße ohne die Bezahlung des Wegezolls von 4 Schilling zu benutzen.

Doch ich, ich bin ja nicht so, bin ja kein Wegelagerer noch auch Wege-Erschleicher. Ich zolle dieser Straße meinen Wegezoll der Achtsamkeit! Ich wende ihr genau die Aufmerksamkeit zu, die sie verdient genau so wie der Niedwald, den sie hier durchquert. Künftiger Bärlauch, Esche im Niedwald, berittene Wächter, lauter Habicht im Auenwald, Wegstein im Leisenwald, Fulda, Hersfeld, Mainz – seid mir gegrüßt, ich werde vorübergehen, aber die Erinnerung an euch wird bleiben wie an den, der hier vorüberzog eine winzige Wegstrecke seines Lebens.

Quellennachweis: „VIA REGIA. Kulturroute des Europarates“, auf: Obelisk aus dem 21. Jahrhundert, aufgestellt vor dem alten Ramada im Niedwald an der alten Via Regia (heute: Oeserstraße 180, 65933 Nied/Hessen)

 Posted by at 23:00

Mit tausend Gipfeln aufblühend: Pergamon, in Asia, in Berlin!

 Antike, Heiligkeit, Hölderlin  Kommentare deaktiviert für Mit tausend Gipfeln aufblühend: Pergamon, in Asia, in Berlin!
Feb 032019
 
Statue eines bärtigen Gottes, sogenannter „Zeus“, möglicherweise auch Poseidon, Hades oder Asklepios. Heute gesehen in der Ausstellung:
PERGAMON. Meisterwerke der antiken Metropole und 360°-Panorama von Yadegar Asisi.

Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.
Im Finstern wohnen die Adler und furchtlos gehn
Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg
Auf leichtgebaueten Brücken.

Kaum aus dem Staunen heraus komme heute ich nach dem Besuch der Ausstellung am Berliner Kupfergraben. Das Pergamonmuseum stellt einige seiner schönsten, besten und erstaunlichsten Werke für einige Jahre in einem gesonderten Ausstellungsbau aus und ergänzt sie um ein prachtvolles 360°-Panoramabild des Künstlers Yadegar Asisi. Länger verweilte ich vor diesem Götterbild, bei dem mir unabweisbar die Verse aus der Patmos-Hymne von Hölderlin in den Sinn kommen:

Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.

Quelle: Friedrich Hölderlin: Patmos. Dem Landgrafen von Homburg. In: Hölderlin, Werke und Briefe, Bd.1, ed. Beißner/Schmidt, Frankfurt am Main 1969, S. 176-194, hier S. 176

 Posted by at 20:18

Ultra voluntatem nullus civis germanicus obligetur in rebus oecologicis!

 Ökologie, Schöneberg  Kommentare deaktiviert für Ultra voluntatem nullus civis germanicus obligetur in rebus oecologicis!
Jan 302019
 

„In der Ökologie werde kein Deutscher über seinen Willen hinaus zu irgend etwas verpflichtet!“ Die Berliner oder auch die Deutschen sind nicht bereit, freiwillig die verhängten Parkverbote einzuhalten und damit einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Die Hauptstraße in Schöneberg, die ich gelegentlich entlangradele, weist über einige Kilometer eine Busspur aus. Es geht darum, die verordnete 30-km/h-Höchstgeschwindigkeit in ihrer Wirkung auf die Luftqualität zu überprüfen und zugleich den Busverkehr als weniger luftbelastende Verkehrsform zu beschleunigen. Denkste, Pustekuchen, trotz ständiger Überwachung ist die Busspur ständig zugeparkt! Dieses Foto zeigt drei Fahrspuren der Schöneberger Hauptstraße: ganz rechts die wie üblich dauernd zugeparkte Busspur, in der Mitte die vorübergehend zugeparkte erste Fahrspur, ganz links die zweite Fahrspur, auf der sich wie so oft ein Stau gebildet hat.

Ich meine, es hat überhaupt keinen Sinn, irgendetwas zum Thema Klimaschutz oder Luftreinhaltung von uns deutschen Bürgern zu erwarten. Beweis: Die Starts und Landungen an deutschen Flughäfen nehmen seit 5 Jahren mit wachsenden Wachstumsraten zu.

https://www.tagesschau.de/inland/luftverkehr-107.html

Dabei ist nachgewiesen, dass der Flugverkehr unter allen vermeidbaren CO2-Quellen die größte Last an klimabeeinflussenden Abgasen emittiert! Ein einziger Mittelstreckenflug emittiert pro Passagier so viel CO2 wie ein kleiner PKW, der das ganze Jahr über genutzt wird.

Die Deutschen wollen mehrheitlich einfach keinen Klimaschutz, jedenfalls sind sie nicht bereit einen eigenen Beitrag zu leisten.

