Povero Gianfranco, oder: „Hände runter oder Geld!“

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Feb 012010
 

In Mailand wurde aus Umweltschutzgründen am Sonntag ein komplettes Fahrverbot für Autos verhängt.  Aber genug zu tun gab es für die Verkehrspolizei dennoch: Einem Radfahrer namens Gianfranco Giardina wurden 23 Euro abgenommen, denn er war 300 Meter freihändig gefahren! Begründung: „Es war mir zu kalt!“Also: „Hände runter – oder Geld her!“

Blocco del traffico? Multato un ciclista – Milano
Il blocco del traffico a Milano porta con sè anche le inevitabili contravvenzioni. Una di queste, però, non è andata a un’auto, bensì ad un ciclista. Protagonista della vicenda è Gianfranco Giardina, un giornalista milanese che percorreva via Gallarate in bicicletta e si è visto affibbiare una contravvenzione per «guida senza mani»: «La strada era completamente deserta e ho tenuto le mani in tasca per un tratto di circa 300 metri perchè avevo freddo» ha raccontato. Fermato dalla polizia stradale, Giardina si è visto comminare 23 euro di multa.

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Spielerisches Einüben des passato remoto

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Jun 202009
 

20062009008.jpg Eine Zeit lang in meinem Leben unterrichtete ich Fremdsprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Lateinisch.  Es war eine „Brückenzeit“, die mich sehr viel gelehrt hat: wie man mit wenigen Worten viel sagen kann. Heute liefert die italienische Zeitung La repubblica einen herrlichen Übungstext für alle Freunde des Italienischen: Ein junge Frau erzählt aus ihrem Leben. Sie ist 23 Jahre alt. Sie kommt aus Modugno. Sie ist wunderschön.

Modugno, das war in meinem Leben ein Landstädtchen in der Nähe von Bari. Des öfteren fuhr ich mit meinem schwarzen  Hollandrad dorthin, um einen Freund zu besuchen oder einfach nur, um die staubtrockene apulische Landstraße zu spüren. Am Straßenrand wuchs die wilde Zichorie, die dort in der Küche eine bedeutende Rolle spielt.

Barbara kommt aus dieser verschlafenen Kleinstadt. Sie arbeitet als „Modell in einem Brautmodegeschäft“. Welche Perspektiven mag sie da haben, in Modugno, wo die wilde Zichorie wächst? Um so beeindruckender klingen ihre Berichte aus der großen Welt, vorgetragen im passato remoto, das in Süditalien noch zum gespochenen Italienisch gehört – anders als im Norden. Alles kommt darin vor: die Macht und der Sex, das Geld und die Gefühle, der Verrat und das Geheimnis. Dort, im Norden, ist das passato remoto schon durch das passato prossimo ersetzt.

Allen Italienisch-Lernenden unter meinen Leserinnen und Lesern empfehle ich das Interview mit Barbara als hervorragenden Stoff zum Üben. Docenti d’italiano: questa è roba per voi!

Und das beste ist: das Interview kann man sowohl lesen als auch per Video abrufen.

Lest den folgenden leichten Einstiegstext – versteht ihr ihn?

Barbara Montereale ha 23 anni. È di Modugno. È una bellissima madre single di una bimba di un anno e tre mesi.

 „Io, Silvio e le altre ragazze tutte lo chiamavano Papi“ – Politica – Repubblica.it
Barbara Montereale ha 23 anni. È di Modugno. È una bellissima madre single di una bimba di un anno e tre mesi. Sull’avambraccio sinistro ha tatuato: „Sbagliare e soffrire“. Ha vissuto per un periodo a Milano con un uomo che, all’epoca era bodyguard di Domenico Dolce.

Unser Bild zeigt einen Blick von heute, herab von den sanften Höhen des den Italieniern wohlbekannten Monte della Croce in einem Stadtviertel von Berlino, das da heißet Kreuzberg, einen Steinwurf entfernt von der Osteria Numero 1 in der Kreuzbergstraße.

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Socialisti e Popolari perdono pezzi, boom degli Euroscettici

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Mai 252009
 

Einige klare europaweite Trends zeichnet das italienische Magazin Panorama in seiner neuesten Ausgabe heraus:

1. Noch einmal leicht fallende Wahlbeteiligung auf nur noch knapp über 40 Prozent. 2. Sehr viele Neulinge im Parlament. 3. Verluste der beiden wichtigen großen Fraktionen, also der Sozialisten und der Volksparteien (zu denen die deutsche CDU gehört). 4. Starke Zunahme der euroskeptischen und nationalistisch gesonnenen Parteien, die die EU eigentlich ablehnen.

