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Mauerfall im Kleinen anpacken! (2)
Der Gedenktag 9. November brachte mir eine Fülle von Offenbarungen. Die erste, die wichtigste: der Mauerfall geht weiter! Freiheit muss stets weiter erkämpft und verteidigt werden.
Das versuche ich im Klitzekleinen, in meinem winzigen Umkreis, fernab der großen, der ernsten, der richtigen Weltpolitik. Ich bin ja nur ein nichtssagender Miniaturpolitiker im klitzekleinen Kreuzberg. Ich werde dennoch mein stetes Eintreten für die gemeinsame staatliche Grundschule fortsetzen. Ich werde weiterhin dafür werben, dass die linken, die grünen, die roten, die gelben und die schwarzen Deutschen ihre Kinder zu uns Migranten, Ausländern und Unterschichtlern in die staatliche Grundschule schicken. Das ist die große Barriere, die die deutschen bildungsbewussten Eltern mit allerlei listigen Vorwänden errichtet haben. Es herrscht eine unsichtbare Mauer in unseren Unterschichtquartieren - die guten Deutschen sondern sich mit allerlei Vorwänden und Ausreden ab. Das halte ich für gefährlich. An der Abtragung der Mauer zwischen den guten deutschen Bildungsbürgern und uns Migranten und uns Unterschichtlern werde ich beharrlich weiterarbeiten. Egal ob andere Väter und Mütter meinen Standpunkt teilen oder nicht.
Das aktuelle TIME Magazine (16. November) bringt auf S. 38 einen hellsichtigen Bericht über unsere Zukunft. Uns in Kreuzberg, Wedding, Neukölln blüht - wenn wir nichts tun - dasselbe, wie es Detroit 1967 erlebt hat: Rassenunruhen brachen aus, 43 Menschen wurden getötet - danach zogen die weißen Amerikaner fluchtartig aus den Innenstadtbezirken weg. Die Bevölkerungszahl ging um 50% zurück. 47% der Bevölkerung in den Innenstadtbezirken sind funktionale Analphabeten. Nur die katholische Jesuit High School and Academy trotzt dem Sturmwind, bildet unermüdlich weiter die Ghetto-Kids für College und Hochschule aus. 99% der Kinder verlassen die Schule mit einem Abschluss, der sie zu weiteren Studien befähigt. Ein Lichtblick!
In a city where 47% of adults are functionally illiterate and only 25% of high school freshmen make it to graduation, U of D is the chute through which bright young men can get to college. The school boasts a near perfect graduation rate and sends 99% of its graduates on to higher education.
Read more: http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,1933203,00.html#ixzz0WaUOmWMn
Dem grünen Newsletter Frieke entnehme ich lachenden und weinenden Auges: Die Bezirksgrünen haben einen flammenden Antrag gegen den bösen Herrn Sarrazin in die BVV eingebracht. Sie zeihen ihn des abgefeimtesten Rassismus. Lest und genießt einen Abschnitt daraus:
Sarrazins Pöbeleien sind kein „Tabubruch“, sondern mobilisieren eine Mentalität der Ausgrenzung und die Suche nach „schuldigen Kollektiven“.
Die Folgen erleben wir vor Ort: Die Ängste und Einschüchterungen, die großen Verunsicherungen, die viele MigrantInnen empfinden und mit denen sie fertig werden müssen, tragen zur Zerstörung eines ohnehin erst langsam gewachsenen Vertrauens in die politische und alltägliche Kultur unseres Landes bei. Die Berliner Soziologin Nevim Cil hat in ihrer Studie über die „Topografie des Außenseiters“ gezeigt, wie sehr sich etwa in der Generation der in den 1980er Jahren geborenen TürkInnen ohnehin die Enttäuschungen über mangelnde Teilhabechancen und schlechte Aussichten auf Erwerbsarbeit verfestigt haben.
Infolge anhaltender Diskriminierungen misstrauischer geworden, ziehen sich viele resigniert zurück.
Na prima! Ei wie treuherzig, ei wie gutmütig! Ein Beweis, dass die Grünen mal wieder auf der richtigen Seite stehen! Es ist so leicht abzulästern! Sarrazin ist ein guter, ein vortrefflicher Sündenbock.
Aber wo sind die Kinder all derer, die auf der richtigen Seite stehen? Warum hat der grüne Bezirksbürgermeister seine Kinder nicht zu uns in die Unterschichtschule geschickt? Warum schicken die schicken Bezirkspolitiker ihre Kinder nicht zu uns Unterschichtlern?
Heute habe ich mit einigen Musikern ein Konzert für unsere Unterschichtschule vereinbart. Es findet statt am 24.11.2009 um 10 Uhr in der St.-Lukas-Kirche in Kreuzberg, einen Steinwurf von unserer Schule entfernt. Thema: Zum Geburtstag von Fanny Hensel. Darauf freue ich mich. Sehr sogar!
Der Kampf gegen die Mauern geht weiter! Venceremos!
Das Bild zeigt Reste der Berliner Mauer auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs, aufgenommen heute.