 Posted by at 21:38

Gelenke des Lichtes, Gänge, Treppen, Throne, Räume aus Wesen: Handels Messiah in der Philharmonie

 Freude, Musik, Versöhnung  Kommentare deaktiviert für Gelenke des Lichtes, Gänge, Treppen, Throne, Räume aus Wesen: Handels Messiah in der Philharmonie
Jan 282019
 

Licht, Gänge und Treppen im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, gestern, 27.01.2019

Frühe Geglückte, ihr Verwöhnten der Schöpfung,
Höhenzüge, morgenrötliche Grate
aller Erschaffung, – Pollen der blühenden Gottheit,
Gelenke des Lichtes, Gänge, Treppen, Throne,
Räume aus Wesen, Schilde aus Wonne, Tumulte
stürmisch entzückten Gefühls und plötzlich, einzeln,
  Spiegel: die die entströmte eigene Schönheit
wiederschöpfen zurück in das eigene Antlitz.

Kurzes Verweilen, unschlüssiges Umhergehen vor dem Messiah Händels in den Gängen der Philharmonie. Ein paar Verse aus Rilkes zweiter Duineser Elegie kreuzen mein Gedächtnis. Der Saaldiener waltet seines Amtes und vertröstet uns auf „gleich geht die Tür auf.“ Scharouns Architektur hält uns gefangen, nein, sie führt uns wie Gefangene der Zeit umher in immer neue Licht-Gelenke, Gänge, Treppen, hin zu Klangerfahrungen, Hinlauschen in das, was dann sich gleich vor unseren Ohren abspielen wird. Nie war die Hoffnung auf Musik größer als vor dem Öffnen der Saaltüren, dort oben vor dem unsichtbaren Antlitz der Schönheit der Musik. Und so war es dann auch!

Der Messiah in der Aufführung durch den Berliner Figuralchor unter Gerhard Oppelt beschenkte uns mit einer so von keinem von uns so zuvor gehörten Schönheit, einer Schönheit, die der eines ungeborenen Kindes, eines in der Geburt befindlichen Kindes entspricht: nicht so laut wie gewöhnlich, mit mehr Falten, mit mehr Sichtbarkeit der Füßlein, fragileren Fingerchen, zarteren Klängen, herzzerreißenderem Schluchzen.

Ja, wir mussten schon hinhören, es war eine Schwebung in der Luft, eine ungleichschwebende Leichtigkeit, eine historische Stimmung, die mich an Kandinskys Zeichnung „schwebende Schwere“ erinnerte.

Der Dirgent Gerhard Oppelt war kein Herrscher und Lenker, sondern eher ein väterlicher Hirte, der mit Fingerzeigen lenkte, – feeding the choir, his flock, like a shepard, gathering the lambs, the soloists and players with his arms-. Elina Albach spannte an Cembalo und Orgel umsichtig, sich umsehend, klug sichernd und witternd die Gesangssolisten einerseits – Miriam Feuersinger, Stefan Kahle, Benedikt Kristjánsson, Jörg Gottschick – und das recht beträchtliche Basso-Continuo-Ensemble andererseits zusammen. Albach war in unserer kleinen, bunten, zum Frohsinn aufgelegten Hörergruppe die heimliche Favoritin des Ensembles.

Das Halleluja zu Ende des zweiten Teiles wurde somit überzeugend gedeutet als allmähliches Hineinwachsen in den Jubel, als Erlernen, Erproben, Ertasten der Freude einer Wiederkehr des Lebens, das uns schon vorher geschenkt war, ohne das wir es wussten.

Beeindruckend fand ich auch insbesondere das höchstpersönliche Zwiegespräch „If God be for us who can be against us“ zwischen dem Geiger Santiago de Medina und der Sopranistin Miriam Feuersinger. Hier entspann sich ein endloser Faden des gemeinsamen Werbens und Webens, des Weiterreichens und Zurückgebens, in völliger Gleichberechtigung, auf gemeinsamer Augen- und Ohrenhöhe. Einfach schön! Was soll man sonst noch sagen außer: einfach schön!

Bestrickend schön fand ich über alle Maßen das Amen zum Beschluss des Ganzen. Ein sehr einfacher Text, möchte man meinen. Ja, das ist der einfachste ungeschminkteste Wortlaut zum kompliziertesten, äußerst figurierten Satz des großartig aufgelegten Figuralchores. Und was bedeutet dieses Amen? Vielleicht dies: So sei es für wahr so sei es gewesen so werde es sein so möchte ich das glauben so bekräftigen wir das so beglaubigen wir das denn so war es und so wird es sein. Ja.

Stricke des Todes hielten uns gefangen, doch jetzt brachen auf Blicke des Lebens! Danke, danke, danke!

PS: Hat man diese Grundhaltung des Dankens und des Ja-Sagens in sich aufgesogen, wird sie auch den Alltag erhellen. So geschah es auch mir heute, denn soeben stand ich in nüchterner Montagsstimmung in einer langen Reihe von Käuferinnen beim TK Maxx umme Ecke an, um eine geräumige Sporttasche für verschwitzte Sportklamotten zu kaufen. Vor mir, hinter mir, führten die Käuferinnen Gespräche am Handy – vor mir in Russisch, hinter mir in Türkisch. Und was höre ich da, wieder und wieder? Ich höre zum Beschluss des Handy-Telefonats in türkischer Sprache genau dies:

sağolun … sağolun … sağolun … amen .. amen… amen. Tschüß!“

Zitat: Die zweite Elegie. In: Das dichterische Werk von Rainer Maria Rilke. Haffmanns Verlag bei Zweitausendeins. Leipzig 2015, S. 806-808, hier S. 806

 Posted by at 17:57