Alterspräsident wird vermutlich Jean-Marie Le Pen, der Franzose soll aber nicht die erste Sitzung eröffnen. Statt dessen wird unser Hans-Gert Pöttering, der amtierende Parlamentspräsident, vorgeschlagen.

L’Eurocamera che verrà: Socialisti e Popolari perdono pezzi, boom degli Euroscettici » Panorama.it – Mondo
La prima sessione del nuovo Europarlamento non sarà presieduta dal leader del Front National francese Jean Marie Le Pen (gli sarebbe toccato in quanto membro più anziamo). Il regolamento sarà cambiato per fare parlare invece Hans Poettering, il presidente uscente. “I leader si sono consultati e una persona che non condanna l’Olocausto” ha detto Poettering, “non è la più indicata per la prima sessione”. Ma il leader dell’ultradestra transalpina avrà comunque le sue soddisfazioni: il gruppo degli euroscettici e dei partiti nazionalisti potrebbe raggiungere dimensioni mai viste prima.

Alle diese Daten können uns nicht beruhigen. Sie sind zusammengenommen ein Alarmzeichen. Wir müssen Europa stärker machen als es im Moment dasteht. Wie? Darüber sprechen wir noch! Ein Mittel: Mehr Berichte aus anderen Ländern. Ein Anfang ist hiermit gemacht!

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Wie machen’s die anderen? (2)

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Mrz 232009
 

Überall in den europäischen Ländern stellen sich heute Fragen nach staatlichem Eingreifen in die Wirtschaft. Da liegt es doch nahe, immer wieder über den Tellerrand zu schauen: Was geschieht bei unseren EU-Partnern?

Eine unübertroffene Fülle an Beispielen für staatliche Beihilfen bietet das schöne Italien. In den Jahren 1950 bis 1992 bestand die Cassa del Mezzogiorno, die Beihilfekasse für den Süden, eine Art staatlicher Beregnungsmechanismus, mit dem riesige Geldsummen als Transfer in strukturschwache Gebiete gelenkt wurden. Verantwortlich zeichneten dafür maßgeblich die italienischen Christdemokraten. Wie wird das Ganze heute beurteilt?

Der Schriftsteller Franco Marcoaldi schreibt in seinem neuesten Buch, einer Art Rundreise durch die italienische Provinz (wir sind in Ascoli Piceno, einer Stadt in der Region Marken):

Quanto all’economia, le novità (e i guasti) risalgono a stagioni più recenti. Più precisamente ai disastrosi anni della Cassa del Mezzogiorno; degli ‚aiutini‘ che quell’istituto ha distribuito a pioggia a imprese di ogni genere, e di cui hanno beneficiato a lungo ben ventritre comuni della provincia.

I risultati finali si vedono adesso, con fabbriche obsolete sin dalla nascita e che, cessata l’èra della rapina legalizzata, hanno chiuso una dopo l’altra, lasciando in mezzo alla strada centinaia, migliaia di operai. Senza contare i danni prodotti dallo smembramento del tessuto sociale preesistente, formato essenzialmente da artigiani e contadini, difficile da ricostruire.

Das Zeugnis für staatliche Beihilfen hätte also schlechter nicht ausfallen können! Staatliche Beihilfen am Markt vorbei führten, so Marcoaldi, zu leeren Fabriken, zu zeitverzögerter Massenarbeitslosigkeit, darüber hinaus zur Zerstörung bestehender sozialer Gefüge. Der Autor geht so weit, dieses staatliche Beihilfesystem als „legalisierten Raub“ zu bezeichen. Denn überall da, wo der Staat zunächst ohne erkennbare Gegenleistung Geld beischießt, sitzen Menschen. Menschen, die entscheiden können. Menschen, die beeinflussbar sind, und die auch gerne dann bei passender Gelegenheit sich an ausgereichte Wohltaten erinnern.

Das Ergebnis: Durch derartige Verschwendung von Steuermitteln wird Korruption und Klientelismus aktiv befördert. Davon sollte man besser die Finger lassen. Italien hat mittlerweile umgedacht. Die Cassa del Mezzogiorno gibt es nicht mehr. Es ist schlechterdings nicht gelungen, den Süden durch ein System von staatlichen Beihilfen an das Niveau des Nordens heranzuführen.

Quelle: Franco Marcoaldi, Viaggio al centro della provincia, Verlag Giulio Einaudi, Torino 2009, hier: Seite 4

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Apr 202008
 

abwasserprojekt_kreuzberg19042008.jpg Es gibt Künstler, die sich durch längeres Liegenlassen, durch längere Zeiten der Nichtbeachtung verändern. Die innere Architektur ihrer Werke verschiebt sich. Was vormals ansprang, skandalisierte, ätzte, tritt zurück. Das Stille, Verhaltene und Unaufregende tritt vor. So geht es mir mit Pasolini. Erstaunt stelle ich fest, dass die öffentliche Person Pasolini sich nahezu unkenntlich vor sein Werk geschoben hat. Dazu hat er selbst auch beigetragen. Durch sein Auftreten, durch seine Verurteilungen, durch die zahlreichen Tabubrüche, die er begangen hat. Insbesondere aber haben seine zahlreichen politischen Essays und Glossen, die man heute bequem in den Scritti corsari nachlesen kann, einen nahezu undurchdringlichen Begriffsnebel um sein künstlerisches Schaffen gelegt. Man kann diese Essays und Reden lesen als einen Versuch der Selbsterläuterung: politische Einsichten, ja selbst politisch greifbare oder angreifbare Aussagen enthalten sie nicht. Man lese doch nur etwa – um nur eines von Dutzenden von Beispielen zu nehmen -, was er 1974 zum Thema Genozid in seiner Rede „Il genocidio“, erklärt, die nachträglich am 27.09.1974 in der Rinascita erschien:

Quando vedo intorno a me i giovani che stanno perdendo gi antichi valori popolari e assorbono i nuovi modelli dal capitalismo, rischiando così una forma di disumanità, una forma di atroce afasia, una brutale assenza di capacità critiche, una faziosa passività, ricordo che queste erano appunto le forme tipiche delle SS: e vedo così stendersi sulle nostre città l’ombra orrenda della croce uncinata. Una visione apocalittica, certamente, la mia. Ma se accanto ad essa e all’angoscia che produce, non vi fosse in me anche un elemento di ottimismo, il pensiero cioè che esiste la possibilità di lottare contro tutto questo, semplicemente non sarei qui, tra voi, a parlare.

(Pier Paolo Pasolini, Scritti corsari, Garzanti Elefanti, Milano 2004, S. 231)

Beständig vergleicht Pasolini in diesen wie in anderen Passagen den Genozid, den systematischen Massenmord unter den Diktaturen des 20. Jahrhunderts, mit der schleichenden Erosison der „antichi valori popolari, der uralten Werte des Volkes“ und was dergleichen töricht-kunstgewerbliche Reden mehr sind. Schwer erträglich angesichts der Millionen und Abermillionen Getöteten, wie er der Kulturindustrie, dem Fernsehen, der bürgerlichen Presse dieselbe Brutalität unterstellt! Vor allem deshalb, weil das italienische Volk ja gar nicht bemerkte, wie es den von Pasolini apokalyptisch erschauten kulturellen Genozid erlebte. Auch in Deutschland wetterten kritische Geister damals gegen die abstumpfende Macht der Medien und verstiegen sich zu allerlei begrifflichen Zieraten wie etwa der „strukturellen Gewalt des Systems“, die in einer bruchlosen Kontinuität mit dem Nationalsozialismus stehe. Vieles ist grotesk, unfassbar, skandalös, wenn man es heute noch einmal liest! Eine Wolke an Selbsttäuschungen, in die sich ein Teil der westeuropäischen Intellektuellen einspann.

Ich meine: Man lasse den politisch-öffentlichen Pasolini ruhen, seine endlos wiederholten Selbstzeugnisse legen falsche Spuren, und ihn als den großen Dichter, Deuter und Künder zu verklären, wie das Moravia in seiner Grabrede tat, hilft beim Verständnis seiner Werke nicht weiter.

Entdeckungen gibt es aber in seinen anderen Schriften zu machen, den frühen Gedichten, den erzählerischen Werken wie etwa den Ragazzi di vita, den Filmen. Heute las ich zweimal Il pianto della scavatrice – Die Klage des Baggers aus dem frühen Gedichtband Le ceneri di Gramsci. Pasolini ist kein abstrakter Denker, aber ein sehr guter Worte-Musiker. Hier beschreibt er einen Spaziergang durch die römische Vorstadt, entwirft jagende, dicht gedrängte Bilderketten, furiose Staubwolken des Begehrens, mit halluzinatorischer Präzision in einem Dämmerzustand zwischen Tag und Nacht ausgefeilt. Großartig! Alles wird zuletzt eingeblendet in das Bild des kreischenden Baggers, der sich unerbittlich in die Erde hineinfrisst:

Nella vampa abbandonata /del sole mattutino – che riarde, /ormai, radendo i cantieri, sugli infissi

riscaldati – disperate /vibrazioni raschiano il silenzio /che perdutamente sa di vecchio latte,

di piazzette vuote, d’innocenza.

(Pier Paolo Pasolini: Poesie. Garzanti Elefanti, Milano 2001, S. 40-41)

Hier ist alles ineinandergedrängt und verrührt: Genaue Beobachtungen, drängendes, stoßhaftes Verlangen, allegorische Begrifflichkeiten. Gut, überzeugend, mitreißend finde ich solches plastische Schaffen bei diesem Dichter. Hier gibt es noch viel freizulegen. Das Bild, das die Öffentlichkeit von Pasolini pflegt und hegt, bedarf der behutsamen Abtragung von Vorurteilen und Verklärungswolken. Nicht der Bagger ist hierzu vonnöten, sondern der feine Pinsel, das Staubtuch, das die Asche seiner Gebeine freilegt.

Unser heute geschossenes Bild zeigt ein aufgegebenes Abwasserprojekt in einem Kreuzberger Innenhof (Bernburger Str./Köthener Straße): Geplant war, das gesamte Abwasser einer Siedlung durch schilfbepflanzte Teiche klären zu lassen und dann als Brauchwasser wiederzuverwerten. Offenbar wurde dieser Plan aufgegeben. Das grünlich veralgte Abwasser steht brackig und trüb im menschenleeren Innenhof, umgeben von Hunderten von Parabolantennen. Das Volk sieht fern. Das Abwasser stockt und fault reglos in den Becken aus Beton.

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Feb 112008
 

In jedem Buch findet wohl auch der flüchtige Leser den einen oder anderen Satz, an dem sich sein Blick festliest: irgendetwas sperrt sich, der Fluss des ständigen Aufnehmens und Vergessens der nacheinander hintreibenden Sätze wird unterbrochen. Es ist, als verhakte sich ein Kahn in einer Wurzel am Grunde des Flusses. So erging es mir mit einem italienischen Satz. Ich fand ihn in den Lebenserinnerungen der Rossana Rossanda. Hier öffnet sie kurz den Vorhang in das Gespinst ihrer Erinnerungen hinein. Die italienische Kommunistin erzählt mit großer Wärme aus ihrer Kindheit und Jugend, berichtet von anregenden und begeisternden Erfahrungen der Zuwendung, des Zusammenhalts im Kampf gegen die Diktatur. Sie tritt der KPI bei, erreicht nach und nach höchste Ämter und wird Mitglied des Zentralkomitees. Aber je mehr sie sich in die Politik hineinbegibt, desto stärker verschwindet das Mädchen, die Frau Rossana. Nur manchmal bricht ein Bewusstsein für den Preis auf, den sie gezahlt hat, um sich ihrer Sache zu widmen. Oder war es etwas Ungeklärtes, etwas Verschwiegenes? Hier kommt nun der Satz, der mich in dem ganzen Buch am meisten berührt hat:

Andavo sui trent’anni, età decisiva e inquietante, e stavo fra pubblico e privato come una stentata mangrovia fra terra e mare.

„Ich ging auf die Dreißig zu, ein entscheidendes, verunsicherndes Alter, und stand zwischen öffentlich und privat wie eine kümmernde Mangrove zwischen Land und Meer.“

 

Rossana Rossanda: La ragazza del secolo scorso, Einaudi, edizione tascabile, Milano 2007, Seite 148

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Incontro con l’autore Roberto Saviano

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Dez 102007
 

Amburgo, 5 dicembre. Fare l’interprete per Roberto Saviano è di nuovo un’esperienza emozionante. Questa volta l’autore entra in dialogo con Giovanni di Lorenzo. L’attore Glenn Goltz legge dalla traduzione tedesca. Sala piena zeppa di 800 persone, grande successo per Roberto, Giovanni di Lorenzo conclude con un appello alla solidarietà di tutti.

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Massima solidarietà!

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Nov 212007
 

Solidaritätsadresse aus Italien:

ciao johannes,

mamma mia che storia assurda con tuo figlio!!!! non ho parole.

si risolvera‘ tutto per il meglio sono sicura, ma e‘ comunque un fatto gravissimo. massima solidarieta‘ da parte mia.

 Posted by at 17:30